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Ostkreis „AmöneBürger“ wollen sich einbringen
Landkreis Ostkreis „AmöneBürger“ wollen sich einbringen
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17:59 23.07.2020
Der ehemalige Steinbruch in Amöneburg wird kein Erlebnispark werden. Quelle: Thorsten Richter
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Amöneburg

Vor genau einer Woche verkündete Bürgermeister Michael Plettenberg (parteilos), dass der Investor, das Marburger Unternehmen „ALMA“, seine Pläne für den Bau eines Erlebnisparks in der früheren Erdaushubdeponie aufgibt. Das hatte Tobias Görge von der Investorenfamilie der OP bestätigt und erläutert. Nach dem Aus für die geplante Tankstelle am Fuße des Berges ist es das zweite Großprojekt in Amöneburg, das vor allem an Unwillen und Widerstand von Amöneburgern gescheitert ist.

Eine Gruppe, die „AmöneBürger“, haben sich dazu jetzt zu Wort gemeldet und klar Position bezogen. Sie begrüßen erwartungsgemäß das Ende der Pläne für den „Affenpark“, wie das Projekt in der Bevölkerung vor allem genannt wurde. Wobei der Investor am Ende schon angekündigt hatte, auf Affen zu verzichten und Gehege mit Erdmännchen und Lemuren zu planen.

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Kern aus zehn Bürgern

Ausdrücklich loben die „AmöneBürger“, die unmittelbar vor der Gründung einer Bürgerinitiative standen, die Dialogbereitschaft des bisherigen Investors. Gleichzeitig heben sie aber auch die etwa 2 300 Unterschriften unter einer Petition gegen den „Affenpark“ hervor. Für die Gruppe waren die Pläne für den ehemaligen Steinbruch eben nicht mit den Zielen eines „sanften Tourismus“ vereinbar. Amöneburg habe seinen Schwerpunkt im Bereich Natur, landschaftliche Schönheit, Geschichte, Kultur und Bildung, schreiben die „AmöneBürger“ in einer gemeinsamen Erklärung. Der Kern dieser Gruppe besteht aus zehn Amöneburgern, die sich eingebracht haben, berichtet Claudia Ockel. Sie ist später zu den „AmöneBürgern“ gestoßen.

Die Gruppe regt an, dass bei der künftigen Nutzung des Steinbruchgeländes die Bürger zu einem früheren Zeitpunkt als bisher einbezogen werden sollten. Wenn ein Investor erst einmal Zeit und Geld investiert habe, falle „ein Abstandnehmen“ immer schwerer und eine Konfrontation drohe. Um das zu verhindern, sehen die „AmöneBürger“ den Bürgermeister in einer zentralen Rolle als Moderator auch zwischen Investor, Bürgern und nicht zuletzt den politischen Gremien. Der angesprochene Bürgermeister Plettenberg war urlaubsbedingt für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

„Es gibt viele gute Ideen in der Bürgerschaft“, ist Claudia Ockel als eines der Gruppenmitglieder sicher. Sie selbst lebt erst seit einigen Jahren in Amöneburg und bekennt: „Ich fand die ursprüngliche Idee des ,Atmen’-Projektes mit mehreren kleinen Lodges gut.“

Die Abkürzung „ATMEN“ steht für Amöneburg, Tourismus, Mobilität, Energie und Natur. In der Erklärung der „AmöneBürger“ heißt es zu diesem Punkt: „Warum soll es in Amöneburg nicht möglich sein, dass Bürger und Politiker gemeinsam etwas auf die Beine stellen, dass von der Mehrheit getragen wird, zur Schönheit Amöneburgs passt und zugleich profitabel für die Stadtkasse ist?“

Bebauungsplan ist in Kraft

In jedem Falle wollen es die „AmöneBürger“ nicht mit dem Aus für den geplanten Erlebnispark mit Sommerrodelbahn und Tiergehegen bewenden lassen. Sie wollen laut Ockel zusammenbleiben und sich einbringen und werden auch das Gespräch suchen. Die Menschen von auswärts, mit denen sie habe sprechen können, kämen nicht nach Amöneburg, um sich „bespaßen“ zu lassen, sondern vor allem, um die Natur zu genießen.

Für das ehemalige Steinbruchgelände gilt – ebenfalls seit einer Woche – ein vom Parlament beschlossener Bebauungsplan, der Grundlage für alle Zukunftspläne wäre. Bürgermeister Plettenberg hatte in seiner Presseerklärung vor einer Woche die politischen Gremien dazu aufgefordert, Vorschläge für die künftige Nutzung der Anlage zu machen.

von Michael Rinde