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Ostkreis Hochfest unter freiem Himmel
Landkreis Ostkreis Hochfest unter freiem Himmel
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18:12 06.06.2021
Das Hochfest des Heiligen Bonifatius wurde mit einem Open-Air Gottesdienst auf dem Amöneburger Marktplatz mit Erzbischof Professor Dr. Ludwig Schick aus Bamberg gefeiert.
Das Hochfest des Heiligen Bonifatius wurde mit einem Open-Air Gottesdienst auf dem Amöneburger Marktplatz mit Erzbischof Professor Dr. Ludwig Schick aus Bamberg gefeiert. Quelle: Thorsten Richter
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Amöneburt

Mehr als 200 Menschen finden sich am Samstag (5. Juni) unter Glockengeläut auf dem reich geschmückten Amöneburger Marktplatz ein – dem Ort, über den vor 1 300 Jahren der Heilige Bonifatius gegangen ist. Die katholische Kirche verehrt ihn als „Apostel der Deutschen“ und im Jahr 721 war es Amöneburg – beziehungsweise Amanaburch – als erster Ort im heutigen Hessen, wo Bonifatius mit der Gründung eines Klosters und der Taufe in der Quelle der Waschbach seine Missionstätigkeit begonnen hatte.

„Bonifatius hat uns den Glauben gebracht wie Paulus den Israeliten, den Menschen in Kleinasien bis nach Rom“, sagt Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, während des Hochfests auf dem Amöneburger Marktplatz. Bekannt ist die Überlieferung, dass Bonifatius im Jahr 723 bei Geismar die Donar-Eiche als Götzensymbol gefällt und aus ihrem Holz eine Kirche gebaut habe.

Erzbischof Ludwig Schick beginnt in Amöneburg mit den Worten: „Was hätte ich heute Nachmittag Schöneres tun und erleben können, als in meiner Heimat dieses Fest zu begehen.“ Denn in Marburg geboren, war Ludwig Schick mit seiner Familie nach Mardorf gezogen und hatte auf der Stiftsschule St. Johann in Amöneburg sein Abitur erworben. Seine Predigt beginnt er mit einem Zitat aus Johann Wolfgang Goethes Faust: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ Diesen Satz habe Schick in frühen Tagen in Mardorf gelesen, bevor er hier zur Schule ging und Goethes Faust kannte. Und damit verbindet er eine ganz zentrale Botschaft für die Festgemeinde: „Wenn wir hier das Bonifatiusfest begehen, dann dürfen wir das nicht nostalgisch tun. Wir müssen dieses Erbe auch erwerben.“ Das Evangelium, welches der Heilige Bonifatius den Menschen gebracht habe, enthalte alle Grundrechte und Grundpflichten, „die letztlich in der Liebe liegen“, so Schick. Denn, Geliebtsein heiße, von allen respektiert zu sein und sich entfalten zu können. Es heiße auch, bei Versagen und Schuld Vergebung zu empfangen und bei Krankheit und Not vertrauen zu können. Bonifatius habe uns eine Kirche gebracht und er habe uns auch die Kirche als Christengemeinschaft gebracht.

„Das Erbe des Heiligen Bonifatius ist ein Reichtum, den jede Generation erwerben muss für ein gutes Leben“, sagt Schick weiter. So sei es auch Pflicht, sich an das Geschenk und die Gabe dieses Erbes zu erinnern, um es in die Zukunft zu tragen. Und während der Eucharistie auf dem Marktplatz als Premiere empfangen alle die heilige Kommunion. Mit der persönlichen Segnung mit der Bonifatius-Reliquie endet das Hochfest des Heiligen Bonifatius und Pfarrer Marcus Vogler lässt den Erzbischof nicht ohne eine gezüchtete Bonifatiusrose zurück in seine heutige Wirkungsstätte reisen.

Von Beatrix Achinger