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Ostkreis Probebohrungen enden auf Sandstein
Landkreis Ostkreis Probebohrungen enden auf Sandstein
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15:48 18.03.2022
Jonas Benischek nahm die Bohrungen in Bracht und Bracht-Siedlung vor – teils unter den erwartungsvollen Blicken von Aufsichtsrats- und Vorstandsmitgliedern der Bioenergiegenossen.
Jonas Benischek nahm die Bohrungen in Bracht und Bracht-Siedlung vor – teils unter den erwartungsvollen Blicken von Aufsichtsrats- und Vorstandsmitgliedern der Bioenergiegenossen. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Bracht

Nach etwas mehr als drei Metern ist Schluss. Jonas Benischek von der Ingenieurgesellschaft Lenz und Gast stellt auf dem Feld neben der Brachter Mehrzweckhalle seinen riesigen Bohrer ab, nimmt die Kopfhörer ab und erklärt: „Die Verwitterungszone habe ich durchbohrt, doch jetzt geht nichts mehr. Der Widerstand ist zu groß – das bedeutet, dass wir auf festen Sandstein gestoßen sind.“

Ein ähnliches Ergebnis hatte es wenige Stunden zuvor nördlich von Bracht-Siedlung gegeben. Auch dort endete die von den Bioenergiegenossen in Auftrag gegebene Probebohrung früher als erhofft. Ziel der Genossinnen und Genossen ist es, einen geeinigten Standort für eine Art See zu finden – allerdings nicht, um eine Attraktion für Touristen zu schaffen, sondern um einen Grubenspeicher zu bauen.

Dieser ähnelt zwar einem Gartenteich, erläutert Aufsichtsratsmitglied Matthias Schütz, wird aber mit einer Größe von 60 mal 50 Metern und einem Fassungsvermögen von 16 600 Kubikmetern weitaus größer ausfallen, eine Wassertemperatur von bis zu 90 Grad haben und von einer Dämmschicht bedeckt sein. Außerdem dient er nicht ästhetischen Zwecken, sondern soll die Wärme speichern, die auf einem rund 9 300 Quadratmeter großen Solarthermiefeld gesammelt wird.

"Baggerschürfe" wird wohl folgen

Ursprüngliche Hoffnung der Brachter war es, gemäß einer Expertenempfehlung den Boden an den beiden möglichen Standorten bis zu einer Tiefe von zehn Metern untersuchen zu können, auch wenn der Grubenspeicher wahrscheinlich „nur“ rund fünf Meter tief sein wird (und noch einen aus dem Aushubmaterial bestehenden Wall drumherum bekommt). Diese Aufgabe muss nun anderweitig erledigt werden – voraussichtlich über eine nicht ganz so tief reichende „Baggerschürfe“, wie Dirk Reichsrath von Lenz und Gast erläutert und betont, dass eine „Kernbohrung“ im Verhältnis zu teuer sei.

Es sei aber keine schlechte Nachricht für die Genossen, dass die Probebohrung auf Sandstein geendet habe: Der Fels sei in der Regel gut bearbeitbar und habe eine ausreichende Tragfähigkeit. Fels habe eine Dichte von 22, wiege also 2,2 Tonnen pro Kubikmeter, während ein Kubikmeter Wasser „nur“ eine Tonne schwer sei. Noch dazu seien dadurch keine Setzungen zu befürchten.

Eine weitere Teilerkenntnis: Bisher gab es keine Spuren von Wasservorräten. „Fließendes Wasser wäre extrem schlecht“, sagt Helgo Schütze, Vorstandsmitglied der Genossen, denn das würde am Speicher vorbeifließen und so quasi Wärme mitnehmen: „Stehendes Wasser wäre verkraftbar.“

Die Mitarbeiter der Ingenieurgesellschaft werden nun das bei den Probebohrungen entnommene Material überprüfen. Vorstand und Aufsichtsrat der im Juli 2021 gegründeten Genossenschaft „Solardorf Bracht“ werden parallel ihr Projekt weiter vorantreiben – und vor allem weiter Werbung machen.

161 Haushalte gemeldet

Inzwischen haben sich 161 Haushalte für einen Anschluss angemeldet. Damit ist die für die Umsetzung notwendige Mindestanzahl von 160 bereits überschritten. „Aber wer jetzt auf die Energiesituation und die Preise blickt, dem sollte ein Umschwenken leicht fallen“, animiert Vorstandsmitglied Werner Mettke seine Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Mitmachen.

Die Kilowattstunde soll bei der Brachter Bioenergiegenossenschaft 12 Cent kosten und wird nach Einberechnen der Grundgebühr zwischen 15 und 16 Cent liegen. „Das ist der Vollkostenpreis“, stellt Aufsichtsratsvorsitzender Ralph Vogt heraus – enthalte also beispielsweise die Abschreibung des Wärmekessels, die Kosten für den Schornsteinfeger, die jährliche Wartung und vieles mehr. „Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir autark sein werden und rund 80 Prozent weniger CO2 ausstoßen werden“, fügt Schütze hinzu.

8,5 Millionen Euro soll das deutschlandweit einmalige Projekt kosten – wobei es etwa 5,5 Millionen Euro an Fördermitteln von Bund und Land gibt. Unterstützung bekommen die Brachter von einer Fachfirma aus Dänemark. Zudem begleitet die Uni Kassel das Millionenprojekt.

Von Florian Lerchbacher