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Ostkreis Betonwerk kommt, Altlast verschwindet
Landkreis Ostkreis Betonwerk kommt, Altlast verschwindet
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14:58 27.02.2021
Ein Bagger räumt gefällte Bäume auf dem Gelände des TNT-Zwischenlagers zusammen.
Ein Bagger räumt gefällte Bäume auf dem Gelände des TNT-Zwischenlagers zusammen. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Mehrere Dinge sind seit Donnerstagabend (25. Februar) plötzlich klar: Auf einem Teil des TNT-Zwischenlagers entsteht unter anderem das mobile Betonwerk für den A-49-Weiterbau; alle dafür nötigen Baumfällarbeiten sind bereits geschafft, und die Stadt Stadtallendorf wird eine Altlast auf dieser Fläche vergleichsweise kostengünstig loswerden. All das erläuterte Bürgermeister Christian Somogyi am späten Donnerstagabend (25. Februar) in der Sitzung des Stadtparlaments.

Das beschloss kurzfristig einstimmig und ohne Aussprache eine Tischvorlage, in der ausschließlich die Entsorgung eben jener Altlast geregelt wird. Die stammt nicht aus Zeiten der Sprengstoffproduktion der Wasag, sondern ist weit jünger. Es geht um etwa 5.000 bis 7.000 Tonnen Bauschutt aus Zeiten eines Recyclingunternehmens.

Fachgerechte Entsorgung

Das hatte dort Straßenaushub gelagert und war 2006 nach nur zwei Jahren Betrieb in die Insolvenz gegangen. Da die Stadt Stadtallendorf Eigentümer des Geländes ist, muss sie die asphalthaltige Altlast fachgerecht entsorgen. Das Regierungspräsidium Gießen habe klar signalisiert, dass es keine Veränderungen auf der Fläche genehmige, solange es kein Konzept für diese Altlast gebe, sagte Bürgermeister Christian Somogyi am Freitag (26. Februar) gegenüber der OP.

Das gibt es jetzt. Die Stadt hat in den vergangenen Wochen Gespräche mit der Arbeitsgemeinschaft (Arge) für den Bau der Autobahn geführt und sich dort ein Angebot für die Entsorgung erstellen lassen. Zu dieser „Bau-Arge“ gehören die Unternehmen Strabag und Leonard Weiss. In den nächsten Wochen wird das Material nun fachgerecht abtransportiert und bei einem Spezialunternehmen in Frankfurt entsorgt.

Betonwerk soll bis 2024 arbeiten

Kostenpunkt für die Stadt: 514.000 Euro plus Mehrwertsteuer. Die Stadt hat bereits eine Rückstellung von 260.000 Euro für jene Altlast gebildet, für die restlichen Kosten wurde eine Ratenzahlung bis 2024 vereinbart. „Das ist unserer schwierigen Haushaltslage geschuldet“, so Somogyi. Hinzu kommen etwa 4.000 Tonnen leicht belastetes Material. Das, so die Verwaltung, soll von der „Bau-Arge“ übernommen und für die Stadt entsorgt werden. Immer vorausgesetzt, man wird sich in Sachen Fläche für das Betonwerk einig, was jetzt der Fall ist. Denn: Seit Donnerstagnachmittag (25. Februar) gibt es eine beiderseits unterschriebene Absichtserklärung. Die Baumfällarbeiten waren zu dem Zeitpunkt schon erledigt. Die Verträge werden nun erstellt.

Das mobile Betonwerk, das ab Mitte des Jahres gebraucht wird, soll bis 2024 arbeiten. Sämtliches Material dafür soll über die Bundesstraße 454 angefahren werden, nicht durch die Stadt. Ein Umstand, der der Verwaltung angesichts der nahenden Bauarbeiten an der A 49 – und ab 2022 auch an der Bundesstraße 454 in Höhe der Kreuzung Hauptstraße – besonders wichtig ist. Der fertige Beton soll, so der Plan, beinahe ausschließlich über die Trasse transportiert werden. Das hatte das Unternehmen auch selbst schon betont, zuletzt in einer Sitzung am Montagabend (die OP berichtete).

Experte weist auf Borkenkäfer hin

Der Umweltschutzverband BUND hatte in den vergangenen Wochen bereits erhebliche Kritik an den Betonwerk-Plänen formuliert und unter anderem bezweifelt, dass alle artenschutzrechtlichen Fragen vor den Baumfällarbeiten ausreichend geprüft werden könnten. Das weist die Stadt Stadtallendorf ihrerseits nun zurück. Alle Arbeiten seien von einem Fachbüro begleitet worden, ein Baumexperte habe die Bäume auf dem Gelände vor den Fällarbeiten begutachtet.

Es sei gezielt nach einem Kolkrabennest gesucht worden, auf das der BUND extra hingewiesen hatte. Es sei aber keines gefunden worden. Etwa 20 Bäume hätten zusätzlich aufgrund ihres Borkenkäferbefalls gefällt werden müssen, so Somogyi. „Dort war die Verkehrssicherungspflicht berührt“, sagt er.

Rodungsgenehmigung ist bestätigt

Der Kreis hatte der OP die Rodungsgenehmigung bestätigt, eine Baugenehmigung ist aus Sicht der Behörde nicht nötig, da es sich um Baustelleneinrichtung handelt. Auf dem Gelände mussten zehn Habitatbäume stehen bleiben, also Bäume, die Tieren besondere Lebensräume bieten können.

Der BUND hatte auch deutliche Bedenken formuliert, weil sich das Betonwerk am Rande des FFH-Gebietes Herrenwald befindet. Darauf angesprochen erklärt Somogyi, dass der Abstand zwischen Rodungsbereich und FFH-Fläche bewusst vergrößert worden sei, um Beeinflussungen auszuschließen.

Interesse seitens der Stadt besteht

Ein Projekt von der Dimension lässt sich natürlich nicht innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen aus dem Boden stampfen. Seit wann wurde daran geplant? „Wir haben uns ab Oktober mit der Situation beschäftigt“, erklärte Somogyi am Freitag (26. Februar). Er hatte in den vergangenen Wochen immer wieder betont, dass noch keine Entscheidungen in der Sache gefallen seien, wenn er auch das Interesse der Stadt an einer Übereinkunft in Sachen Betonwerk bestätigt hatte.

TNT-Zwischenlager

Seit 1992 besteht das TNT-Zwischenlager. Seinerzeit wurden für das insgesamt mehr als 80 000 Quadratmeter große Gelände bereits Bäume gerodet. In dem Lager wurde über Jahrzehnte Boden aus dem DAG- und Wasag-Gebiet zwischengelagert und auf TNT-Rückstände untersucht. Das soll auch in Zukunft möglich bleiben, betont die Stadt. Dafür wurde das Gelände jetzt neu unterteilt.

Neben 22 000 Quadratmeter für das Betonwerk gibt es Flächen für das TNT-Lager samt Lagerhalle und für das Entsorgungsunternehmen Knettenbrech + Gurdulic. Langfristig, so Bürgermeister Christian Somogyi, könnte sich ein Industriepark dort entwickeln, wenn das ehemalige Treibstoffdepot der Bundeswehr einbezogen werden könnte. „Das ist aber ein Thema für die nächste Generation“, sagt er auch. 

Von Michael Rinde

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