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Ostkreis Fördergeld-Dilemma beim Haltepunkt Anzefahr
Landkreis Ostkreis Fördergeld-Dilemma beim Haltepunkt Anzefahr
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11:58 30.06.2021
Der Bahnhaltepunkt in Anzefahr soll saniert werden.
Der Bahnhaltepunkt in Anzefahr soll saniert werden. Quelle: Tobias Hirsch
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Anzefahr/Kirchhain

Die Hoffnung auf eine Verlegung der Bahnstation Anzefahr in Richtung Ortsmitte haben am Montagabend einen Dämpfer erhalten. Denn aus Sicht der Deutschen Bahn ist in naher Zukunft nur eine Sanierung am bisherigen Standort möglich. Das legte Carsten Hoepfner von der DB Station & Service AG im Kirchhainer Bürgerhaus den Stadtverordneten im Ausschuss für Umwelt, Mobilität und Infrastruktur dar.

Die Bahn will die Station sanieren – sie soll unter anderem barrierefrei werden, zudem sollen die Bahnsteige auf 240 Meter verlängert und ihre Höhe auf 76 Zentimeter angepasst werden. Dafür hat die Bahn drei Varianten geprüft, wie Hoepfner erläuterte – einen Neubau am bisherigen Ort sowie zwei Möglichkeiten, die Station zu verlegen. Denn das Stadtparlament und der Ortsbeirat hatten sich für eine Verlegung in Richtung Ortsmitte ausgesprochen.

Ein alternativer Standort

Doch aus Sicht von Hoepfner sind die alternativen Standorte vom Tisch. „Wir haben die Entscheidung recht zügig getroffen, als wir die genauen Bedingungen kannten“, berichtete Hoepfner. Dabei geht es weniger um die örtlichen Gegebenheiten – obwohl es auch da für die Bahn Schwierigkeiten beim Stationsneubau geben könnte, etwa eine steile Hanglage und eine Brücke.

Es geht vor allem um die Finanzierung. Denn das Geld für die Modernisierung der Station könnte komplett aus einem Fördertopf des Bundes kommen. „Die Stadt muss nichts bezahlen“, betonte Hoepfner. Allerdings gilt das nach seinen Worten nur, „wenn bis 2024 gebaut ist“. Am bisherigen Standort sei das möglich, erläuterte er, weil dann kein Planfeststellungsverfahren erfolgen müsse.

Der Bahnhaltepunkt in Anzefahr. Quelle: Tobias Hirsch

Bei einem Neubau an einem anderen Ort müsse man dagegen zwei bis zweieinhalb Jahre für ein Planfeststellungsverfahren rechnen, „dann können wir 2024 nicht bauen“. Das Geld – Hoepfner geht in einem Kostenüberschlag von 4,5 Millionen Euro aus – müsste dann anderswo herkommen, die Stadt müsste auf jeden Fall einen Anteil bezahlen. „Ich glaube nicht, dass die Wirtschaftslage der Stadt so ist, dass sie mehrere hunderttausend Euro zahlen kann“, sagte Hoepfner.

Ortsbeirat: Kinder queren die Gleise

Finanziell wäre die Modernisierung am alten Standort für Kirchhain also ein Schnäppchen – trotzdem konnte Hoepfner die Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker am Montagabend nicht überzeugen. „Die Lage des Bahnhofs ist sehr ungünstig aus verschiedenen Gründen“, sagte Efrosini Kaioglidou (Grüne). „Ein Grund ist die Querung, man muss weit laufen.“

Das bestätigte auch Oliver Groß vom Ortsbeirat Anzefahr: „Man braucht 20, 25 Minuten, um den Bahnhof zu erreichen. Viele Menschen, auch Kinder, queren die Gleise blind.“ Aus Sicht von Stadtverordneten und Ortsbeirat wären an einem anderen Standort zudem Park-and-Ride-Plätze sowie eine bessere Anbindung an den Busverkehr und in Richtung der benachbarten Orte möglich.

Der Bahnhaltepunkt in Anzefahr. Quelle: Tobias Hirsch

„Ich glaube, es gibt niemandem hier im Raum, der sagt, es ist vernünftig, an dieser Stelle zu bauen, weil das Bundesprogramm befristet ist“, ereiferte sich Reiner Nau (Grüne). „Wir sollten als Kommune politisch sehr deutlich machen, dass hier mit Fördergeldern Unsinn gemacht wird.“

Er forderte eine „Lex Anzefahr“ – man müsse beim Bundesverkehrsministerium erreichen, dass der Zeitraum für die Bundesförderung so verlängert wird, dass die favorisierte „Variante 3“ gebaut werden kann, also ein in Richtung Kirchhain verlegter Bahnhaltepunkt.

Kirchhainer Bahnhof: Arbeiten sollen bald starten

Aus den anderen Fraktionen kamen ähnliche Signale. „Fördergelder vom Bund sind auch Steuergelder“, sagte Frank Wagner (Bürgerliste). „Und Steuergelder sollte man nicht verschleudern“, mahnte Professor Erhard Mörschel (CDU). Micha Thies sagte für seine Fraktion, die FDP stehe an der Seite des Ortsbeirates.

Und der findet, wie Oliver Groß sagte: „Diese Station hatten wir 50 Jahre, wir schaffen es auch noch zehn weitere Jahre“ – wenn das die Möglichkeit biete, den Haltepunkt zu verlegen. Hoepfner warnte aber, es könne dann sehr viel länger dauern, bis ein neuer Haltepunkt gebaut werde: „Aktuell gibt es keine andere Finanzierung, die ich kenne.“

Positives hatte Hoepfner dafür zur Sanierung der Bahnsteige am Kirchhainer Bahnhof zu berichten. Der Vertrag dafür liege gerade im Ministerium. „Wir können voraussichtlich im Oktober starten“, sagte er.

Von Stefan Dietrich

28.06.2021