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Ostkreis Berlinale mit heimischer Beteiligung
Landkreis Ostkreis Berlinale mit heimischer Beteiligung
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09:00 05.03.2021
Der Dokumentarfilm „Herr Bachmann und seine Klasse“ hat die Chance, heute einen „Bären“ zu gewinnen.
Der Dokumentarfilm „Herr Bachmann und seine Klasse“ hat die Chance, heute einen „Bären“ zu gewinnen. Quelle: Madonnen Film
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Stadtallendorf

Hunderte Menschen sitzen im Kino vor der Leinwand und essen Popcorn. Wer hat da nicht schon einmal darüber nachgedacht, auch mal in einem Kinofilm zu sehen zu sein. Es ist der Traum von vielen Menschen auf der ganzen Welt.

Für die Klasse 6b der Stadtallendorfer Georg-Büchner-Gesamtschule und ihren Lehrer Dieter Bachmann wird der Traum vieler Menschen nun zur Realität. Die Klasse ist 2017 ein halbes Jahr im Unterricht begleitet worden.

Dabei ist ein Dokumentarfilm entstanden, der bereits heute bei den 71. Internationen Filmfestspielen Berlin gezeigt wird und als einer von vier deutschen Filmen in der Kategorie Wettbewerb um 12 Uhr auf einen goldenen oder silbernen Bären hofft.

Die Berlinale muss in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie in zwei getrennten Veranstaltungsblöcken stattfinden. Der erste Block dauert von Montag, 1. März, bis Freitag, 5. März, und findet in digitaler Form statt. Der zweite Block namens „Summer Special“ beginnt am 9. Juni und endet am 20. Juni, damit die Filme auch für das öffentliche Publikum zugänglich sind.

Film ist ein Porträt über Bachmann und seine Klasse

In dem 217-minütigen Dokumentarfilm geht es um den Musiklehrer Dieter Bachmann, der seine aus zwölf Nationen stammende sechste Klasse auf die Teilung in die drei Schulzweige Hauptschule, Realschule und Gymnasium vorbereitet.

Bachmann versucht daher, trotz der unterschiedlichen sozialen und kulturellen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler, seiner Klasse zu vermitteln, dass der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung das Wichtigste sind.

„Ich habe versucht, den Schülerinnen und Schülern ein zweites Zuhause zu geben. Ich habe immer versucht hinzuschauen und zu sehen, was die Schülerinnen und Schüler gerade brauchen“, erklärt der in der Nähe von Wetter lebende Familienvater. Die Unterstützung ist deshalb so wichtig, weil einige der 12- bis 14-Jährigen der deutschen Sprache nur zum Teil mächtig sind. Doch das ist für den Lehrer kein Problem: Dann müssen die Schüler und Schülerinnen sich eben gegenseitig unterstützen. „Es war ein Privileg für mich, als Lehrer 25 Jahre arbeiten zu dürfen“, berichtet Bachmann. Seit der heute 67-Jährige im Ruhestand ist, vermisst er vor allem die „Lebendigkeit“, die die Kinder und Jugendlichen ausstrahlen.

Auf die Frage, wie der Film entstanden ist, lacht der ehemalige Lehrer und berichtet, es sei ein Zufall gewesen: „Ich habe in Berlin studiert und einige meiner Bekannten sind auf die Film- und Fernseh-Akademie gegangen. Sie haben mich dann hier besucht und ich habe sie mit nach Stadtallendorf genommen. Die Industriestadt im ,Ländle’ war für sie etwas Besonderes.“

Roter Teppich der Berlinale ist im Juni

Ebenso ruhig erklärt der Wetteraner, dass ihm ein möglicher Gewinn des goldenen oder silbernen „Bären“ gar nicht so wichtig ist – ihn freue es aber für die Filmemacher. Dagegen sollen möglichst viele Menschen den Film ansehen. „Ich finde den Film toll – man kann lachen und weinen. Ich hoffe einfach, dass dabei Erinnerungen an die eigene Schullaufbahn geweckt werden“, fügt Bachmann an.

Ein anderer Aspekt bedeutet dem ehemaligen Lehrer aber sehr viel: Im Juni soll er mit „seiner“ 6b von der Georg-Büchner-Gesamtschule über den Roten Teppich laufen. „Es ist wichtig für die Kinder – die mittlerweile 18 Jahre alt sind. Und ich freue mich, alle wiederzusehen“, sagt Bachmann. Auf der Homepage der Berlinale wird der Film als eine „wechselvolle Geschichte“ beschrieben, in der „Fremde sowohl Ausgrenzung als auch Integration erfahren“.

Der Film der Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Maria Speth ist von HessenFilm mit einer Fördersumme in Höhe von 50 000 Euro unterstützt worden. Den geförderten Film des Landes kann man ab September diesen Jahres in den Kinos anschauen.

Von Leonie Rink

04.03.2021
04.03.2021