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Ostkreis Große Pumpen halten das Wasser fern
Landkreis Ostkreis Große Pumpen halten das Wasser fern
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13:00 08.11.2021
Große Pumpen stehen bereit, um einen Abschnitt der Mühlenwohra trockenzulegen. Große Pumpen stehen bereit, um einen Abschnitt der Mühlenwohra trockenzulegen.
Große Pumpen stehen bereit, um einen Abschnitt der Mühlenwohra trockenzulegen. Große Pumpen stehen bereit, um einen Abschnitt der Mühlenwohra trockenzulegen. Quelle: Michael Rinde
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Kirchhain

Die gesamte Baustelle an der Papiermühle ist eingezäunt und gesichert. Bei Temperaturen unter acht Grad suchen Fachleute mit Spezialgeräten vorsichtig einen Uferabschnitt der Mühlenwohra ab. Sie halten nach Munitionsresten aus der Zeit Ausschau, als um Kirchhain kurz gekämpft wurde.

Bereits zu Jahresbeginn waren Kampfmittelexperten der Firma Tauber aus Süddeutschland an dem Flüsschen im Einsatz. Seinerzeit suchten sie die Uferböschungen ab und wurden reichlich fündig. Ganz offenkundig hatten sich Wehrmachtssoldaten an diesem Flüsschen im großen Stil ihrer Munition entledigt. Oder waren es Kirchhainer Bürger, die ein verbliebenes Wehrmachtsdepot in den Bach entleert hatten? Abschließend geklärt ist das nicht. Tatsache ist aber, dass ein Spaziergänger an der Mühlenwohra zum Jahreswechsel etwas blinken sah und die Stadt verständigte. Die ließ Experten ran.

Nach Abschluss der ersten Räumarbeiten im Frühjahr war klar, dass die Mühlenwohra in Teilen trockengelegt werden muss, um die Suche fortzusetzen. Denn es gab deutliche Hinweise darauf, dass sich dort weitere Munition im Wasser befindet.

Groppen und Neunaugen werden umgesetzt

Das hat sich jetzt bereits bestätigt. Erst seit wenigen Tagen sind die Kampfmittelräumer wieder vor Ort. Die Mühlenwohra ist bereits etwas abgesenkt worden. Ein Wehr am Sandfang ist nur noch zu fünf Prozent geöffnet, wesentlich weniger Wasser kommt an der fraglichen Stelle an. Es gebe einige Punkte, die jetzt erst untersucht werden könnten, erklärt einer der Experten der Fachfirma Bürgermeister Olaf Hausmann beim Ortstermin. Hausmann ist beeindruckt davon, welche Technik aufgebaut wurde, um den kleinen Abschnitt der Mühlenwohra trockenzulegen. Auf einem Firmengrundstück auf der anderen Uferseite liegen große Sandbehälter, riesige gefüllte Säcke, parat.

Geplant ist, die Säcke am heutigen Montag in die Mühlenwohra einzubringen und damit den Einstau vorzunehmen. Der Einstau erfolgt in Höhe zwei Pumpen und ihren Einlassöffnungen. Eine kleinere Pumpe wird von diesem Zeitpunkt an rund um die Uhr laufen, eine deutlich größere springt an, wenn die Kraft der kleineren Pumpe nicht mehr ausreichen wird. Das abgepumpte Wasser fließt dann über eine Rohrleitung bis an die Papiermühle heran. Dort liegt der Wasserauslass. Er wird noch mit Steinen umlegt. Zwei Kubikmeter Wasser je Sekunde werden dort ankommen.

Am Montag ist auch ein Fischereibiologe im trockengelegten Teil der Mühlenwohra unterwegs. Er sucht das Bachbett nach Fischen ab, vor allem nach Neunaugen und Groppen, die sich in den Boden mehr oder weniger eingraben. Diese Tiere werden dann umgesiedelt. Bisher haben die Feuerwerker der Firma Tauber auch bei dieser zweiten Räumung verschiedene Infanteriemunition gefunden und umgehend entsorgt. „Damit zeigt sich bereits, dass die Entscheidung für die Trockenlegung richtig war“, erklärt Bürgermeister Hausmann gegenüber der OP. Er ist froh, dass diese Hinterlassenschaft aus Kriegszeiten entdeckt wurde und nun fachmännisch entsorgt wird. Etwa bis zum Jahresende werden diese Arbeiten Zeit in Anspruch nehmen. Die Firma Tauber wird das Bachbett im fraglichen, etwa 120 Meter langen Abschnitt Stück für Stück absuchen, zeitweise ist dafür ein speziell geschützter Minibagger im Einsatz.

Etwa 280 000 Euro kosten die Trockenlegung und die Absuche der Mühlenwohra die Stadt, das Geld legt sie für den Bund vor. Damit der überhaupt Geld erstattet, war entscheidend, dass tatsächlich Munition gefunden wird. Diese Voraussetzung ist jetzt erfüllt.

Von Michael Rinde