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Ostkreis Hauptverkehrsader wird lahmgelegt
Landkreis Ostkreis Hauptverkehrsader wird lahmgelegt
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12:55 16.04.2020
Maria Happel überquert den Zebrastreifen vor der Martin-von-Tours-Schule (und ihrem Imbiss), der durch eine Fußgängerampel ersetzt wird. Quelle: Florian Lerchbacher
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Neustadt

Ein weiteres Großprojekt steht in Neustadt in den Startlöchern; die Sanierung und Umgestaltung der Querallee, also der Ortsdurchfahrt, die auf der Bundesstraße 454 verläuft.

Bauherr ist dann aber nicht – wie beim Kultur- und Bürgerzentrum, dem Freibad oder dem Rathausplatz – die Stadt alleine. Nein, es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Hessen Mobil, der Stadt, dem Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke, dem Zweckverband Mittelhessische Abwasserwerke und der Energie Netz Mitte.

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Die Besonderheit: Die Arbeiten an den Nebenanlagen sind das erste Straßenbauprojekt, das in Neustadt über wiederkehrende Straßenbeiträge abgerechnet wird. Losgehen soll es am Montag, 27. April.

Bushaltestelle wird vergrößert

Hessen Mobil erneuert die Fahrbahn der Bundesstraße. Dann kommt die rund 20 Zentimeter dicke Asphaltschicht weg und wird durch einen 26 Zentimeter starken Asphaltaufbau ersetzt. „Die Neustädter Querallee erhält somit eine tragfähige Fahrbahn, die die Verkehrsbelastungen gut aufnehmen kann“, teilt die Behörde mit.

Die Stadt will derweil die Gehwege entlang der Querallee umgestalten. Auch dort kommt der schadhafte Asphaltbelag weg. Anschließend werden die Gehwege mit Betonsteinen gepflastert. Außerdem wollen die Neustädter die Bushaltestelle vergrößern und leistungsfähiger machen. Noch dazu ist geplant, den Zebrastreifen durch eine Fußgängerampel zu ersetzen.

Gas- und Wasseranschlüsse werden saniert

Des Weiteren, so berichtet Bürgermeister Thomas Groll, werden die drei bestehenden Ampelanlagen vollständig modernisiert „und an die aktuellen Standards und Verkehrsverhältnisse angepasst“.

Zudem wird die Kommune Arbeiten am Gewässer in der Allee vornehmen und im Untergrund die Verrohrung ertüchtigen. An gleicher Stelle wird auch der Zweckverband Mittelhessische Abwasserwerke (ZMA) tätig, der einen weiteren Abwasserkanal samt der zugehörigen Hausanschlüsse saniert.

Der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) erneuert die Wasserversorgungsleitungen inklusive der Hausanschlüsse, das Versorgungsunternehmen Energie Netz Mitte die Energieversorgungsleitungen für Strom und Gas.

Gebührenbescheide kommen ab August

Die Gesamtkosten des Querallee-Projektes betragen rund 1,95 Millionen Euro. Davon trägt die Bundesrepublik Deutschland als Straßenbaulastträger der Bundesstraße 454 rund 740.000 Euro. Der Anteil der Kommune wird sich auf rund 900.000 Euro belaufen. Die übrigen Kosten verteilen sich in unterschiedlicher Höhe auf ZMA, ZMW und EnergieNetz Mitte.

Etwa 650.000 der 900.000 auf die Stadt entfallenden Euro müssen aufgrund der eingeführten wiederkehrenden Straßenbeiträge Grundstückseigentümer der Kernstadt zahlen – verteilt über vier Jahre und beginnend in diesem Jahr. Die Gebührenbescheide sollen im August rausgehen, sagt Groll.

Höhe der Beiträge steht noch nicht fest

Im Jahr 2023 kommt es dann zur Endabrechnung des Projektes. Dann stellt sich heraus, ob die Neustädter Nachzahlungen leisten müssen oder ein Guthaben gutgeschrieben bekommen. Die Höhe der Beiträge steht noch nicht fest. Einen groben Überblick, wie sie sich errechnen lassen und wer zahlen muss, gibt es im beigefügten Infokasten.

Drei Bauabschnitte sind für die Arbeiten in der Querallee geplant. Los geht es zwischen dem Abzweig Hindenburgstraße und dem Getränkemarkt, der das ganze Jahr anfahrbar sein soll. Der mittlere Bauabschnitt umfasst den Bereich der Schule, der dritte Bauabschnitt den Rest bis zum Abzweig in die Marburger Straße.

Vorerst keine Notfall-Verkehrsregelungen

Die jeweiligen Abschnitte gehen mit einer Vollsperrung der Straße an der jeweiligen Stelle einher. Somit ist Neustadt für den Durchgangsverkehr, der um die Stadt herumgeleitet werden soll, nicht passierbar. Bürgermeister Groll ist sich aber bewusst, dass Ortskundige auf Schleichwegen natürlich immer noch durch die Stadt fahren können.

Es sei logisch, dass es an anderen Stellen zu Mehrbelastungen kommt, weiß er. Zunächst wolle die Kommune aber abwarten und beobachten – und nur im Notfall, „wenn es unverhältnismäßig wird“, mit gesonderten Verkehrsregelungen eingreifen, um den Durchgangsverkehr wirklich fernzuhalten. Das Bauprojekt soll bis Ende des Jahres andauern.

Geplante Umleitungen

Für den überregionalen Verkehr und den Durchgangsverkehr zwischen Marburg und Schwalmstadt wird in beide Fahrtrichtungen eine großräumige Umleitung über die B62, die B3 und die L3155 über Cölbe, Gilserberg und Treysa ausgeschildert.

Der regionale Verkehr wird in Fahrtrichtung Stadtallendorf über Treysa, Florshain, Mengsberg, Momberg und Speckswinkel umgeleitet (beschildert mit „U30“). Von Speckswinkel über Momberg nach Mengsberg werden in dieser Zeit die K15 und die K17 für Lkw gesperrt, damit es auf dieser Strecke zu keinem Begegnungsverkehr zwischen den Lkw kommt.

In Fahrtrichtung Schwalmstadt führt die regionale Umleitung ab Stadtallendorf über die L3290 nach Niederklein und weiter auf der B62 und der L3071 über Lehrbach, Kirtorf, Wahlen und Gleimenhain nach Neustadt (beschildert mit „U31“).

Mehr Informationen zu Hessen Mobil unter mobil.hessen.de oder verkehrsservice.hessen.de.

Von Florian Lerchbacher

Wiederkehrende Straßenbeiträge

Die Nebenanlagen sind das erste Projekt, das in Neustadt über wiederkehrende Straßenbeiträge abgerechnet wird. Über vier Jahre müssen Grundstückseigentümer der Kernstadt – von denen es rund 2.500 gibt – ihren Beitrag zahlen. Ausgenommen sind Menschen, in deren Straße es noch keine Enderschließung gab oder die in den vergangenen 25 Jahren Straßenbeiträge zahlen mussten.

650.000 Euro entfallen auf die übrigen Grundstückseigentümer. 12 Cent pro Quadratmeter veranlagungsfähiger Fläche (also nicht Grundstücksfläche) werden fällig. Auch die Anzahl der Geschosse des Gebäudes ist maßgeblich – und die Art der Nutzung des Grundstücks: Bei gemischter Nutzung (also arbeiten und wohnen) gibt es 10 Prozent Art-Zuschlag, bei Gewerbebetrieben 20 Prozent. Die Gebührenbescheide wird die Stadt im August verschicken.

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