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Ostkreis Bauamt bleibt bei Baulücken am Ball
Landkreis Ostkreis Bauamt bleibt bei Baulücken am Ball
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17:55 29.07.2020
Im Baugebiet Röthe II in Kirchhain gibt es noch nicht bebaute Grundstücke in privater Hand, wie hier an der Beethovenstraße. Quelle: Michael Rinde
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Kirchhain

Innenentwicklung hat in Kirchhain zwangsläufig Vorrang, wenn es um Baugrundstücke geht. Denn: Die Stadt hat ihre Möglichkeiten, was die Entwicklung weiterer Baugebiete angeht, mittlerweile ausgeschöpft. Grenzen setzt die beim Regierungspräsidium Gießen angesiedelte Regionalplanung. Es habe vom Regierungspräsidium das klare Signal gegeben, dass die Stadt ihr aktuelles Kontingent ausgeschöpft habe, so Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD). Das Kontingent beträgt aktuell rund 40 Hektar.

Deshalb ist „Innenentwicklung“ auch vorrangig. Bei einer Erhebung vor 2 Jahren wurde klar, dass es in Kirchhain rund 200 Baulücken gibt, verteilt auf Stadtteile und Kernstadt. Wie eine Befragung der Grundstückseigentümer ergab, sind aktuell zehn dazu bereit, ihr Grundstück zu vermarkten, sprich weiterzuverkaufen. Von vielen Eigentümern gab es hingegen keine Rückmeldung auf die Befragung durch die Stadtverwaltung. Auf der anderen Seite haben sich nach der Umfrage noch einige weitere Eigentümer bei der Stadtverwaltung gemeldet, die auch über einen Grundstücksverkauf oder eine Bebauung nachdenken. Locker lassen will die Verwaltung nicht, sondern noch einmal freundlich nachfassen, um vielleicht zu einem Dialog zu kommen. Immer mit dem Ziel, die brachliegende Fläche sinnvoll zu nutzen.

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Die Baulücken verteilen sich, wie Hausmann im Gespräch mit der OP erläutert, unterschiedlich stark auf die Stadtteile. Während es in Emsdorf und Kleinseelheim zum Beispiel eher mehr Baulücken gebe, seien es in Großseelheim im Vergleich zu anderen eher weniger. Als weiteres Beispiel nennt Hausmann Teile des Baugebietes Röthe II, wo private Flächen mitentwickelt wurden und nur zum Teil zwischenzeitlich bebaut worden sind. Insgesamt, so schätzt die Verwaltung, geht es um bebaubare Flächen von rund 200 000 Quadratmetern. Warum bebauen die Eigentümer ihre Flächen nicht? Dafür gibt es aus Sicht der Verwaltung ganz unterschiedliche Gründe. Sie reichen von einer alternativen Nutzung der Flächen etwa für die Anlage von Gärten bis zur Absicht, den Bauplatz für künftige Generationen zu sichern.

Das Stadtparlament hat das grundlegende Vorgehen der Verwaltung in der jüngsten Sitzung vor den Ferien gebilligt. Im Zentrum steht die Beratung wie auch der Dialog. Die Möglichkeit eines „Baugebotes“, das die Stadt erlassen könnte, ist in dem am Ende beschlossenen Maßnahmenkatalog allerdings nicht mehr vorhanden. SPD, CDU, Grüne und FDP hatten sich im Vorfeld auf einen gemeinsamen Änderungsantrag verständigt. Die Linke enthielt sich der Stimme, weil sie der Antragstext wohl offenbar nicht im Vorfeld erreicht hatte. Ultimativen Druck oder Zwang wollen die Parlamentarier auf Grundstückseigentümer in jedem Falle vermeiden. „Wir sind uns im Kern alle einig, dass ein Baugebot das letzte Mittel wäre“, erklärte CDU-Fraktionsvorsitzender Uwe Pöppler stellvertretend für die Parlamentarier in der Sitzung.

Die Verwaltung sieht sich als Servicepartner von Grundstückseigentümern. Beim Liegenschaftsamt gibt es bei Bedarf Beratung, falls sich Eigentümer entscheiden, ihre Baulücke zu Geld zu machen oder doch zu bebauen. Dabei bestehe auch die Möglichkeit, Eigentümer und Kaufinteressenten zusammenzubringen, in der Verwaltung gebe es von beiden Seiten entsprechende Listen, sagt Hausmann.

Von Michael Rinde