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Ostkreis BI macht weiter Druck in Sachen Kuhstallplänen
Landkreis Ostkreis BI macht weiter Druck in Sachen Kuhstallplänen
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12:00 16.02.2022
Vizelandrat Marian Zachow diskutiert mit Mitgliedern der Bürgerinitiative, im Hintergrund ist der bereits bestehende Kuhstall zu sehen.
Vizelandrat Marian Zachow diskutiert mit Mitgliedern der Bürgerinitiative, im Hintergrund ist der bereits bestehende Kuhstall zu sehen. Quelle: Michael Rinde
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Kleinseelheim

Im Thema „Kuhstallerweiterung“ stecken in Kleinseelheim weiterhin viele Emotionen. Das zeigte sich bei einem Ortstermin von Mitgliedern der Bürgerinitiative (BI) mit Vizelandrat Marian Zachow im Ort. Die Bauverwaltung des Kreises hatte die Bauvoranfrage der Landwirte Herbener aus dem Nachbar-Stadtteil Großseelheim seinerzeit positiv beschieden.

· Bürgerinitiative fürchtet mehr Gestank und Lärm

· Zoff um Kuhstallpläne

Worum geht es? Unter Kleinseelheimer Bürgern herrscht über den Ist-Zustand rund um den Kuhstall mit aktuell etwa 100 Tieren großer Unmut. Marc und Peter Herbener planen eine Stallerweiterung von 75 Metern Länge und eine Aufstockung des Tierbestandes auf bis zu 330 Kühe plus bis zu 80 Kälber.

Vor Ort in Kleinseelheim musste sich Zachow stellvertretend für die Kreisverwaltung einiges an Kritik anhören, vorgetragen von Ralf Luthe, der auch als Rechtsanwalt für Kleinseelheimer Bürger tätig geworden ist. Es läuft ein Widerspruchsverfahren gegen das Ergebnis der Bauvoranfrage. „Schon der Ist-Zustand ist nicht zu ertragen, auch nicht für Anlieger aus der zweiten und dritten Reihe“, sagte Luthe und nannte die Themen Lärm und Geruch und die aus Sicht der Bürgerinitiative zu schnell fahrenden landwirtschaftlichen Maschinen. Schon morgens um 6 Uhr gebe es Radlader-Geräusche an sieben Tagen in der Woche. Wäsche aufhängen sei nicht mehr möglich, wenn Gülle ausgefahren werde.

„Uns schwillt der Hals, wenn wir daran denken, dass der Stall nun noch größer werden soll“, so Luthe in Richtung Zachow. Am Bescheid zur Bauvoranfrage kritisierte Luthe, dass „bei vielen Punkten nur Häkchen gemacht worden sind“ und nannte exemplarisch den Komplex Brandschutz und Wasserversorgung. Ein einziger Brunnen versorge den Stall, schon jetzt trockneten Böden in der Umgebung aus. „Wir erwarten einfach von Ihnen, dass Sie zur Kenntnis nehmen, dass es sich hier um ein sensibles Bauvorhaben handelt“, mahnte er in Richtung Vizelandrat.

Bei dem Ortstermin hatte Zachow darauf verzichtet, sich von Verwaltungsmitarbeitern begleiten zu lassen. Er stellte sich allerdings demonstrativ vor die Sachbearbeiter. „Ich gehe sicher davon aus, dass alle ihre Arbeit machen“, betonte der Vizelandrat. Er gehe bewusst an dieser Stelle nicht auf einzelne Kritikpunkte ein. „Vieles von dem, was Sie vorbringen, wird im Detail noch beim eigentlichen Bauantrag geprüft werden“, sagte er zu und nannte stellvertretend den Brandschutz, aber auch das Thema Geruch. Die eigentliche Baugenehmigung, wenn es sie denn gibt, werde „hochdetailliert“ sein und gegebenenfalls auch Auflagen enthalten.

Unterschriftenliste ist länger geworden

Ralf Luthe überreichte Zachow schließlich ebenfalls die Liste der inzwischen 341 Unterschriften von Kleinseelheimern, die einen Stopp des Projektes fordern. Diese Liste hat auch die Stadt Kirchhain seinerzeit erhalten.

Der Ärger unter den Mitgliedern der Bürgerinitiative bleibt groß. Ein Kleinseelheimer kommentierte die Situation beim Gang in Richtung Kuhstall schließlich so: Dabei gebe es nur eine Entscheidung, Ja oder Nein, Kompromisse gebe es da nicht mehr.

Nach dem etwa einstündigen Termin zog schließlich Zachow, der auch mehrere Dialoge mit Kleinseelheimer Bürgern geführt hatte, ein Fazit. Er sehe grundlegende atmosphärische Störungen bei dem ganzen Thema. Sein Rat: „Es wäre zu überlegen, ob es an dieser Stelle nicht sogar eine professionelle Vermittlung braucht“ und erinnerte an das erste Gespräch, das Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) initiiert hatte. Zachow machte aber auch klar: „Es gibt hier keine politische Entscheidung, sondern eine nach Recht und Gesetz.“

Noch liegt kein Bauantrag vor, die Kreisverwaltung prüft derzeit den Widerspruch gegen das Ergebnis der Bauvoranfrage. Gegen diesen Bescheid ließe sich im Anschluss auch klagen.

Von Michael Rinde