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Ostkreis Ein neues Wohnen und Arbeiten
Landkreis Ostkreis Ein neues Wohnen und Arbeiten
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18:00 07.10.2020
Ein Blick auf den neuen Gebäudekomplex des Altenzentrums, im Vordergrund Spielgeräte des städtischen Spielplatzes. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Wer den zweiten Stock betritt, steht vor einem Wasserfall. Zumindest vor einem kunstvoll an die Wand gemalten. Die Wände im Neubau des Awo-Altenzentrums strahlen an mehreren Stellen Freundlichkeit aus. Gestern feierte die Awo Nordhessen die Einweihung ihres Neubaus am Lohpfad im kleinen, den Corona-Regeln gerecht werdenden Rahmen. Alles begann vor Jahren mit den ersten Überlegungen für eine Renovierung. Der erste Spatenstich erfolgte im September vor zwei Jahren. Jetzt ist beinahe alles fertiggestellt. Einige Restarbeiten laufen aktuell noch. Während der kurzen Reden richteten beispielsweise Handwerker noch die Schiebetür an einem Eingang ein, im Inneren gab es an mehreren Stellen noch Elektroarbeiten, manches Zimmer bekam noch sein Mobiliar.

Zeit ist noch bis zum 19. Oktober. Dann läuft der Umzug aus dem alten Turm in den Neubau. Dafür setzt die Awo auf eine Spezialfirma, wie Nina Dewner erläutert. Sie ist die Leiterin des Awo-Altenzentrums. Alles läuft Etage für Etage ab. Während die alten Menschen im großen Speisesaal betreut werden, zieht ihr Mobiliar in die neuen Räume um. Vier Tage sind für diesen besonderen Umzug geplant. „Uns haben viele Angehörigen Hilfe angeboten, doch angesichts der Pandemie geht das nicht, das wären zu viele Menschen“, sagt Dewner im Gespräch mit dieser Zeitung. Deshalb die Entscheidung für ein Spezialunternehmen.

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Für die Arbeiterwohlfahrt ist der Neubau plus der Sanierung des alten, mittleren Gebäudeteiles das bisher größte Bauprojekt in ihrer Geschichte. Rund zehn Millionen Euro seien inzwischen fast verbaut, erklärte Awo-Nordhessen-Geschäftsführer Michael Schmidt bei der kleinen Eröffnungsfeier gestern. Weitere fünf Millionen Euro wird die Awo danach noch investieren. Dann wird der Mittelteil des Gebäudekomplexes aufwendig saniert, einschließlich des großen Speisesaals. Diese Bauphase dauert noch einmal ungefähr ein Jahr.

Kurzzeitpflege und Tagespflege

Für die Awo gab es am Dienstag (6.Oktober) ausdrückliches Lob von mehreren Seiten. So sprach Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) erneut von einem „Meilenstein“ für die weitere Stadtentwicklung. Die Awo habe mit dieser Investition gezeigt, dass sie sich der Verantwortung für die Bewohner und die Menschen in der Region bewusst sei. Kreisbeigeordnete Sigrid Waldheim wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft und hat den Werdegang des Millionenprojektes selbst mitverfolgen können. Sie ist überzeugt: „Hier wird es ein anderes Wohnen und ein anderes Arbeiten für die Mitarbeiter geben.“ Herbert Landmesser, Awo-Kreisvorsitzender, überreichte Spendengutscheine „für Kleinigkeiten, die vielleicht noch fehlen“.

Sensoren im Bett wachen

Aktuell leben 94 alte Menschen im Awo-Altenzentrum am Lohpfad. „Wir sind derzeit fast voll ausgebucht“, sagt Geschäftsführer Michael Schmidt. In Notfällen gäbe es aber noch Möglichkeiten. Es sind 112 stationäre Pflegeplätze entstanden. Neu hinzu gekommen sind 14 ­Plätze für die Kurzzeitpflege und 16 Tagespflegeplätze, so die Planungen.

Die einzelnen Etagen im Neubau bilden Wohngruppen mit einem jeweiligen eigenen, kleinen Zentrum für gemeinsame Aktivitäten. Jenseits des Zentrums befinden sich rechts und links jeweils 16 Zimmer. Ein Einzelzimmer ist etwa 23 Quadratmeter groß und verfügt über eine klassische Ausstattung mit einem modernen Bett, Schränken, Kommode und Sitzgruppe und natürlich einem zeitgemäßen Bad. Alles natürlich altengerecht ausgestaltet. Das reicht bis zu Sensoren im Bett, die registrieren, wenn ein Bewohner möglicherweise gestürzt in der Nacht ist. Im ganzen Altenzentrum gibt es WLAN für Handys und Computer.

Neue Pläne für alten „Turm“

Den alten „Wohnturm“ des Altenzentrums verkauft die Awo Nordhessen an einen privaten Investor (die OP berichtete). Awo-Geschäftsführer Michael Schmidt verriet bei der Einweihung des Neubaus nur so viel: Dort werden Mietwohnungen verschiedener Größen entstehen.

Vorher muss der „Turm“ allerdings grundsaniert werden. Seine neue Fassade wird an den Neubau der Awo angepasst. „Und es werden dort nicht nur ältere Menschen wohnen können“, sagt Schmidt. Erste Planungen hatten seinerzeit sogar vorgesehen, dass Gebäude nach dem Umzug abzureißen. In einigen Monaten soll der Investor seine Pläne der Öffentlichkeit vorstellen.

von Michael Rinde