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Ostkreis Bagger zerkleinert das frühere Heim
Landkreis Ostkreis Bagger zerkleinert das frühere Heim
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17:58 20.05.2021
Das frühere Soldatenfreizeitheim wird nun abgerissen.
Das frühere Soldatenfreizeitheim wird nun abgerissen. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Dort, wo einst das Schild „Haus Hohenwald“ die Besucher begrüßte, hängt nur noch eine Plastikfolie, vor dem Gebäude steht der Abrissbagger neben einer großen Mulde. Mit dem früheren Soldatenfreizeitheim geht es jetzt endgültig zu Ende. Der schon lange angekündigte Abriss hat begonnen. Zunächst allerdings vor allem innen. Eine Fachfirma entkernt das Haus, entsorgt dabei vor allem mit Schadstoffen belastetes Material ordnungsgemäß.

Dort, wo heute der Abrissbagger in Aktion tritt, ließen sich bis zum Jahr 2009 immerhin noch Prinzenpaare inthronisieren, feierten Stadtallendorfer wie auch „Bürger in Uniform“ gemeinsam, gab es Hochzeitsfeiern und Geburtstagspartys und auch ungezählte Skatrunden.

Das „Haus Hohenwald“ erfüllte seinen Zweck. Das Gebäude in der Artilleriestraße war die Begegnungsstätte von Soldaten und Zivilbevölkerung. Es lag günstig zwischen Herrenwaldkaserne und Hessen-Kaserne und war auch von der Innenstadt aus erreichbar.

Das Schicksal des Soldatenfreizeitheimes in Stadtallendorf war eigentlich erst 2012 endgültig besiegelt. Vorher hatte es noch einen echten Hoffnungsschimmer gegeben, das Gebäude von Grund auf zu sanieren und mit einem neuen Konzept schwungvoll wiederzubeleben. Die Division Spezielle Operationen (DSO, heute: Division Schnelle Kräfte) hatte das Gebäude seinerzeit ganz oben auf ihre Prioritätenliste gesetzt.

Unter der Führung des damaligen Standortältesten hatte eine Arbeitsgruppe sehr konkrete Modernisierungspläne entwickelt. Letztlich scheiterten die aber an der Finanzierbarkeit.

Zuletzt hatte die Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldaten das Heim verwaltet und betrieben. Für die Arbeitsgemeinschaft war das „Haus Hohenwald“ am Ende ein großes Sorgenkind. Letztlich fiel die Entscheidung zur Aufgabe im Bundesverteidigungsministerium in Berlin.

Dort waren alle derartigen Freizeiteinrichtungen auf den Prüfstand gestellt worden. Bei dieser Prüfung fiel das „Haus Hohenwald“ im Oktober 2012 endgültig durch. Jetzt, neun Jahre später, folgt nun der Abriss des leeren Gebäudes.

Und der wird einige Zeit dauern, wie das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr auf Nachfrage der OP erläutert.

Demnach sollen die Abbrucharbeiten bis Jahresende brauchen. Hintergrund sind mögliche Schadstoffbelastungen beim Gebäude und auch artenschutzrechtliche Fragen angesichts der Lage des Hauses, zu dem auch ein Nebengebäude zählt.

Und ganz billig wird dieser Abbruch wohl auch nicht zu haben sein. Wie ein Behördensprecher mitteilt, sind derzeit etwa 760 000 Euro dafür veranschlagt. Die Fläche zwischen der Herrenwaldkaserne und der Hessen-Kaserne bleibt natürlich für Zukunftsplanungen der Bundeswehr am Standort nicht unattraktiv.

Vor allem, weil nun auch klar zu sein scheint, dass die Hessen-Kaserne langfristig doch eine Zukunft haben wird. Das Bundesamt für Infrastruktur erklärt hierzu, dass es derzeit keine konkreten Pläne für eine Nutzung des Grundstücks an der Artilleriestraße gibt. Der Kasernenkommandant, Oberstleutnant Stephan May, wirft in den Raum, dass sich dort neue Gebäude für die Mitarbeiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums am Standort errichten lassen könnten.

Bedarf dafür ist vorhanden, zumal sich schon abzeichnet, dass beim Betrieb von zwei Kasernen dort mehr Personal nötig sein wird. Doch das dürfte ein langfristiger Plan werden.

Von Michael Rinde