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Ostkreis Bewohner bleiben unter sich
Landkreis Ostkreis Bewohner bleiben unter sich
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19:35 20.10.2020
Im Evangelischen Altenzentrum Haus Elisabeth ist das Coronavirus ausgebrochen.
Im Evangelischen Altenzentrum Haus Elisabeth ist das Coronavirus ausgebrochen. Quelle: Thorsten Richter
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Kirchhain

Neun Bewohner des Evangelischen Altenzentrums St. Elisabeth sind mit dem Coronavirus infiziert (die OP berichtete), Stand gestern. Hinzu kommen drei positiv getestete Mitarbeiter des Altenzentrums. Die nächsten Tage werden zeigen, ob und wie sich diese Zahlen verändern oder eben nicht. Gestern testete das Gesundheitsamt des Landkreises weitere 72 Bewohner und 81 Mitarbeiter, wie Christel Herz, die Leiterin des Altenzentrums, der OP berichtet. Bei den neun Erkrankten gibt es teilweise leichte Symptome wie Husten oder Fieber, andere Betroffene zeigen bisher keinerlei Anzeichen einer Covid-19-Erkrankung.

Alle Bewohner, die positiv getestet wurden, stammen aus einer Etage im Gebäude, die nun vollkommen abgeschirmt ist. Wie Kreissprecher Stephan Schienbein mitteilt, betrifft das 50 Personen. Pflegepersonal betritt diesen Bereich nur in Schutzkleidung. Dennoch ist das komplette Isolieren von Menschen für das gesamte Altenzentrums-Team eine Herausforderung. „Wir sind keine Klinik, wir sind eine Altenpflegeeinrichtung“, unterstreicht Leiterin Herz am Telefon.

Mehr Hilfe für Bewohner mit Demenz

Alle Bewohner verbringen ihre Zeit seit Bekanntwerden des Corona-Ausbruches in ihren Zimmern. Alles Gemeinschaftliche ist zum Erliegen gekommen. Auch das ist eine Herausforderung, die für manchen Bewohner, aber auch das Personal schwer zu bewältigen ist. Schließlich fällt zum Beispiel auch der Spaziergang im Garten aus, das Essen findet alleine auf dem Zimmer statt. „Doch es haben alle Verständnis. Sie machen mit, in der Hoffnung, dass es allen hilft“, sagt Christel Herz.

Am schwierigsten sei es für Bewohner mit Demenz. Sie benötigten in der ungewohnten Situation deutlich mehr Besuche von Mitarbeitern und deutlich mehr Zuspruch, weil eben so vieles jetzt zwangsläufig anders ablaufen muss.

Von Anfang an hat das Altenzentrum Haus Elisabeth auf Offenheit gesetzt. Alle Angehörigen wurden unmittelbar telefonisch über den Corona-Ausbruch informiert. Der Betreiber, die Evangelische Altenhilfe Gesundbrunnen in Hofgeismar, wandte sich selbst Montagabend an die Öffentlichkeit. So offen will die Altenhilfe auch weiter kommunizieren, um allen denkbaren Gerüchten den Nährboden zu nehmen.

Bereits am vergangenen Wochenende wurden alle Besuche im Altenzentrum gestoppt. Laut Landkreis sind nur noch in Einzelfällen und mit Erlaubnis der Leitung Besuche möglich. Alle Hausärzte der Bewohner sind informiert, wie Christel Herz berichtet. Von den Ärzten bekam das Altenzentrum eine sehr positive Rückmeldung. Die Ärzte seien jederzeit bereit, in die Einrichtung zu kommen, wenn es Bedarf gibt, sagt Christel Herz.

Gute Planung beim Personal notwendig

Das Altenzentrum Haus Elisabeth beschäftigt insgesamt 120 Mitarbeiter, 7 davon fallen wegen ihres positiven Corona-Testes oder angeordneter vorsorglicher Quarantäne derzeit aus. Hinzu kommen die üblichen Krankheitsfälle bei einer Belegschaft dieser Größenordnung. Es müsse derzeit gut geplant werden, um alle Aufgaben zu erledigen, sagt Christel Herz. Alles geschehe in enger Absprache mit den Gesundheitsbehörden vor Ort.

Der Corona-Ausbruch im Haus Elisabeth, seit 17 Jahren an diesem Standort im Neubaugebiet in Kirchhain, ist der bisher größte in einem Altenzentrum im Landkreis, wie Kreissprecher Schienbein auch noch einmal gegenüber der OP bestätigt. Dieser Corona-Ausbruch zeigt aber auch, wie dynamisch sich das Pandemiegeschehen aktuell auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf entwickelt. Noch am vergangenen Freitag hatte sich Vizelandrat Marian Zachow im OP-Interview sehr erleichtert darüber gezeigt, dass es bisher zu keiner höheren Zahl an Corona-Infektionen in Altenzentren gekommen ist.

Von Michael Rinde