Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Beim Wasser läuft nix mit Amöneburg
Landkreis Ostkreis Beim Wasser läuft nix mit Amöneburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:53 18.10.2021
„Kein Trinkwasser“ steht an der Waschbach, dem bekanntesten Wasser Amöneburgs. "Kein Trinkwasser-Projekt", lautete jüngst eine Entscheidung der Stadtverordneten.
„Kein Trinkwasser“ steht an der Waschbach, dem bekanntesten Wasser Amöneburgs. "Kein Trinkwasser-Projekt", lautete jüngst eine Entscheidung der Stadtverordneten. Quelle: Florian Lerchbacher
Anzeige
Amöneburg

Bis zu 200 Meter tief gehen die Bohrungen der Stadtwerke Marburg am „Heiligen Born“ nördlich von Schröck, deren finales Ziel es ist, ein größeres Grundwasservorkommen zu erschließen und die Trinkwasserversorgung weiter zu sichern. Das vermutete Vorkommen befindet sich auf dem Gebiet der Städte Amöneburg und Kirchhain, der Gemeinde Ebsdorfergrund und der Universitätsstadt Marburg.

Die Bürgermeister der vier Kommunen hatten gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke eine gemeinsame Absichtserklärung formuliert, um die Wassergewinnung im Amöneburger Becken im Wege interkommunaler Zusammenarbeit zu gestalten. Ziel war es, „eine Struktur zu finden, in gemeinsamer Trägerschaft die Wassergewinnung im Amöneburger Becken zu planen, zu entwickeln und umzusetzen“. In fünf Jahren sollte darüber Klarheit herrschen.

Doch Amöneburgs Stadtverordnete sagten Nein – zumindest jene von CDU und Grünen. „Wir sehen da keinen Benefit für Amöneburg“, erklärte Angelika Forst (Grüne), deren Mann Andreas Möller-Forst sagte, die Stadt benötige jemanden, der sich mit Wassermanagement auskennt und herausfindet, was es für Ressourcen im Stadtgebiet gibt. Jan-Gernot Wichert (CDU) ergänzte, in Gesprächen mit Vertretern der Stadtwerke seien zu viele Fragen offen geblieben.

SPD und FWG kritisierten die ablehnende Haltung. „Ich kriege das nicht geordnet: Im Mai gab es einen FWG-Antrag zur Wasserversorgung. Damals begrüßten wir die Initiative, uns mit den Nachbarkommunen für eine gemeinsame Wasserversorgung einzusetzen. Offensichtlich ist jetzt alles anders“, ärgerte sich Norbert Rausch. Es gehe doch noch gar nicht um die Förderung, sondern zunächst um die Frage, was für Wasservorkommen es gibt und wie die Qualität ist. „Wir diskutieren über 6 000 Euro“, warf Christoph Grimmel (SPD) ein und fügte hinzu, dass es doch erstmal das Wichtigste sei, bei einer möglichen interkommunalen Zusammenarbeit den Fuß in der Tür zu haben – und die Tür nicht gleich selber zuzuschlagen.

Bürgermeister Michael Plettenberg monierte, die Bürgermeister hätten die Stadtwerke „gezwungen“, ein Angebot zu machen und die Kommunen einzubinden, „denn das Wasser gehört nicht alleine den Marburgern, sondern der ganzen Region“. Es sei doch sinnvoll, zusätzliche Ressourcen zu prüfen – und für die Stadt wäre es gut, direkt dabei zu sein und später unter Umständen davon zu profitieren. Angelika Forst sah das anders. Die Tür sei keinesfalls zu: „Es werden noch weitere Bohrungen kommen – da werden wir wieder angefragt.“

Prüfanträge zu Spielplatz und Skate-Anlage

Nach dieser Diskussion ging die Stadtverordnetenversammlung dann größtenteils mit Einstimmigkeit bei anderen Themen weiter: So beschlossen sie, dass es im Stadtgebiet künftig ein „aktives Leerstandsmanagement“ geben soll und ein „runder Tisch Klima und Umwelt“ mit Vorträgen und Diskussionen beispielsweise zur E-Mobilität eingeführt wird. Dieser sollte eigentlich schon umgesetzt werden, allerdings machte die Corona-Pandemie dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung.

Bei drei Gegenstimmen segneten die Stadtverordneten außerdem einen Prüfantrag ab, dessen Inhalt es ist, dass der Magistrat sich der Errichtung einer Skater- und BMX-Anlage auf städtischem Gelände in Mardorf auseinandersetzt.

Einstimmigkeit herrschte dann aber wieder beim ersten Antrag, den der junge SPD-Abgeordnete Marius Michel vorstellte: Der Magistrat soll sich mit der Zukunft des Spielplatzes in der Tränkgasse Amöneburg auseinandersetzen und sich mit Erhalt oder Verlegen befassen. Eine Option sei beispielsweise auch, ihn zum Mehrgenerationenspielplatz zu entwickeln und in diesem Zusammenhang mit Geräten für Erwachsene zu versehen.

Stadt soll dasOstlandkreuz sanieren

Abschließend stimmten die Parlamentarier noch für die Sanierung des Ostlandkreuzes, an dem sich seit 1947 regelmäßig die Heimatvertriebenen treffen. Als es kürzlich gestrichen wurde, sei festgestellt worden, dass es sanierungsbedürftig ist, berichtete Wichert.

„Das Kreuz hat Mängel, auch wenn es noch tadellos aussieht“, bestätigte Plettenberg: Es sei zwar noch standsicher, aber im unteren Teil morsch und sanierungsbedürftig.

Von Florian Lerchbacher