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Ostkreis Neuer Solarpark sichert ein Viertel des Bedarfs
Landkreis Ostkreis Neuer Solarpark sichert ein Viertel des Bedarfs
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14:00 06.12.2021
Der Solarpark Münchmühle an der Bundesstraße 454 nimmt derzeit Gestalt an.
Der Solarpark Münchmühle an der Bundesstraße 454 nimmt derzeit Gestalt an. Quelle: Thorsten Richter
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Stadtallendorf

Direkt an der Bundesstraße 454, am Rande Stadtallendorfs, entsteht ein wichtiger Beitrag für die Energiewende und damit für den Klimaschutz, der neue Solarpark Münchmühle. Schon Mitte des Monats sollen die Arbeiten vor Ort weitgehend abgeschlossen sein. Dann stehen dort auf etwa fünf Hektar Fläche rund 14 000 aufgeständerte Solarmodule. Hinter dem Solarpark Münchmühle steht die Enerparc AG aus Hamburg. Die Stadt Stadtallendorf mit ihren politischen Gremien hat das Vorhaben von Beginn an begleitet und baurechtlich ermöglicht.

Beim Ortstermin macht Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) klar, dass der neue Solarpark ökologisch ein großer Gewinn für die Stadt sein wird. Geschätzte rund 2 000 Privathaushalte in Stadtallendorf werden zukünftig rein rechnerisch mit Ökostrom des Solarparkes versorgt. „Der Solarpark wird unsere Kapazitäten gemessen an den jetzt schon vorhandenen Solarmodulen auf Privatdächern verdoppeln“, rechnet Somogyi vor. Rund 7,2 Millionen Kilowattstunden Strom liefert der Solarpark Münchmühle in der Zukunft pro Jahr bei optimaler Sonneneinstrahlung, erläutert Projektentwickler Simon Henigin von der Enerparc AG. Somogyi nennt noch eine Zahl: Im Jahr 2019 haben die Stadtallendorfer Privathaushalte zusammengerechnet 26 Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht. „Künftig kommt mehr als ein Viertel davon aus Sonnenenergie“, sagt Somogyi.

Schutz für Landschaftsbild

Es kämen allein baurechtlich nicht viele Flächen für eine solche Anlage in Frage, erläutert Henigin vor Ort. Der Weg habe über den Landesentwicklungsplan und schließlich zur Regionalplanung hingeführt, erläutert Henigin, warum sich das Unternehmen genau für dieses Areal an der Bundesstraße entschieden hat. Bei der Grünfläche am Rande der Bundesstraße und der Main-Weser-Bahn waren die zentralen Kriterien erfüllt. Eine Herausforderung ist dabei, dass die Anlage in der Wasserschutzzone II entsteht. Deshalb hat Enerparc zum Beispiel auch sicherzustellen, dass Baufahrzeuge nur auf besonders verdichteten Flächen stehen während des Tages.

Und noch etwas spielte bei der Planung und der baurechtlichen Genehmigung eine Rolle: das Landschaftsbild. Am Rande des Solarparkes, gleich in Nachbarschaft zur Bundesstraße 454, entsteht darum nach Abschluss eine mehrreihige Hecke, die den Blick auf die Anlagen einschränkt. Gehölze im hinteren Teil des Parks in Richtung Bahn bleiben bewusst erhalten. Auch die Grünflächen unter den Ständern bleiben. Dort plant Enerparc das Einsäen von regionalen Grassorten, gedacht ist beispielsweise an einen Kräuterrasen. Es soll zwei Mal im Jahr eine Mahd geben, möglicherweise wird aber auch ein Schäfer dort seine Tiere weiden. In den Gehölzen soll es auch Nistplätze für Höhenbrüter geben. „Uns ist Biodiversität insgesamt wichtig“, sagt der Projektentwickler beim Baustellenbesuch.

Bürgerbeteiligung über Energiegenossen

Es gibt eine weitere Besonderheit bei diesem Großprojekt. So baut Enerparc eine bereits eingeplante kleine Anlage in den Solarpark mit ein. Bürger können sich über die Energiegenossenschaft Marburg-Biedenkopf künftig an diesem Teil des Solarparks beteiligen, etwa über den Beitritt zur Energiegenossenschaft. Diese Anlage bekommt eine Leistung von 750 Kilowatt Peak. Dies ist eine Einheit, die ausschließlich bei Photovoltaikanlagen genutzt wird und über deren Leistungsfähigkeit Auskunft gibt. „Damit bleibt ein Teil der Gewinne bei den Bürgern, wenn sie möchten“, sagt Somogyi.

Aller Voraussicht nach liefert der Solarpark Münchmühle ab Mitte Januar Strom ins Netz. Das Unternehmen rechnet am Ende mit einer Investitionssumme zwischen 4 und 5 Millionen Euro, wie Projektentwickler Henigin erläutert. Der gesamte Solarpark wird fernüberwacht, alle Daten laufen dabei in Hamburg zusammen, Enerparc stellt bei Störungen einen schnellen Service sicher. Trafoanlagen und Steuerungseinheiten werden noch hinzukommen. Der eigentliche Anschluss an das Stromnetz erfolgt auf der gegenüberliegenden Seite der B 454 durch den Energieversorger EAM.

Von Michael Rinde

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