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Ostkreis Im Pyjama ins Autokino
Landkreis Ostkreis Im Pyjama ins Autokino
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11:02 25.05.2020
Emine Özdemir ist mit ihren Kindern Asir Ali (4 Jahre, links) und Mohammed Ihsan (7) ins Autokino zu König der Löwen gekommen. Vorsorglich aufgrund der späten Stunde hatten die Jungs schon mal die Schlafanzüge an.  Quelle: Nadine Weigel
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Stadtallendorf

Asir Ali und Mohammed Ihsan sind ganz aufgeregt. Der Vierjährige und sein siebenjähriger Bruder sitzen neben Mama Emine Özdemir auf dem Beifahrersitz und freuen sich. Kein Wunder. Denn erstens waren sie noch nie im Autokino. Und zweitens dürfen sie normalerweise nicht so lange aufbleiben. „Aber ist der letzte Tag im Ramadan und da kann man das schon mal machen“, erklärt die Stadtallendorferin lächelnd. Vorsorglich hat sie ihren Kindern schon mal die Schlafanzüge angezogen, falls sie während des Films einschlafen.

In der Samstagsvorstellung zeigt der TSV Eintracht Stadtallendorf zusammen mit der Oberhessischen Presse, mr/ media, der Stadt Stadtallendorf und der Sozialen Stadt Stadtallendorf den „König der Löwen“ auf dem Parkplatz des Herrenwaldstadions.

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Das wollten sich auch die Freundinnen Laura Jung, Janina Kahl, Maxine Schmidt und Thordes Schlote nicht entgehen lassen. „Wir freuen uns mega“, sagt Maxine Schmidt die das besondere Kino-Erlebnis zu ihrem 19. Geburtstag vor einigen Tagen geschenkt bekommen hat. Die Laune der vier Schweinsbergerinnen ist bestens, bis der Film beginnt, beschallen sie den Parkplatz mit Partymusik. Gegen diese musikalische Begleitung beim Einweisen der Autos haben auch die fleißigen Helfer des TSV Eintracht Stadtallendorf nichts einzuwenden.

Am Freitagabend hatte Reiner Bremer, in Personalunion Fußball-Abteilungsleiter der Stadtallendorfer Eintracht und Fachdienstleiter in der Stadtverwaltung, noch Blut und Wasser geschwitzt. Weniger Stunden vor Beginn der ersten Veranstaltung, dem Film „Nightlife“ mit Elias M’Barek, beginnt es wie aus Kübeln zu schütten – und es will und will nicht aufhören. Ob das die Anlage aushalten kann, die den ganzen Tag über mit dem Einsatz von 15 Leuten aufgebaut worden war?

Sie hält es aus – und kurz vor Beginn des Films hellt es tatsächlich ein wenig auf. Bis dahin vertreiben sich die Zuschauer, schön auf ihre Autos verteilt, die Zeit mit Partymachen. Die einen haben eine Flasche Champagner dabei und die dazu gehörigen – na ja, fast – Gläser und prosten sich zu, die Crew im Nachbarauto lässt im Gegenzug ein Bier springen, und der Fahrer eines tiefergelegten Kleinwagens, ein Gastronom aus dem Nachbarkreis, kramt Eiskonfekt hervor und lässt es kreisen.

Tatsächlich haben sich die Organisatoren einiges einfallen lassen, um ein echtes Kino-Feeling zu erzeugen. Sogar ans Popcorn haben sie gedacht, jenen kulinarischen Klassiker jedes Lichtspielhauses. Wer welches erstehen will, kann beim Einlass vorbestellen und dann vor Vorstellungsbeginn abholen.

Die Hauptsache ist aber für viele, mal wieder raus unter Leute zu kommen. „Endlich mal was anderes“, sagt die 38- Jährige Maren aus Marburg, die mit ihrer Freundin da ist. Und dass in Elias M’Barek ein überaus angesagter Schauspieler, der Prototyp eines Frauenschwarms, die Hauptrolle in „Nightlife“ spielt, macht die Vorfreude beim einen oder der anderen noch größer.

Autokinos erleben furioses Comeback

Autokinos sind im Deutschland der Corona-Pandemie der Renner. Das Genre, entstanden vor gut 60 Jahren in den USA und dann herübergeschwappt über den großen Teich nach Europa, schien angesichts der Konkurrenz durch die modernen Kinos, schon tot zu sein. Jetzt feiert es ein furioses Comeback. Der Ton kommt nicht aus der Dolby-Surround-Anlage, sondern aus dem Autoradio – vorausgesetzt, man schafft es rechtzeitig, die richtige Frequenz einzustellen – und die Autobatterie hält bis zum Ende des Films. Für Notfälle hält das Orga-Team der Eintracht zwei Powerbanks bereit, um platt gelaufene Autobatterien nach Ende der Veranstaltung wieder anzuwerfen. Sie werden schlussendlich nicht gebraucht, aber es gibt dem ein oder anderen ein beruhigendes Gefühl.

Am Sonntag klingt Reiner Bremer noch ein wenig erschöpft, aber er ist hochzufrieden: „Alles bestens gelaufen“, erzählt er im Gespräch mit der OP. Stundenlang haben die zahlreichen Helfer zuvor alles wieder abgebaut, „der Parkplatz sieht aus wie geleckt“, sagt Bremer. Und er freut sich vor allem darüber, dass die Eintracht und ihre Partner es wieder geschafft haben, ehrenamtliches Engagement zu motivieren, damit eine solche Veranstaltung stattfinden kann. „Ohne so viele freiwillige Helfer ginge das gar nicht“, sagt Bremer. Und die Zusammenarbeit mit der Oberhessischen Presse und den anderen Partnern sei einfach „herausragend“ gewesen, auch das sei eine Voraussetzung, dass eine solche Veranstaltung gelingen und im Sommer wiederholt werden kann. Den Zuschauern jedenfalls haben die beiden Vorführungen gefallen.

Ein Hupkonzert nach dem Ende zeigt dies. Und das freut die Veranstalter: Applaus ist des Künstlers Brot.

von Nadine Weigel und Till Conrad

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