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Ostkreis Steine fliegen gegen Baggerscheibe
Landkreis Ostkreis Steine fliegen gegen Baggerscheibe
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18:57 21.07.2020
Die zerstörte Scheibe des Baggers auf der Baustelle des ZMW ist mit einer Folie notdürftig abgeklebt. Quelle: Michael Rinde
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Niederklein

Die Seitenscheibe des Baggers war am Dienstagmittag, 21. Juli, mit einer Folie notdürftig abgeklebt. Im Lack der Baumaschine finden sich mehrere, teilweise größere Beulen.

Der oder die Täter hatten offensichtlich nicht nur einen Stein auf den Bagger geworfen. Wann sie das taten, ist nicht ganz klar. Die Polizei geht von einer Tatzeit zwischen Montag, 16.30 Uhr und Dienstag, 7.30 Uhr aus.

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Es ist keine ganz gewöhnliche Baustelle nahe Niederklein an der Landesstraße 3290. Dort verlegt der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke eine neue Brunnen-Verbindungsleitung. Das wiederum steht in direktem Zusammenhang mit dem im Herbst geplanten Weiterbau der Autobahn 49 (die OP berichtete bereits mehrfach). „Auszuschließen ist ein Zusammenhang nicht, das wird Gegenstand unserer Ermittlungen“, sagt Polizeisprecher Martin Ahlich gegenüber der OP.

Deshalb ist auch, wie in vergleichbaren Fällen üblich, der Staatsschutz in die Ermittlungen eingebunden. Hinweise auf den oder die Täter gibt es bisher keine. Die erhofft sich die Polizei deshalb von aufmerksamen Zeugen und fragt konkret: Wer hat in der fraglichen Zeit verdächtige Beobachtungen gemacht? Wer hat Personen oder Fahrzeuge gesehen? Hinweise dazu sind bei der Kriminalpolizei in Marburg, Telefon 06421/4060, möglich.

Es entstand ein Schaden von mehreren tausend Euro an der Baumaschine, die gerade einmal ein Jahr alt ist. „Es ist alles möglich, von einem Dumme-Jungen-Streich bis zu einem Anschlag von Autobahngegnern“, sagt ein Mitarbeiter einer Baufirma. Der Bagger ist allerdings nach wie vor funktionsfähig. Die Leitung, die jetzt erneuert wird, liegt im Baufeld der Autobahn, der Zweckverband und das Bund-Länder-Unternehmen Deges teilen sich die Kosten. Deges ist für Bauvorbereitungen verantwortlich.

Ein weit gravierender Vorfall war der mutmaßliche Brandanschlag auf fünf Bagger auf einer A49-Baustelle im Raum Schwalmstadt am Wochenende 4. und 5. Juli. Unbekannte hatten Zündvorrichtungen an den Maschinen angebracht, die jedoch nicht funktionierten. Zu dieser Tat gab es eine Art Bekennerschreiben im Internet (die OP berichtete). Bisher haben die Ermittlungsbehörden allerdings noch keine neuen Erkenntnisse in diesem Fall gewonnen, berichtete Staatsanwalt Timo Ide am Dienstag auf Nachfrage dieser Zeitung.

Ide ist Sprecher der Staatsanwaltschaft Marburg, die in diesem Fall zuständig ist. Aufseiten der Polizei ermitteln das Landeskriminalamt und der Staatsschutz in Kassel. „Leider haben sich keine Zeugen gemeldet“, bedauert Ide. Derzeit liefen noch kriminaltechnische Untersuchungen. Eine heiße Spur gibt es nicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen des Anfangsverdachtes des versuchten Mordes in diesem Falle, da die Zündvorrichtungen wohl auch hätten hochgehen können, wenn Menschen in den Maschinen gesessen hätten.

Von Michael Rinde