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Ostkreis 30 Jahre gefordert, nun umgesetzt
Landkreis Ostkreis 30 Jahre gefordert, nun umgesetzt
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20:00 25.12.2021
Manfred Dönges (Zweiter von links) und Christian Somogyi (von rechts) begleiteten Erna Seibel, Wilma Pieler und Maria Feußner beim ersten Gang über den barrierefreien Zugang ins Bürgerhaus.  
Manfred Dönges (Zweiter von links) und Christian Somogyi (von rechts) begleiteten Erna Seibel, Wilma Pieler und Maria Feußner beim ersten Gang über den barrierefreien Zugang ins Bürgerhaus.   Quelle: Florian Lerchbacher
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Wolferode

„Hättet Ihr das damals gleich mitgemacht, hätte uns das ganze nur 1 000 Mark gekostet“, sagte Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi lachend, als er am Bürgerhaus gerade den barrierefreien Zugang einweihte und von alteingesessenen Wolferodern daran erinnert wurde, dass die Bürger des Stadtteils Ende der 1970er-/Anfang der 1980er-Jahre das einstige Schulgebäude in Eigenleistung umgebaut, erweitert und saniert hatten.

65 000 Mark hatte die Stadt damals investieren müssen – ein Betrag, der in etwa den 30 000 Euro entspricht, die die Kommune nun in eine Art Brücke samt zugehöriger Umbauarbeiten investieren musste, um einen barrierefreien Eingang ins Obergeschoss zu schaffen. Damit erfüllte sie den Wolferodern einen Wunsch, den diese in den vergangenen 30 Jahren immer wieder geäußert hatten, wie die ehemaligen Ortsvorsteher Armin Naumann und Heinrich Schütz sowie der heutige Amtsinhaber Manfred Dönges herausstellten. Einige Menschen seien in der Vergangenheit quasi ausgeschlossen gewesen, sagte Dönges und untermalte seine Worte mit Blick auf drei Frauen, die auf ihre Rollatoren angewiesen sind.

„Ich bin froh, dass wir das Projekt endlich umsetzen konnten. Eine der Hauptaufgaben einer Stadt ist die Herstellung von Barrierefreiheit im öffentlichen Raum“, betonte Somogyi und gab zu, dass es sehr lange gebraucht habe und viele Menschen beteiligt gewesen seien.

Im Gespräch mit dieser Zeitung berichtete er beispielsweise, dass verschiedene Ingenieurbüros involviert waren und die verschiedensten Lösungsansätze vorgeschlagen hätten.

Warum es dann fast 30 Jahre bis zur Umsetzung gedauert habe, kommentierte er mit einer Prise Sarkasmus: „Wir haben uns so lange darüber unterhalten, dass wir immer vergaßen, das Projekt dann auch zur Umsetzung zu bringen.“

Ehrenortsvorsteher: Steter Tropfen höhlt den Stein

Ehrenortsvorsteher Naumann konnte da inzwischen zwar mitlachen, erinnerte sich aber mit einer Prise Verärgerung zurück: Jahr für Jahr habe er den barrierefreien Zugang beantragt und sogar den Seniorenbeirat eingeschaltet, sei aber immer wieder am Eigenbetrieb der Stadt für Dienstleistungen und Immobilien gescheitert. „Dort wurde unser Vorhaben einfach nicht befürwortet (…). Aber steter Tropfen höhlt den Stein.“

Und so blieb es Erna Seibel, Wilma Pieler und Maria Feußner vorbehalten, mithilfe ihrer Rollatoren und gemeinsam mit Somogyi und Dönges als Erste über die Brücke zu gehen und das rote Band durchzuschneiden. „Ich bin gut drüber gekommen – und wir haben es probiert: Man kann auch nebeneinander gehen“, freute sich Feußner und stellte heraus: „Es ist schön, dass es den Zugang jetzt gibt.“ Er bedeute einen Mehrwert für Dorf und Stadt, ergänzte Dönges.

Von Florian Lerchbacher

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