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Ostkreis Marburger Künstler arbeitet in Japan
Landkreis Ostkreis Marburger Künstler arbeitet in Japan
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00:18 14.05.2019
Minister, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus 14 japanischen Großstädten malen die Augen einer Skulptur von Hans Schohl (links) aus.  Quelle: privat
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In der japanischen Industriestadt Ube kennt man Hans Schohl gut. Schon mehrfach wurde er – meist als einziger Europäer – zu der internationalen Biennale für Bildhauer eingeladen, einen weltweit ausgeschriebenen Wettbewerb. 2007 und 2018 hat er dort Preise gewonnen, zuletzt mit seiner Stahlskulptur „Construc­tion Kit Animal“, die bis heute in der Stadt steht.

Im Juli vergangenen Jahres erhielt er eine Anfrage aus Ube: Ob er eine Idee für Ube als Gaststadt für ­eine verbindende, inklusive Gesellschaft habe. Hintergrund sind die Olympischen und vor allem die Paralympischen Spiele, die 2020 in Japan stattfinden.

Hans Schohl hatte eine Idee: „On The Shoulders Of Others“ – auf den Schultern der anderen, hat er sie genannt. Es handelt sich um sechs große Stahlplastiken im Format von vier mal drei Metern. Sie erinnern an seine Kunstfiguren des „Construction Kit Animal“.

Großunternehmen unterstützen das Projekt

„Behinderte und nicht behinderte Kinder sollten zusammenarbeiten und die Skulpturen gemeinsam schaffen“, sagte Schohl der OP. In zehn Workshops malten mehr als 200 Schülerinnen und Schüler mehr als 400 Zeichnungen. Aus diesen Zeichnungen wählte Schohl die Vorlagen für seine Plastiken aus: Ein großes Tier trägt ein oder zwei kleinere auf dem Rücken. Ein Tier stammt von Menschen mit Behinderung, das 
zweite von Menschen ohne.

Die Japaner waren begeistert und stürzten sich in die Arbeit. Zahlreiche Großunternehmen unterstützen das Projekt: Die zwölf Millimeter dicken Stahlbleche werden mit Lasertechnik geschnitten, in Fabriken zusammengeschweißt, von den Kindern bemalt und per Kran am Tokiwa Lake Museum in Ube angebracht. „Das ist aufwändig und sehr kompliziert“, sagt Schohl, schließlich seien die Plastiken Hunderte Kilogramm schwer.

Bemalte Skulpturen als Glücksbringer

Damit die Kinder sie bemalen konnten, wurde in der beteiligten Fabrik eines Großunternehmens eigens ein Zelt über der Skulptur aufgestellt. „Ich war fassungslos“, sagt Schohl über das Engagement der Japaner. Die erste der sechs Großplastiken ist inzwischen fertig und hängt bereits am Museum. Die Einweihung beim „Symbiotic Society Host Town Kongress“ der Stadt, die als Gastgeber für die Paralympischen Spiele fungieren, war ein großes Ereignis.

Minister, Politiker sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus 14 japanischen Großstädten, die sich als Gastgeber für die Paralympics beworben hatten, bemalten gemeinsam die zuvor weißen Augen der ersten Skulptur schwarz. Dies gehe zurück auf die Kultur des Daruma, eines japanischen Glücksbringers. Malt man die leeren Augen eines Darumas aus, darf man sich etwas wünschen.

Hans Schohl wird im Sommer wieder nach Japan aufbrechen und die restlichen Skulpturen gemeinsam mit den Kindern und den beteiligten Unternehmen fertigstellen. Sie alle sollen rechtzeitig zur Eröffnungszeremonie der 28. Ube-Biennale fertig sein.

von Uwe Badouin