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Ostkreis Gleis 3 ist nicht barrierefrei
Landkreis Ostkreis Gleis 3 ist nicht barrierefrei
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10:00 19.02.2019
Eine steile Treppe bildet den einzigen Weg zu Gleis 3 oder von dort zur Unterführung. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Ein Pendler hat den für einen Rollstuhlfahrer ausgesprochen unangenehmen Vorgang am 5. Februar beobachtet. Unvorhergesehener Weise hielt ein Zug der HLB nicht auf Gleis 2, sondern auf Gleis 3. Für einen Rollstuhlfahrer, der in Stadtallendorf aussteigen wollte, hatte das Folgen. Denn: Gleis 2 ist bekanntermaßen dank des 2010 fertiggestellten Aufzugs barrierefrei. Gleis 3 ist das dagegen nicht.

Wie der Stadtallendorfer Bahnkunde der OP berichtet war auch der Mitarbeiter der HLB im ersten Moment ratlos, was nun zu tun ist. Der auf den Rollstuhl angewiesene Fahrgast hatte noch in Marburg die Auskunft bekommen, dass er problemlos vom Gleis kommt. Das wäre, wie erwähnt, bei regulärem Halt auch kein Problem gewesen.

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„Warum schafft es die Bahn in einem so gut ausgebauten Bahnhof wie Stadtallendorf nicht, zumindest eine barrierefreie Verbindung zwischen Gleis 3 und Gleis 2 zu schaffen für solche Fälle?“, fragt sich der Pendler. Und wendete sich mit seinem Erlebnis und weiteren Eindrücken vom Bahnhof an die OP-Redaktion. Die Frage ist vor allem vor dem Hintergrund berechtigt, dass laut Fahrplan sieben Züge pro Tag auf Gleis 3 halten. Gleis 3 ist allerdings das „Stiefkind“ im Stadtallendorfer Bahnhof. Dort gibt es noch nicht einmal Fahrplanhinweise.

Bahn rät zum nächsten Bahnhof weiter zu fahren

Bei der Planung des barrierefreien Umbaus des Stadtallendorfer Bahnhofs vor dem Jubiläums-Hessentag 2010 hatte man auf eine Anbindung von Gleis 3 an den neuen Aufzug bewusst verzichtet – vor dem Hintergrund der Kosten, aber auch angesichts der Tatsache, dass dort ja ohnehin kaum Züge hielten.

„Leider gibt es für solche Fälle keine Möglichkeiten, dass Rollstuhlfahrer dort ein- und aussteigen können“, sagt auch ein Bahnsprecher über den momentanen Zustand.

Falls es wie im konkreten Fall dann doch notwendig wird, rät der Sprecher zu folgendem Vorgehen: „Idealerweise fährt dann der Rollstuhlfahrer zum nächsten Bahnhof mit Aufzug und Personal, da wir in diesen begründeten Ausnahmefällen auch einen Taxigutschein für den Rollstuhlfahrer ausstellen können, sodass er seinen Zielbahnhof noch erreicht.“

Davon war in diesem Fall aber offenbar nichts bekannt an jenem 5. Februar. Und noch etwas beklagen Bahnkunden: Die Ausfälle des seinerzeit eingebauten Aufzugs, vor allem durch Vandalismusschäden und dann verhältnismäßig lange Reparaturzeiten. Es könne vorkommen, dass Aufzüge ausfielen. Diese würden dann mit höchster Priorität wieder in Betrieb genommen, heißt es von der DB dazu.

Eine Statistik über Ausfallzeiten in Stadtallendorf gibt es allerdings nicht. Auch darüber, wie hoch dort die Vandalismusschäden sind, sowohl am Aufzug als auch an den drei ­Bahnsteigen, gibt es keinerlei Daten.

Kein Schwerpunkt für die Bundespolizei

Von Bahnkunden kommt die Anregung, die Gleise und insbesondere auch die Unterführung und das Umfeld des Aufzugs mit Kameras zu überwachen. Von der Bahn gibt es nur den allgemeingültigen Hinweise dazu, dass sie gerade bundesweit Konzepte für eine „Videostrategie“ entwickelt, die auch regional zur Anwendung kommen könnte.

Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi begrüßte es, wenn die Bahn in Sachen Videoüberwachung umdenken sollte. „Bisher hat das die Bahn abgelehnt. Wir wären bereit, das zu unterstützen“, sagt er auf Nachfrage der OP.

Die Bundespolizei in Kassel hat im vergangenen Jahr rund 40 Straftaten im Bahnhof Stadtallendorf registriert, überwiegend erwischte Schwarzfahrer. „Aus unserer Sicht ist Stadtallendorf kein Einsatzschwerpunkt“, so Bundespolizei-Sprecher Klaus Arend von der Bundespolizei-Inspektion Kassel. Im Jahr 2018 hat die Bundespolizei zwei Sachbeschädigungen in Stadtallendorfs Bahnhof registriert. Beide Male handelte es sich um Schmierereien.

von Michael Rinde