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Ostkreis Auf den Haushalt folgt der Haushalt
Landkreis Ostkreis Auf den Haushalt folgt der Haushalt
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17:58 27.04.2021
Nach vielen Jahrzehnten macht Manfred Vollmer Schluss: Sowohl mit dem politischen Engagement als auch dem Politikmachen – ein Unterschied, der ihm wichtig ist.    Foto: Florian Lerchbacher
Nach vielen Jahrzehnten macht Manfred Vollmer Schluss: Sowohl mit dem politischen Engagement als auch dem Politikmachen – ein Unterschied, der ihm wichtig ist. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

Nach vielen Jahrzehnten macht Manfred Vollmer Schluss: Sowohl das politische Engagement als auch das Politik machen - ein Unterschied, der ihm wichtig ist - ist er endgültig im Ruhestand angekommen.  Florian Lerchbacher

Stadtallendorf​Heimlich, still und leise hat sich Manfred Vollmer (CDU) von der politischen Bühne verabschiedet. Vor neun Jahren hatte er seinen Hut als Stadtallendorfer Bürgermeister genommen, nun beendete er auch sein Engagement im Kreistag. „Nächstes Jahr werde ich 80. In dem Alter muss man nicht mehr in Parlamenten sitzen. Jetzt sind jüngere an der Reihe“, sagt der 78-Jährige. Andere Generationen hätten andere Vorstellungen – und das müsse sich eben auch in der Politik widerspiegeln: „Ein alter Mann wie ich hat schließlich ganz andere Vorstellungen“, erklärt er mit seinem typisch rheinischen Humor. 

Das bedeutet, dass die Haushaltsrede zum Finanzwerk des Landkreises für dieses Jahr und das Absegnen eines 160-Millionen-Euro-Pakets seine letzte politische Handlung war. Eigentlich hätte er dabei gerne noch einmal kurze Worte des Abschieds gesprochen, gibt er zu – das habe er aber angesichts der begrenzten Redezeit und der herrschenden Corona-Bedingungen für unangebracht gehalten und deshalb darauf verzichtet. 

Im Gespräch mit dieser Zeitung betont er nur, dass er die 32 Jahre im Kreistag (von denen ein Großteil parallel zu seinen 30 Jahren als Bürgermeister liefen) sehr genossen habe: „Das war eine spannende Zeit, in der wir viel bewegt haben. Der Landkreis steht heute ganz anders da als Anfang der 1990er“, sagt er, erinnert an massiven Schuldenabbau und vieles mehr und freut sich, dass auch der „Kreistags-Abgeordnete Vollmer“ daran einen „ganz kleinen Anteil“ gehabt habe. 

Besonders an dem Gremium sei immer gewesen, dass es „nicht extrem politisch“ zugegangen sei, sondern sowohl unter Kurt Kliem als auch Robert Fischbach und Kirsten Fründt immer ein „sehr ordentliches, menschliches Verhältnis“ unter den Kreistagsmitgliedern geherrscht habe. 

„Alle drei Landräte, die ich mitverschlissen habe, hörten ihrem Gegenüber immer zu, waren aufgeschlossen und halfen, wie es eben möglich war“, lobt Vollmer, der zum Schluss noch immer stellvertretender Fraktionsvorsitzender und haushalterischer Sprecher war – und sich nun zumindest oberflächlich betrachtet einem seiner Fachgebiete widmen kann: Allerdings wird bei genauerem Hinsehen klar, dass Vollmer sich beim verstärkten Einbringen in den heimischen Haushalt wohl nicht den Finanzen der Familie widmen, sondern eher seine Frau Margot bei den Aufgaben des Alltags unterstützen wird. Die Familie habe er in der Vergangenheit durchaus etwas vernachlässigt, gibt Vollmer zu – doch nun werde sie voll und ganz im Mittelpunkt stehen. 

Der ehemalige Stadtallendorfer Rathauschef war 1959 im Alter von 17 Jahren in Nordrhein-Westfalen der Jungen Union beigetreten – eine logische Folge der Familiengeschichte, wie er sich erinnert: Vollmer wuchs in einer katholisch geprägten Familie auf und engagierte sich für die Pfadfinder und in der Jugendarbeit in der Kirche. „Ich war politisch interessiert. Dass ich der Jungen Union beitrat, ergab sich so. Bildlich gesprochen liegt die katholische Kirche neben der Jungen Union: Wer dem einen angehörte, der konnte quasi gar nicht um das andere herum.“ 

Allerdings habe er sich nach Analyse der Programme von CDU, SPD und FDP letztendlich dann auch in dem der Christdemokraten am besten wiedergefunden. In der Jungen Union gehörte er eines Tages dann auch dem Vorstand an, setzte sich in Wahlkämpfen ein und „fetzte“ sich in diesem Zusammenhang auch mit „Kommunisten und Linken“: „Das war schon anders. Aber es machte eben viel Spaß“, erinnert er sich.

Beruflich entschied er sich als junger Mann für eine Verwaltungslaufbahn. Er machte eine Ausbildung beim Land NRW und war für zwei Regierungspräsidien, einen Landkreis, bei einer kreisangehörigen Stadt und dann beim Ministerium für Wissenschaft und Forschung tätig. Dann folgte eine Zeit in Schwalmtal als sogenannter Beigeordneter – wo er parteienübergreifend großes Lob für seine gute und vom Parteibuch unabhängige Arbeit erhielt. 

Dann jedoch fand Vollmer Gefallen an der Idee, Wahlbeamter zu werden, und machte sich auf die Suche nach einer geeigneten Stelle. Er fand sie in Stadtallendorf. Damals habe man eben auch ein bisschen Glück benötigt, denn nach dem alten System seien drei Faktoren nötig gewesen, um eine Anstellung als Bürgermeister zu finden: Es brauchte eine freie Stelle, eine (in diesem Fall) CDU-Mehrheit und vor Ort keinen partei-eigenen Kandidaten. Inzwischen hat sich das System geändert und seit der Einführung der Direktwahl kann sich nahezu jeder um die Gunst der Wähler bemühen, die heute die Entscheidung treffen. Das findet Vollmer nicht gut, denn er hält es für unerlässlich, dass ein Rathauschef von der Arbeit einer Verwaltung Ahnung haben muss. Fakt sei jedenfalls, dass er sich vor seiner Zeit politisch engagiert habe. Es sei also Hobby gewesen – mit dem „Politik-Machen“ habe er erst angefangen, als er nach Stadtallendorf kam. Diese Unterscheidung ist Vollmer wichtig. 

Doch nun ist Schluss. Er habe immer vollen Einsatz gezeigt und sich mit Herzblut engagiert, betont er und gibt zu, ein bisschen wehmütig zu sein. Dennoch ist er vollkommen überzeugt, aufhören zu können – sei es mit dem Politik-Machen oder auch dem politischen Engagement. 

Es habe etwa ein halbes Jahr gedauert, bis er die notwendige Distanz zu seiner Tätigkeit als Bürgermeister hatte und die Geschehnisse in der Stadt unvoreingenommen bewerten konnte. Beim Kreis werde ihm das leichter fallen: „Als Bürgermeister steht man an der Spitze – im Kreistag ist man einer von 81.“ Der sei mit Sicherheit leichter loszulassen. Vollmers Ziele für die Zukunft: gesund bleiben und ganz viel Zeit mit der Familie verbringen.