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Ostkreis Bürgerinitiative fürchtet mehr Gestank und Lärm
Landkreis Ostkreis Bürgerinitiative fürchtet mehr Gestank und Lärm
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08:00 16.11.2021
Pläne für eine Kuhstallerweiterung lösen in Kleinseelheim Ärger aus. Landwirt Marc Herbener will die Argumente entkräften.
Pläne für eine Kuhstallerweiterung lösen in Kleinseelheim Ärger aus. Landwirt Marc Herbener will die Argumente entkräften. Quelle: Archivfoto: Tobias Hirsch
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Kleinseelheim

Vor vier Jahren wechselte der Besitzer, Eigentümer ist der Großseelheimer Landwirt Marc Herbener. Er hat Ausbaupläne für den Kuhstall. Und das stößt im Dorf und beim Ortsbeirat auf Widerstand und Protest. Inzwischen hat sich sogar eine Bürgerinitiative formiert. Die hat in den vergangenen Wochen etwa 320 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. In den zurückliegenden Wochen gab es einige Gerüchte im Dorf, von einem Ausbau des Stalls für 400 bis 600 Tiere und neuem Güllebehälter war schon die Rede.

Welche Bedenken gibt es? Auslöser ist offenbar die aktuelle Situation, durch die sich vor allem Anwohner im Westen des Dorfes schon belastet und gestört fühlen. Stichworte sind Geruchsbelästigung und Lärm durch die landwirtschaftlichen Fahrzeuge an sieben Tagen in der Woche, wie Peter Emmerich und seine Mitstreiter berichten. „Eigentlich wäre das ein Paradies hier, wenn nicht der Kuhstall mit seinen Problemen wäre“, fasst es eine Kleinseelheimerin zusammen. Für sie und andere Dorfbewohner sind die Grenzen der Belastbarkeit jetzt schon erreicht, wenn nicht überschritten. Eine Bauvoranfrage wurde bereits im Sommer gestellt, erstmals informierte der Ortsbeirat im Oktober darüber. Der Landkreis bestätigte der OP gestern, dass die Bauvoranfrage genehmigt wurde. Die Bürgerinitiative legt dagegen Widerspruch ein.

Sorge haben die Betroffenen auch um das Grundwasser. Denn der Stall benötigt künftig noch mehr Wasser für die Versorgung der Tiere, deren Zahl durch die Erweiterung steigen soll. Derzeit existiert ein Brunnen auf dem Grundstück des Stalles. Doch reicht das? Und wird nicht der Grundwasserspiegel gefährlich abgesenkt? Peter Emmerich rechnet vor: Bei einer Stallgröße für 333 Tiere plus 80 Kälber sei mit einem Wasserbedarf von 12 000 Kubikmetern pro Jahr zu rechnen.

Bisher keine Gespräche miteinander

Eine weitere Angst: Es kommt in naher Zukunft deutlich mehr Gülle auf die Flächen rund um Kleinseelheim. Das formuliert auch der Ortsbeirat Kleinseelheim so in einer Stellungnahme an Stadt Kirchhain und Kreisbaubehörde. Seine Sorge gilt dabei auch dem nahen Wasserschutzgebiet. Außerdem fürchtet der Ortsbeirat um die Wege und Straßen durch mehr landwirtschaftlichen Verkehr an und im Ort. Der Feldweg zum vorhandenen Stall ist jetzt schon in einem desolaten Zustand.

Was sagt der Landwirt? Bisher habe es keinerlei Gespräche zwischen Ortsbeirat oder Bürgerinitiative gegeben, berichten Marc und sein Vater Peter Herbener. Heute soll das erste Mal ein Gespräch stattfinden auf Einladung von Bürgermeister Olaf Hausmann. Mit am Tisch: Bürgerinitiative und Ortsbeirat. Er habe den Bestand an Kühen in den vergangenen Jahren um etwa 30 auf 100 reduziert, um den Tieren mehr Platz zu geben, sagt Marc Herbener vorab. Bei der Bauvoranfrage geht es um einen Stallneubau mit 75 Metern Länge und einer Breite zwischen 32 und 35 Metern. Beantragt hat Herbener, dort bis zu 330 Kühe und 80 Kälber unterzubringen als Maximalzahl. Wobei er diese Zahl eigentlich nur ausreizte, wenn kurzfristig viele Kälber auf einen Schlag zur Welt kämen.

Beide Herbeners betonen, dass sie keine neuen Güllebehälter planen, die Menge der vor Ort ausgebrachten Gülle werde sich auch nicht erhöhen. „Bisher fahren wir die Gülle in die Biogasanlage Rauschenberg, was zusätzlich hinzukäme, werden wir in die Anlage Großseelheim fahren“, sagt Herbener. Sein Vater Peter ergänzt, dass diese Transporte nicht durch den Ort fahren werden, sondern über Felder. Man habe immer versucht, mit den Bewohnern von Kleinseelheim gut auszukommen, Ärger wollten sie auf keinen Fall haben. „Viele Probleme liegen sicherlich auch in der Vergangenheit“, sagt Marc Herbener. Beide erhoffen sich heute „ein sachliches und von Emotionen freies Gespräch beim Bürgermeister und ein Einsehen“.

Bürgermeister will alle anhören

Für die Bauvoranfrage hat Herbener ein Emissionsgutachten erstellt. Das weist laut Herbener aus, dass die Emissionen unter den erlaubten Grenzwerten liegen werden nach der Stallerweiterung. Außerdem habe es Nachfragen des Bauamtes zu Brunnenkapazität und Brandschutz gegeben. Herbener wird nachweisen müssen, dass der Grundwasserstand nicht kritisch abgesenkt wird. Er geht davon aus, dass der vorhandene Brunnen ausreichen wird.

Was sagt die Stadt? Bürgermeister Olaf Hausmann setzt auf Gespräche in diesem Konflikt und sich selbst in der Rolle als Vermittler. „Ich möchte mir zunächst beide Seiten anhören und selbst ein Bild von den Positionen machen und schauen, ob es eine Übereinkunft geben könnte“, erklärt er gegenüber der OP. Bisher habe die Stadt beim Landkreis die übliche Stellungnahme zum Satzungsrecht der Bauvoranfrage abgegeben, dabei aber keine Einwände geltend gemacht.

Von Michael Rinde

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