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Ostkreis Der Baggersee bleibt sauber
Landkreis Ostkreis Der Baggersee bleibt sauber
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19:05 21.06.2022
Lastwagen und Bagger kippen in Niederwald Erde in den vorderen Teil des Baggersees.
Lastwagen und Bagger kippen in Niederwald Erde in den vorderen Teil des Baggersees. Quelle: Nadine Weigel
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Niederwald

Der Altlastenfund auf der A49-Baustelle in Stadtallendorf hat politisch auch in die Nachbarstadt Kirchhain durchgeschlagen. Was für Erde wird in einen Kies-See in Niederwald gefüllt, kommt dort möglicherweise belastetes Material aus den früheren Sprengstoffwerken ins Wasser? In der jüngsten Stadtparlamentssitzung gab es zum einen eine große Anfrage der Fraktion die Linke und einen Dringlichkeitsantrag von Bündnis 90 / Die Grünen. Darin fordern sie den Magistrat auf, alles Notwendige zu tun, um zu verhindern, dass Giftstoffe im Niederwälder See landen. Allerdings wird dieser Antrag erst in der nächsten Sitzung regulär behandelt – die Mehrheit der Parlamentarier sah keinen Grund für Dringlichkeit.

Zu dem Antrag hatten unter anderem die Antworten auf die Anfrage der Linken geführt. Für die Grünen-Parlamentarier war eben nicht klar gesagt, ob Material aus Stadtallendorf und speziell aus dem Gebiet rund um das frühere Wasag-Werk nach Niederwald kommt. Die Stadt wiederum bekommt ihre Informationen vom für die Genehmigung der Auffüllung verantwortlichen Bergamt.

Ein Segen für die Betreiber des früheren Baggersees

Die A49-Autobahngesellschaft hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, dass Stadtallendorfer Material keinesfalls in den See gekippt wird – es sei ausdrücklich untersagt. Das bestätigt das Regierungspräsidium Gießen, zu dem das Bergamt gehört, auf Nachfrage der OP. Nach Niederwald komme nur Erdaushub von der Trasse zwischen Schwalmstadt und Stadtallendorf. In der Genehmigung ist kilometergenau festgehalten, welche Erde überhaupt angeliefert werden darf. Konkret ist das der Bereich zwischen den „Baukilometern 48+000 und 48+800“.

Auf Sprengstofftypische Verbindungen wird der Erdaushub nicht untersucht, bevor er abgekippt werden darf. „Boden, der nicht aus Rüstungsaltlasten stammt, steht nicht unter dem Verdacht, mit sprengstofftypischen Verbindungen belastet zu sein“, sagt dazu das Regierungspräsidium.

Lastwagen und Bagger kippen und schaufeln Erde in den Baggersee bei Niederwald. Quelle: Nadine Weigel

Für die Analyse des Boden gibt es genaue Vorgaben. Sie stammen aus der hessischen Verfüllrichtlinie aus dem Jahr 2014. Nicht jeder Kubikmeter muss beprobt werden. Proben sind laut Regierungspräsidium demnach nur alle 5 000 Kubikmeter nötig, mindestens aber 25 Analysen pro Anlaufstelle, so die exakte Festlegung. Am Tag fahren bis zu 230 Lkw nach Niederwald, seit dem Bau einer zweiten Zufahrt gibt es aktuell keine Klagen mehr aus der Bevölkerung.

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Für den Betreiber des früheren Baggersees, die Firma Holcim, ist die A49-Baustelle ein Segen, weil nun ausreichend Boden zum Verfüllen überhaupt zur Verfügung steht. „Das war eine einmalige Chance“, sagt Thilo Orgis von Holcim, er kennt die Begebenheiten vor Ort seit Jahrzehnten. Auch Orgis versichert, dass keinerlei belastetes Material aus Stadtallendorf nach Niederwald gebracht werde. „So ein Risiko gehen wir nicht ein“, betont er. Bisher laufe die Verfüllung sogar besser als erwartet. Die Qualität des Erdreiches sei für diese Zwecke sehr gut.

Was wird analysiert?

Im oberen Verfüllbereich, also oberhalb des Grundwassers, schreibt die Richtlinie die Untersuchung auf folgende Stoffe vor: Chrom, Blei, Nickel, Cadmium, Thalium, Arsen, Zink, Quecksilber, Kupfer, polyaromatische Kohlenwasserstoffe (also Teerverbindungen) und PCB.

Von Michael Rinde

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