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Ostkreis Neue Heimat für die „Burgwaldwichtel“
Landkreis Ostkreis Neue Heimat für die „Burgwaldwichtel“
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17:00 09.03.2020
Die jüngsten Pflanzhelfer gaben den „Burgwaldwichteln“ eine neue Heimat. Quelle: Jürgen Jacob
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Bracht

Nicht für Zukunft demonstrieren, sondern aktiv die Zukunft des Waldes gestalten: Das machten am Wochenende fast hundert Einwohner Brachts am Rande des Burgwalds.

„Viele Menschen demonstrieren freitags für die Zukunft, wir aber gestalten am Samstag aktiv die Zukunft unseres Waldes“, sagt Revierleiter Armin Wack bei der Begrüßung am Strohmeyerweg.

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„Die Menschen aus Bracht sind bekannt dafür, dass sie die Ärmel hochkrempeln, wenn es gilt“, sagt Forstdirektor Eberhard Leicht.

Während die älteren Teilnehmer unter fachkundiger Anleitung von Hessen-Forst-Mitarbeitern reihenweise neue Stieleichen setzten, gingen die jüngsten Brachter spielerisch an das Thema heran: Die Aufgabe der Kinder war es, den verängstigten „Burgwaldwichteln“ aus ihren Verstecken zu helfen und ihnen einige Wichtelhäuschen als Notunterkünfte zu bauen. Diese können sie bewohnen bis die gepflanzten Bäume groß genug sind, um ihnen wieder Unterschlupf zu bieten.

„Zauberwald“ fast nicht mehr vorhanden

Hinter der kindgerechten Geschichte steht aber ein ernster Hintergrund. Die Stürme der vergangenen Jahre haben auch in Bracht zahlreiche Bäume entwurzelt und abgebrochen. So ist auch das als „Zauberwald“ bekannte rund 3.000 Quadratmeter große Waldstück nahe des Brachter Molcheteiches fast nicht mehr vorhanden.

„Insgesamt haben wir im Burgwald an die 500 Hektar Waldfläche verloren“, erklärt Leicht. Neben den Stürmen seien die Trockenheit der vergangenen Jahre und Borkenkäfer Ursachen für die Schäden im Wald.

Hier finden Sie die Bilder der Pflanzaktion 

Umso erfreulicher zeigten sich die Forstleute, dass am Samstag in Zusammenarbeit mit der Brachter Kindertagesstätte, der Freiwilligen Feuerwehr, dem Kirchenvorstand, der Waldjugend und mit Unterstützung des Lions-Club Marburg zahlreiche Menschen für die Aufforstung aktiv geworden sind.

Während in früheren Jahrzehnten oft auf Monokulturen gesetzt wurde, soll nun auch die Bepflanzung von Mischwald forciert werden. Am Brachter Strohmeyerweg werden dazu neben der Stieleichen auch noch Esskastanien und weitere Arten angepflanzt.

Forstwirtschaftsmeister Walter Vollmer und seine Kollegen erklärten den Helfern, dass die Setzlinge möglichst in einem gleichmäßigen Abstand von 50 Zentimetern gepflanzt werden müssen und auch zwischen den Reihen ein entsprechender Abstand eingehalten werden sollte. So wurde am Samstag ein gutes Stück Waldfläche aufgeforstet und einige Hundert Stieleichen gepflanzt.

Der Lions-Club Marburg wird die Aufforstungsstelle mit einer Info-Mitmach-Tafel ergänzen.

Nach den beiden Dürrejahren 2018 und 2019 gibt es in ganz Hessen große entwaldete Bereiche. Im Hinblick auf den Klimawandel mit zunehmenden Witterungsextremen und höheren Durchschnittstemperaturen will Hessen Forst das Risiko durch Artenvielfalt streuen. An den jeweiligen Standort angepasste Baumartenmischungen bilden den Grundstein für den „Mischwald von morgen“.

Unter dem Motto „Unser Wald“ können rund um den Internationalen Tag des Waldes mit den Forstleuten Bäume für unseren „Mischwald von morgen“ gepflanzt werden. Im Forstamt Burgwald ist noch im März eine solche Aktion in Rosenthal-Roda geplant.

Weitere Informationen dazu gibt es im Forstamt Burgwald unter Telefon 06451/7208-0.

Von Jürgen Jacob