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Ostkreis Mühlenmuseum soll im März eröffnen
Landkreis Ostkreis Mühlenmuseum soll im März eröffnen
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12:59 28.11.2020
Vereinsvorsitzender Reiner Nau auf dem Walzenboden der Brücker Mühle vor einem Doppelwalzen-Stuhl, in dem bis 2001 Getreide gemahlen wurde. Die Schautafel gehört zur neuen Ausstattung des Museums. 
Vereinsvorsitzender Reiner Nau auf dem Walzenboden der Brücker Mühle vor einem Doppelwalzen-Stuhl, in dem bis 2001 Getreide gemahlen wurde. Die Schautafel gehört zur neuen Ausstattung des Museums.  Quelle: Foto: Stefan Dietrich
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Amöneburg

Wenn Schulklassen oder Kindergarten-Gruppen die Brücker Mühle besuchen, fragt Müllermeister Thomas Kleinschmidt die Kinder, was man eigentlich alles mit Mehl macht. Zuerst kommt dann die Antwort „Brot“, erzählt er. Aber nach einigem Nachdenken fallen den Kindern immer mehr Lebensmittel ein, die aus Mehl hergestellt werden – Nudeln und Pizza zum Beispiel. Das zeigt, wie bedeutend Mühlen sind. „Die Müllerei ist das älteste Handwerk der Menschheit“, sagt Kleinschmidt. Mit welchen Mahlwerkzeugen die Menschen 5 000 Jahre vor Christi Geburt Mehl herstellten, kann man im ersten Stockwerk auf dem Walzenboden sehen. Doch heute ist dieses alte Handwerk eine Seltenheit. „Die Brücker Mühle ist die letzte funktionstüchtige Mühle an der Ohm“, sagt Kleinschmidt. Diese Besonderheit haben Thomas Kleinschmidt und seine Partnerin Sabine­ Walter schon vielen Besuchern gezeigt. Kinder können an dem außerschulischen Lernort selbst Getreide mahlen und Brot backen. Nun entsteht hier ein modernes Mühlenmuseum mit multimedialen Angeboten.

„Wir haben hier eine Mühle, einen Müller und eine Wasserkraftanlage“, sagt Reiner Nau, Vorsitzender des Brücker Vereins. Der Verein wurde 1996 gegründet, „um so etwas Außergewöhnliches zu unterstützen, damit die Bedeutung von Mühlen in der Region deutlich wird“. Die Bedeutung soll das Mühlenmuseum noch stärker in den Fokus rücken.

Moderne Technik ermöglicht Blick in das Innenleben der Mühle

„Es heißt Mühlenmuseum, weil hier viele Mühlen zu sehen sind“, sagt Nau. Auf dem Walzenboden ist ein funktionsfähiger Doppelwalzenstuhl, mit dem die Brücker Mühle bis 2001 Getreide gemahlen hat. „Wir haben auf jedem Dorf eine Bäckerei mit Mehl beliefert“, erzählt Kleinschmidt, „aber es gibt heute kaum noch Handwerksbäckereien.“ Daneben ist ein Steinmahlgang. Die Steinmühle mahlt geringere Getreidemengen, aber auch schonender, erklärt Nau. Die Mahlsteine, die vor einigen Jahren eigentlich zu Demonstrationszwecken wieder eingebaut wurden, sind wieder in Betrieb. Thomas Kleinschmidt mahlt hier mit Wasserkraft alte Getreidesorten von einem Bio-Landwirt in Langenstein, aus dem Mehl wird in einer Kirchhainer Bäckerei Brot gebacken. Daneben sind auf dem Walzenboden eine Ölmühle und Haushaltsmühlen zu sehen. Eine Etage höher kann man von oben in die Mühle blicken und sieht die Getreide- und Mehlsilos.

Die Ausstellungsstücke für das Mühlenmuseum waren also schon da – aber die Präsentation wird noch ansprechender und moderner. So können Besucher im Museum mit dem Smartphone Fotos und Videos betrachten, auf dem Walzenboden wird ein Fernseher aufgestellt, auf dem zum Beispiel der Wiedereinbau der Steinmühle zu sehen ist, im Erdgeschoss wird ein Beamer aufgehängt. Durch diese multimediale Präsentation können die Besucher auch die oberen Stockwerke der Mühle ansehen, die aus Sicherheitsgründen nicht Teil des Museums sind, ebenso das Innenleben der Maschinen. Besucher, die kein Smartphone haben, sollen sich Geräte leihen können. „Medientechnisch sind wir dann klasse aufgestellt“, freut sich Kleinschmidt. „Das ist ein guter Ansatz, Neue Medien einzusetzen und das Museum dadurch zeitgerecht zu machen.“ Zudem kann das Museum so ein barrierefreies Angebot machen – wer keine Treppen steigen kann, kann den Weg vom Korn zum Brot im Erdgeschoss digital erleben.

Trotz Corona-Krise im Zeitplan

Daneben sind im Museum schon neue Informationstafeln aufgestellt worden, im Erdgeschoss sind derzeit Schautafeln über den Einsatz der Wasserkraft zu sehen. Auch eine neue Beleuchtung und eine Brandmeldeanlage waren für das Museum notwendig. Fast 100 000 Euro kostet der Umbau zum Museum – diese Summe hat der Verein aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz beziehungsweise dessen Projektträger BLE an Fördermitteln erhalten. Partner wie der Hessische Mühlenverein und die entsprechenden Verbände auf Bundes- und internationaler Ebene unterstützen das Projekt. Bis zum 31. Dezember soll alles fertig sein, danach sind drei Monate Probebetrieb mit ersten Besuchern geplant. „Wir liegen trotz Corona-Krise immer noch im Zeit- und Finanzplan“, sagt Nau und fügt hinzu, dass das in der Pandemie „eine extrem sportliche Aufgabe“ sei. Wenn es die Corona-Krise nicht verhindert, wird am 26. März um 13 Uhr die offizielle Eröffnung sein.

Von Stefan Dietrich

28.11.2020
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