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Ostkreis Urlaub für mehr Nachhaltigkeit
Landkreis Ostkreis Urlaub für mehr Nachhaltigkeit
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17:00 10.10.2021
Stefanie Mai präsentiert während der Exkursion eine geerntete Kartoffel.
Stefanie Mai präsentiert während der Exkursion eine geerntete Kartoffel. Quelle: Privatfoto
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Stadtallendorf

Wenn der Name Programm sein soll: „Wirksam werden!“ lautet der Titel eines Bildungsurlaubes, den die Volkshochschule Marburg-Biedenkopf und der Landkreis in Stadtallendorf anboten. Eine Woche lang setzten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz auseinander, unternahmen Exkursionen, tauschten sich mit Mitarbeitenden des Fachdienstes Klimaschutz des Landkreises aus und vieles mehr. Immer mit dem Ziel, dem Titel des Angebotes gerecht zu werden und eigene Klimaschutz- beziehungsweise Nachhaltigkeitsprojekte zu entwickeln.

Einige der Teilnehmenden hatten bereits konkrete Ideen, wie sie sich engagieren wollen. Andere entwickelten diese im Zuge des Bildungsurlaubes. „Ich habe sehr vom Austausch profitiert. Das hat meinen Horizont erweitert“, betont der Marburger Maik Schöniger. Das unterstreicht Stefanie Mai aus Kleinseelheim: Die Gruppe sei sehr vielfältig gewesen – und der Input entsprechend ebenso vielfältig und groß.

Eine Exkursion führte die Teilnehmenden des Bildungsurlaubes zum Verein "Allmende Holzhausen". Quelle: Privatfoto

Medienpädagogin Karen Schönherr möchte ein Bildungsprojekt entwickeln, damit Menschen im Konsumverhalten umsichtiger handeln: Sie verweist darauf, dass beispielsweise einige Rohstoffe, die bei der Herstellung von Smartphones benötigt werden, unter menschenunwürdigen Verhältnissen in Afrika abgebaut werden – in Minen, die den Namen nicht verdienen, sondern eher „unabgesicherte Erdlöcher“ seien. „Es herrschen katastrophale Bedingungen“, erklärt die Medienpädagogin – wohlwissend, dass sie von Deutschland aus kaum etwas dagegen unternehmen könne. Entsprechend hebt sie hervor, dass es durchaus schon Hersteller gebe, deren Produkte unter möglichst fairen Bedingungen hergestellt werden – aber gegen die großen Player sei am Markt eben kaum ein Ankommen. Und so möchte sie dazu animieren, möglichst lange und nachhaltiger technische Produkte zu nutzen oder statt aufs Neukaufen eben aufs Reparieren zu setzen. Almut Schulte, die gemeinsam mit Dirk Posse den Kurs leitete, ergänzte, dass es vielerorts Repaircafés gebe, in denen sie Menschen engagierten, die vieles reparieren könnten – was im Handel gerne als „unmöglich“ deklariert werde. Außerdem gebe es gebrauchte und wieder aufgearbeitete technische Geräte, die unter dem Schlagwort „refurbished“ auch teilweise mit langer Garantie angeboten werden. Und so entstand bei Schönherr der Ansatz, Bildungsmaterial zu entwickeln, um Mitmenschen aufzuklären und ihnen Alternativen aufzuzeigen: „Gerade bei Jugendlichen habe ich festgestellt, dass ihnen oftmals gar nicht bewusst ist, woraus ihre Smartphones bestehen und was teilweise dahintersteckt.“

Es sei natürlich auch wichtig, als Vorbild zu fungieren und mit gutem Beispiel voranzugehen, ergänzte die Marburgerin Frauke Ratz. Ein Punkt, den sich die Stadtallendorferin Karin Ittermann als Leiterin der Kindertagesstätte Großseelheim schon lange zu Herzen nimmt: Es gelte, von klein auf zu lernen, was es für Möglichkeiten gibt. Gemüse könne natürlich jederzeit im Supermarkt gekauft, aber auch selber im Hochbeet herangezogen werden, berichtete sie und verwies darauf, dass sie dies bereits in ihrer Einrichtung lebe.

Auch Elke Zink aus Stadtallendorf möchte am Arbeitsplatz etwas bewirken: Sie arbeitet als Krankenschwester und stellte in diesem Zuge fest, dass sich einige Dinge ökologischer gestalten ließen. So gebe es biologisch abbaubare Windeln, die eingesetzt werden könnten. An diesem Punkt möchte sie ansetzen – davor sich aber ausgiebiger informieren. Und alleingelassen wird sie damit nicht: Die Teilnehmenden des Bildungsurlaubs möchten sich auch in Zukunft weiter austauschen und gegenseitig bei der Entwicklung ihrer Projekte unterstützen.

Von Florian Lerchbacher

10.10.2021
09.10.2021
09.10.2021