Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Fast schlüsselfertig
Landkreis Ostkreis Fast schlüsselfertig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:18 26.07.2021
Landrätin Kirsten Fründt übergab mit Kirchains BürgermeisterOlaf Hausmann (rechts) einen symbolischen Schlüssel für das Multifunktionale Haus an den Betziesdorfer Ortsvorsteher Dieter Tourte. 
Landrätin Kirsten Fründt übergab mit Kirchains BürgermeisterOlaf Hausmann (rechts) einen symbolischen Schlüssel für das Multifunktionale Haus an den Betziesdorfer Ortsvorsteher Dieter Tourte.  Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
Anzeige
Betziesdorf

Die Betziesdorfer befanden sich bereits auf gutem Weg, dem alten Schulgebäude beziehungsweise ihrem neuen „Multifunktionalen Haus“ wieder Leben einzuhauchen – doch dann kam die Corona-Pandemie. Und so steht auf der Tafel in einem der alten Klassenzimmer, das zu einem Veranstaltungsraum umgestaltet wurde, noch der Hinweis, dass am 27. März 2020 der nächste Spieleabend stattfinden solle. In den vergangenen 16 Monaten war aber eben nichts möglich, doch nun kehrt langsam das Leben zurück: Landrätin Kirsten Fründt überreichte Ortsvorsteher Dieter Tourte jüngst einen symbolischen Schlüssel und übergab das Multifunktionale Haus damit offiziell der Dorfgemeinschaft.

„Das ist ein weiterer Meilenstein“, freute sich Tourte und erinnerte daran, wie er sich gemeinsam mit einigen Mitbürgern in Mecklenburg-Vorpommern Multifunktionale Häuser angeschaut hatte und sofort der Funke übersprang. Sogleich sei klar gewesen, dass dies ein gutes Konzept sei, um dem leerstehenden alten Schulgebäude in der Dorfmitte wieder einen sinnvollen Verwendungszweck zu geben. Die Betziesdorfer brachten Ideen ein, was sie sich für die Nutzung des Gebäudes vorstellen könnten. Sie wünschten sich, dass dort Frühstücks- und Mittagessensangebote gemacht, Spieleabende veranstaltet, Volkshochschulveranstaltungen ausgerichtet und ein Repaircafé angeboten werden. Außerdem soll es Beratungen beispielsweise von Banken oder Versicherungen geben, und eine Mutter-Kind-Gruppe wird sich dort treffen.

Noch seien allerdings einige Umbauarbeiten notwendig, betonte Tourte, dem es aber wichtig war, dass es nun weitergehen könne: „Auch wenn wir in den vergangenen Monaten nicht untätig waren.“ In Lockdown-Zeiten seien eben vor allem „formelle Dinge“ vorangetrieben worden. „Wir können wieder starten. Nutzen wir den heutigen Tag als Initialzündung für einen Neubeginn“, sagte der Ortsvorsteher. Im Erdgeschoss gibt es einen Veranstaltungsraum, zu dem eine kleine Küche und ein Vorbereitungszimmer gehören. Oben sind dann weitere Räume, in denen beispielsweise Beratungen und Treffen stattfinden sollen. Dort sei aber noch einiges an Eigenleistung der Bürger notwendig, stellte Tourte heraus und berichtete, dass auch der barrierefreie Zugang wohl erst ab dem Jahr 2022 gegeben sei: Der Aufzug, der außen an die alte Schule kommt, könne erst nächstes Jahr angebaut werden. Außerdem sei noch geplant, die Außenanlage zu entsiegeln, umzugestalten und blühen zu lassen.

Bürgermeister Olaf Hausmann zeigte sich ganz begeistert von den Plänen der Betziesdorfer. Das soziale Leben kehre immer mehr in die Dorfmitte zurück, sagte er – vor der alten Schule sei schließlich schon der Spielplatz „wiederbelebt“ worden. 40 Prozent der Bürger hätten sich an einer Umfrage beteiligt, was sich mit der leerstehenden Schule machen lasse – das sei ein herausragender Wert, der auch zeige, wie wichtig den Bürgern das historische Gebäude im Ortskern sei.

Landrätin Kirsten Fründt erklärte, dass die Schlüsselübergabe eigentlich schon früher hätte erfolgen sollen. Auch sie stellte den neuen Charakter des Hauses als „sozialer Treffpunkt“ heraus. Sie lobte die Bürger für die Bereitschaft, sich einzubringen – und für den Mut, ein Konzept aus den Neuen Bundesländern zu übertragen und auf sich zuzuschneiden. „In Momberg wird alles ganz anders umgesetzt“, betonte sie. Dort gebe es ganz andere Erwartungen und Angebote: „Daran sieht man, wie wichtig es ist, die Menschen vor Ort zu fragen, was sie brauchen und sich wünschen.“ Großes Lob sprach sie aber auch der Stadt Kirchhain für die Unterstützung und insbesondere ihrer Mitarbeiterin Mena Söhlke aus, die das Projekt betreut. Rund 220 000 Euro kostet die Umgestaltung, 140 000 Euro gibt es dabei an Fördermitteln über die EU.

Zahlreiche Bürger nahmen an der Schlüsselübergabe teil, genossen die vom Jugendclub angebotene Verpflegung und warfen einen Blick ins Haus. Mit dabei war beispielsweise die Familie Wink. Für Maice Wink ganz selbstverständlich: Zum einen, weil viele Bürger – wie ihr Mann Detlef und ihr Sohn Alexander – viel mit dem Gebäude verbinden, da sie dort zur Schule gegangen waren. Zum anderen, weil es sich um ein schönes, historisches Haus mitten im Dorf handele, mit dem dringend etwas passieren musste, um es vor dem Verfall zu schützen. Die entwickelten Ideen seien gut, stellte sie heraus – Ehemann Detlef engagierte sich bereits im Repaircafé. Nun gelte es, den Schwung aus der Vor-Corona-Zeit mitzunehmen beziehungsweise aufzufrischen, aber da ist die Familie zuversichtlich, dass dies gut klappt.

Von Florian Lerchbacher

26.07.2021
26.07.2021