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Ostkreis Auf dem Bock rund um den Turm
Landkreis Ostkreis Auf dem Bock rund um den Turm
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18:50 14.10.2021
Gerhard Bieker ist Stadtführer in Neustadt. Er kennt auch die Sagen rund um den Teufel und seinen Bund mit Hans von Dörnberg und den Bau des Turmes.
Gerhard Bieker ist Stadtführer in Neustadt. Er kennt auch die Sagen rund um den Teufel und seinen Bund mit Hans von Dörnberg und den Bau des Turmes. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Neustadt

Wer fühlt sich schon gerne ständig misstrauisch vom Chef bei der Arbeit beobachtet und wahrlich engmaschig überwacht? Kaum ein Mensch. Das dürfte zu Zeiten des Hans von Dörnberg nicht anders gewesen sein, auch wenn diese schon einige Jahrhunderte zurückliegen. Sagen rund um den Junker Hans und seinen gleichnamigen Turm kennt Gerhard Bieker, einer der Neustädter Stadtführer, reichlich. Und eines haben alle diese Sagen gemeinsam: „Der Junker Hans, das war kein Guter“, sagt Bieker.

Doch zurück zu den Arbeitern: Der wohl größte Fachwerkrundbau der Welt entstand etwa ab dem Jahr 1480. Leicht hatten es die Arbeiter auf den Baustellen des Junker Hans dabei nie, wie Bieker weiß. Der Sage nach hatte der Junker die von ihm bestellten und bezahlten Festungsarbeiter ständig unter Beobachtung. Von oben nämlich. Als der Turm schon weitgehend fertiggestellt war, konzentrierten sich die Arbeiter auf weitere Bauwerke für die Stadtbefestigung.

nd die Arbeiter wussten, dass Hans von Dörnberg sehr schnell sein konnte, wenn ihm etwas missfiel oder sie zu langsam waren. „Dann setzte er sich auf sein Pferd und kam bei Tag oder Nacht von oben vom Turm heruntergeritten“, berichtet Gerhard Bieker und schaut nach oben. Wie sich das Pferd am doch eigentlich glatten Turm halten konnte, das weiß auch der erfahrene Stadtführer nicht. Aber er erzählt von der Überlieferung, dass das Tier die Stellung seiner Hufe wohl anpassen konnte, die Hufe also bei Bedarf drehte. Eindeutig Teufelswerk.

Überhaupt, der Teufel. Den Überlieferungen und Mythen nach, so berichtet es der Neustädter Stadtführer, kommt der Teufel in jeder Sage rund um den Junker Hans in irgendeiner Weise vor. Zu jener Zeit, also im 15. Jahrhundert, da war Hans von Dörnberg in jedem Falle eines: mächtig und vermögend.

Junker war wohlhabend

Denn: Er war Hofmeister und verfügte über reichlich Einnahmen. Aber ein Raubritter, wie der ein oder andere gerne behauptet, das sei Hans von Dörnberg beileibe nicht gewesen, macht Gerhard Bieker deutlich. „Aber er hat sehr gerne und reichlich Geld von den Bürgern eingetrieben. Daher rührt sein schlechter Ruf“, sagt Bieker.

Zurück zum Teufel. Auf einem schwarzen Ziegenbock soll der Junker Hans dereinst um Mitternacht um den Turm geritten sein, um mit dem Teufel einen Bund einzugehen. So behauptet es jedenfalls eine weitere Sage über Hans von Dörnberg. Glaubt man dem Comic „Junker Hans von Dörnberg“, dann hatte es selbst der Teufel sehr schwer mit dem Hofmeister von Hessen und Bauherren des nach ihm benannten Turmes. Mehr als einmal beklagt der Teufel darin, was er alles für eine „mickrige Seele“ tun müsse. Im Comic hatte der Junker Hans dem Teufel seine Seele verkauft. Im Gegenzug erfüllte der Herr der Unterwelt ihm jeden Wunsch. Neben Gold in Hülle und Fülle auch den Bau eines Turmes, wie ihn die Welt zuvor noch nicht gesehen hatte.

Geheimer Gang zum Turm

Bei seinen Führungen seien es vor allem die Kinder, die ihn nach den Geschichten vom Teufel und dem Junker Hans fragten, sagt Gerhard Bieker. Sie fasziniere eben der Teufel als Sagengestalt.

Es gibt aber noch mehr Sagen rund um das Neustadt jener Tage. Zum Beispiel die Sage, dass es zwischen der Nellenburg und dem Junker-Hansen-Turm einst einen geheimen Gang gegeben hat. Auch da taucht der Teufel wieder auf. Denn: Irgendjemand muss ja genau diesen Gang mit Gold, Geld, Waffen und Rüstungen gefüllt haben, wieder das Wesen mit dem Pferdefuß. Im Comic von Hans-Erich Dingel will der Teufel den Vertrag mit Hans von Dörnberg am Ende wieder auflösen.

Aus reiner Verzweiflung über den nimmersatten Junker. Aber das ist auch nur eine der vielen Geschichten rund um den Namensgeber des berühmten Wahrzeichens von Neustadt.

Von Michael Rinde

15:55 Uhr
14:23 Uhr