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Ostkreis Jeder Sandstein an der Bentreff-Brücke in Wohra ist jetzt registriert
Landkreis Ostkreis Jeder Sandstein an der Bentreff-Brücke in Wohra ist jetzt registriert
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18:00 09.06.2021
Bürgermeister Heiko Dawedeit zeigt auf der Brücke einen Übersichtsplan, auf dem jeder Sandstein verzeichnet und durchnummeriert ist.
Bürgermeister Heiko Dawedeit zeigt auf der Brücke einen Übersichtsplan, auf dem jeder Sandstein verzeichnet und durchnummeriert ist. Quelle: Michael Rinde
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Wohra

Eine nie enden wollende Geschichte, so schien es über Jahre, kommt jetzt tatsächlich zum Abschluss. Gerüste an beiden Seiten der Bentreff-Brücke in Wohra zeugen vom Beginn der Sanierungsarbeiten. Allzu viel mehr ist in diesen Tagen aber noch nicht geschehen. Zumindest noch nichts, was sichtbar ist.

Vor Beginn der Arbeiten hatten Gemeinde und das von ihr beauftragte Ingenieurbüro Böttcher noch Vorarbeiten zu erledigen. So haben Experten ein Sandstein-Kataster für eben jene Brücke erstellt. Stein für Stein ist angeschaut und sein Zustand dokumentiert worden.

Auch seine genaue Lage ist erfasst worden, damit er nach einer Bearbeitung wieder genau an den Standort zurückgelangt, an dem er gewesen ist. Schließlich ist die Brücke ein historisches Bauwerk. „Mancher Stein muss verblendet, bearbeitet oder vielleicht auch komplett ersetzt werden“, erklärt Wohratals Bürgermeister Heiko Dawedeit.

Außerdem schaut ein Fischereibiologe vor Beginn entsprechender Arbeiten nach der Situation am Gewässer, das überbrückt wird. Auch das gehört bei derartigen Sanierungen zum Pflichtprogramm und ist Auflage in der Baugenehmigung, ebenso wie das Sandsteinkataster.

Ein Spezialunternehmen beginnt in diesen Tagen damit, die Sandsteinbrüstung Stein für Stein abzubauen und die Steine danach entsprechend zu bearbeiten. Eigentlicher Auftragnehmer für die Brückensanierung ist allerdings das Unternehmen Vackiner aus Gemünden (Wohra). Das gesamte Projekt kostet 235 000 Euro – allerdings für die sogenannte „kleine Lösung“. Auch nach Abschluss der Arbeiten bleibt die Brücke für Fahrzeuge gesperrt und ist nur für Fußgänger und Radfahrer zugelassen. Auf die Sanierungskosten erhält die Gemeinde einen Zuschuss von 75 Prozent, ausgezahlt von HessenMobil, der hessischen Straßenbauverwaltung. Auch für die Mehrkosten von 35 000 Euro hofft die Gemeinde auf einen solch hohen Zuschuss. Das Ergebnis der Ausschreibung hatte die Kostenkalkulationen um diesen Betrag überschritten, was auch der aktuellen Marktlage geschuldet ist. Der entsprechende Antrag Wohratals bei HessenMobil läuft.

Aufwendige Arbeiten

Die Sanierung der Sandsteine ist die aufwendigste und am längsten dauernde Arbeit. Erst dann erfolgt der neue Aufbau über die Brücke. Derzeit kalkuliert die Gemeinde mit einer Gesamtbauzeit von etwa drei Monaten. „Klares Ziel ist für uns, dass wir vor dem Winter fertig werden“, sagt Heiko Dawedeit.

Das Aussehen der Brücke verändert sich. So muss die Brüstung entsprechend der aktuellen Sicherheits- und Bauvorschriften auf beiden Seiten um etwa 24 Zentimeter erhöht werden. Außerdem kommt ein Geländer vor die Brüstung. Da die Brücke nicht mehr von Fahrzeugen überfahren werden wird, ist allerdings auch kein Bürgersteig mehr erforderlich. Eine Öffnung der Brücke für Rettungsfahrzeuge schließt Dawedeit dabei aus. „Es gibt genügend Möglichkeiten in unmittelbarer Umgebung, die Feuerwehr und Rettungsdienst kennen und nutzen“, erläutert er.

Der hohe Zuschuss war am Ende ausschlaggebend für die Entscheidung, die Brücke nicht komplett zu sanieren (die OP berichtete). „Inzwischen ist es auch sehr ruhig um dieses Thema geworden“, berichtet Dawedeit über die Rückmeldungen aus dem Ort.

Vorgeschichte

Im Jahr 2010 berichtete die OP erstmals über die Probleme mit eben jener Brücke über die Bentreff. Damals war sie eine von zehn Brücken, die die Gemeinde zu sanieren hatte. Und von Anfang an galt sie als problematisch. Eine erste grobe Schätzung ging mal von Mindestkosten von 160 000 Euro Baukosten aus. Als die Brücke an der Reihe war, gab es politischen Streit über den Umfang der Sanierung. Mehrfach diskutierte das Gemeindeparlament im Laufe der Jahre über eine kleine Lösung oder Komplettsanierung. Am Ende gab ein 75-Prozent-Zuschuss den Ausschlag für die kleine Variante, bei der die Brücke für den Autoverkehr gesperrt bleibt.

Von Michael Rinde