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Ostkreis Angeklagter gibt zu, Feuer gelegt zu haben
Landkreis Ostkreis Angeklagter gibt zu, Feuer gelegt zu haben
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20:00 10.05.2021
Um an die Glutnester im Dachboden zu kommen, spritzte die Feuerwehr die Ziegel vom Dach des Doppelhauses. Aufgrund der Brandstiftung muss sich ein 33-Jähriger wegen versuchten Mordes vor dem Marburger Landgericht verantworten.
Um an die Glutnester im Dachboden zu kommen, spritzte die Feuerwehr die Ziegel vom Dach des Doppelhauses. Aufgrund der Brandstiftung muss sich ein 33-Jähriger wegen versuchten Mordes vor dem Marburger Landgericht verantworten. Quelle: Götz Schaub
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Kirchhain

Ein wegen Mordversuchs angeklagter Mann erklärte während des dritten Verhandlungstages vor der 3. Strafkammer des Marburger Landgerichts, verantwortlich zu sein für zwei Feuer, die im Mittelpunkt des Prozesses stehen. Beide Mal sei er nicht davon ausgegangen, dass jemand zu Hause sei, betonte der Angeklagte über seinen Anwalt, der die Erklärung verlas.

Zunächst ließ der 33-Jährige über den Vortag, den 25. September 2020, berichten. Er habe sich in seinem Wohnort Neustadt kurz einen Döner geholt und nach seiner Rückkehr dann fünf Männer und eine Frau – seine Ex-Freundin, in deren Wohnung er tags darauf Feuer legte – angetroffen, die seine Wertsachen wie Fernseher, Bassbox und Playstation aus seiner Wohnung trugen. Mit dabei: Der damals aktuelle Freund der Frau, der jüngst für diese Tat wegen schweren Raubes in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung zu drei Jahren und acht Monaten verurteilt wurde. Geschlagen wurde der derzeit Angeklagte nämlich an dem Abend auch, er musste in der Folge zur Behandlung ins Krankenhaus.

Welche Rolle an den Geschehnissen in Neustadt die anderen vier Männer spielten, ist noch nicht klar. Zwei von ihnen standen gestern als Zeugen Rede und Antwort und gaben beide an, sozusagen als Umzugshelfer fungiert zu haben. Denn sie seien vom inzwischen Verurteilten gebeten worden, mit ihm einige Dinge aus seiner alten Wohnung zu holen – und hätten nichts davon gewusst, an einem Raubzug beteiligt zu sein.

Zunächst Opfer, wurde der 33-Jährige einen Tag später zum Täter. Er habe sehr unter den erlittenen Verlusten gelitten und dann zeigen wollen, dass er sich so etwas nicht gefallen lasse und auch eine „Bitch“ sein könne. Er wollte sie fühlen lassen, wie es ist, wenn man sein Hab und Gut verliert, sagte der Anwalt. So habe sich sein Mandant, ausgerüstet mit etwa 0,1 Litern Benzin, auf nach Kirchhain gemacht. Dort sei es zunächst zu einer Verwechslung gekommen und er habe in der Brießelstraße an einer falschen Wohnungstür – der von zwei Senioren – Feuer gelegt. Jenes löschte dann, wie sich in der Verhandlung zeigte, ein Nachbar – einer der Männer, die tags zuvor beim „Umzug“ geholfen hatten. Dieser vermutete während seiner Aussage gestern, der Angeklagte habe wohl fälschlicherweise geglaubt, der Freund der Ex wohne in dem Haus.

Doch zurück zum Angeklagten: Dieser gab an, anschließend an jenem 26. September 2020 zur Wohnung seiner Ex „Hinterm Kirchhof“ gegangen zu sein und dort durch ein kaputtes Fenster etwas Benzin geschüttet und angezündet zu haben. Danach sei er Richtung Anzefahr gegangen, um von dort mit dem Zug Richtung Marburg zu fahren. Nach rund 50 Minuten Fußweg habe er sich Richtung Kirchhain umgedreht und die Rauchschwaden gesehen – die von dem Feuer stammten, mit dessen Ausmaß er nicht gerechnet habe. Dann sei ein „Zeichen des Teufels“ gefolgt, denn der Freund der Ex (und ihr Sohn) hätten ihm auf einmal gegenübergestanden. Der Mann sei auf ihn zugefahren, habe versucht, ihn zu schlagen – und er darauf als Reaktion mit einem Messer in dessen Arm gestochen. „Er hat mehrfach beteuert, dass er Menschen nicht verletzen oder töten wollte“, schloss der Anwalt und widmete sich noch Sprachnachrichten, in denen der Angeklagte mit Gewalt und Feuer geklagt habe: Das sei „Maulheldentum“ gewesen.

Der verletzte Mann ging dann übrigens tatsächlich noch in die Brießelstraße und ließ sich dort von seinem Bekannten, dem „Umzugshelfer“ und Feuerlöscher, versorgen. Als er gefragt habe, woher die Wunde stamme, habe der Verletzte nichts gesagt. Nur, dass er gekämpft habe. „Das hatte ja eine Vorgeschichte“, kommentierte der Zeuge – in dessen Wohnung die Polizei während einer Durchsuchung einige Zeit später den in Neustadt entwendeten Fernseher fand. Was er bei ihm gemacht habe, wollte Richter Gernot Christ wissen. Er habe ihn für die Frau nur zwischengelagert, weil nach dem Brand in ihrer Wohnung nicht klar gewesen sei, wo er sicher aufbewahrt werden könne.

Der 33-Jährige sitzt auch noch auf der Anklagebank, weil er mit Cannabis gehandelt haben soll. Mitangeklagt ist eine Minderjährige, die gestern zugab, zwei Portionen selber konsumiert, 12 weiterverkauft und 24 an den Angeklagten zurückgegeben zu haben.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Von Florian Lerchbacher

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