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Ostkreis Mahnen und Verwarnen: Auf Streife mit den Corona-Kontrolleuren
Landkreis Ostkreis Mahnen und Verwarnen: Auf Streife mit den Corona-Kontrolleuren
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12:00 07.04.2021
Das Ordnungsamt Stadtallendorf kontrolliert regelmäßig, ob die Maskenpflicht eingehalten wird.
Das Ordnungsamt Stadtallendorf kontrolliert regelmäßig, ob die Maskenpflicht eingehalten wird. Quelle: Fotos: Nadine Weigel
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Stadtallendorf

Ostersonntag, 19.30 Uhr. Die letzten, warmen Sonnenstrahlen erleuchten den Heinz-Lang-Park. Kinder sausen im Skatepark mit ihren Rollern und Skateboards über die Hindernisse. Vorbildlich tragen sie Mundschutz. Auf dem Parkplatz vor dem Herrenwaldstadion ist das anders. Sechs junge Männer stehen um ihre blankgeputzten Boliden herum, trinken Energydrinks und rauchen. Keiner trägt Maske. Als die Auto-Liebhaber die beiden Mitarbeiter des Ordnungsamtes in ihren neongelben Westen entdecken, springen zwei schnell in ihren Wagen und ziehen sich Mundschutz über Mund und Nase. „Aha, die wissen also, was hier Sache ist“, sagt Marco Sommer, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes Stadtallendorf.

Zusammen mit seiner Kollegin Verena Bauerbach und Bürgermeister Christian Somogyi ist er an diesem Abend in Stadtallendorf unterwegs, um die Verfügung des Landkreises durchzusetzen, die seit dem 1. April in Kraft ist. Sie besagt, dass in besonders frequentierten Bereichen im Landkreis der Konsum von Alkohol untersagt und eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen ist. In Stadtallendorf betrifft das die meisten Bereiche der Innenstadt, zum Beispiel die Niederkleiner Straße, das Gelände der Georg-Büchner-Schule „Am Lohpfad“ oder der Bereich um die Bärenbachhalle „Am Lohpfad“ (Siehe detaillierte Auflistung im Kasten).

Verstärkte Kontrollen am Osterwochenende

„Die Bürgerinnen und Bürger haben sich bislang sehr positiv verhalten, wir haben nur einzelne Verstöße zu verzeichnen“, freut sich Sommer. Am Osterwochenende hat das Ordnungsamt seine Kontrollen noch einmal verstärkt, doch bis auf wenige Ausnahmen hält sich auch an diesem Abend jeder Fußgänger in den entsprechenden Bereichen an die Maskenpflicht. Auch die jungen Männer auf dem Parkplatz zeigen Einsicht und bedecken Nase und Mund mit Mundschutz. Ist das draußen an der frischen Luft, wenn wenig los ist und Abstand gehalten wird, nicht etwas übertrieben? Nein, findet Sommer. Das Problem sei zudem auch, dass die jungen Männer sich gegenseitig zu Hause abholen würden und dann ohne Maske zu viert im Auto säßen.

„Vielleicht wäre das auch noch einmal eine Anregung, in diesem Bereich am Schräubchen zu drehen und zu ergänzen, dass im Auto Maske getragen werden muss“, so Sommer, der nicht müde wird, den Stadtallendorferinnen und Stadtallendorfern Sinn und Zweck des Infektionsschutzes zu erklären. „Die britische Variante des Coronavirus ist viel ansteckender und deshalb ist es wichtig, Abstand zu halten und Maske zu tragen.“ Keine Widerworte von den jungen Männern, dafür Ausflüchte. „Wir haben ja eigentlich Masken auf, aber wenn man was trinkt, geht das ja nicht.“ Ein paar Meter weiter sitzen ebenfalls zwei junge Männer maskenlos im Auto. Bürgermeister Somogyi wird während seines Aufklärungsgespräches persönlich. „Corona ist kein Spaß, ein Mitarbeiter von mir war jetzt deshalb drei Wochen krank zu Hause, es ging ihm gar nicht gut. Und der ist in ihrem Alter.“ Die Männer im Auto nicken bedauernd, aber Sommer kennt sie bereits. „Vor ein paar Tagen hab ich die schon mal ohne Maske erwischt“, sagt er, wird aber des ständigen Erklärens, Mahnens und Verwarnens nicht überdrüssig. „Wir haben bislang nur das zur Anzeige gebracht, wo gleich drei Verstöße zusammengekommen sind: Maskenverstoß, Zusammenkunft mehrerer Menschen und Alkoholkonsum“, erklärt er. Bis Sonntagabend waren es bislang sieben Anzeigen, die das Ordnungsamt ans Gesundheitsamt gemeldet hat.

Von 303 Corona-Tests an einem Tag sind acht positiv

Aber Ostersonntagabend ist auffallend wenig los. Die Stadt ist wie leergefegt. Nur vor dem Corona-Testzentrum hinter der Stadthalle stehen noch ein paar Menschen. Sie haben sich testen lassen, bevor das Zentrum um 19 Uhr geschlossen hat. Weil es in der Verwandtschaft einen positiven Fall gab, haben alle das Testzentrum genutzt, um Sicherheit zu haben. „Unsere Tests sind aber alle negativ, Gott sei Dank“, sagt Armara Yeromiam erleichtert. Die 31-Jährige findet die Kontrollen des Ordnungsamtes gut. „Aber in Stadtallendorf ist ja wenig los. Ich arbeite in Bad Homburg, da ist es in der Fußgängerzone eine Katastrophe, alle eng an eng und kaum jemand trägt Maske“, kritisiert sie. Generell müsse noch viel mehr in die Familien reingeschaut werden, denn da würden Regeln missachtet und deshalb die meisten Ansteckungen passieren.

Über die unkomplizierte, schnelle Testmöglichkeit in der Mehrzweckhalle sind alle glücklich. Dass sie auch effektiv dazu beitragen, Infektionsketten zu unterbrechen, wird bei Nachfrage klar. Allein am Ostersonntag kamen 303 Menschen zum Corona-Test, acht von ihnen erhielten ein positives Ergebnis. „Wenn diese Menschen nun in Quarantäne geschickt werden, können sie keinen anderen mehr anstecken“, freut sich Bürgermeister Somogyi und kündigt zusätzliche Testmöglichkeiten an.

Hier gelten Maskenpflicht und Alkoholverbot

Gelände der Georg-Büchner-Schule „Am Lohpfad“

Parkplatz Freibad in der Waldstraße zwischen „Stadionweg“ und Heinz-Lang-Park

Festplatz in der „Herrenwaldstraße“

Heinz-Lang-Park von der Waldstraße bis zum Gelände des Herrenwaldstadions und vom „Stadionweg“ bis zur „Herrenwaldstraße“

Bereich Marli-Teich zwischen „Gerhart-Hauptmann-Straße“ und „Iglauer Weg“

Parkflächen auf dem Gelände des Einkaufszentrums „Herrenwaldstraße“

Niederkleiner Straße beide Straßenseiten

Waldstraße beide Straßenseiten

Bereich um die Bärenbachhalle „Am Lohpfad“ / Wendehammer Astrid-Lindgren-Schule

Bereiche Rathausvorplatz und Stadthalle von der „Bahnhofstraße“ bis „Am Bärenbach“ und „Am Lohpfad bis Bärenbachschule.

Von Nadine Weigel