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Ostkreis Wilde Verfolgungsjagd endet mit Schlägerei
Landkreis Ostkreis Wilde Verfolgungsjagd endet mit Schlägerei
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12:00 10.12.2019
Drei Angeklagte mussten sich vor Gericht für Fehlverhalten im Straßenverkehr verantworten. Quelle: Thorsten Richter
Stadtallendorf

Die Ursache der Auseinandersetzung zwischen den drei angeklagten Männern mittleren Alters und den ungebetenen Gästen einer größeren Hochzeitsfeier im Dorfgemeinschaftshaus Erksdorf im Juli 2018 blieb während der Verhandlung vor Amtsgerichtsdirektorin Andrea Hülshorst ungeklärt.

Die Schlägerei war aber auch nicht Gegenstand der Anklage, sondern Fehlverhalten im Straßenverkehr: eine wilde Verfolgungsjagd – unter Alkoholeinfluss. Zu dieser kam es, weil – den Aussagen der Beschuldigten nach – der Bruder des Bräutigams blutüberströmt am Boden gelegen habe und die Täter, allesamt unerwünschte Gäste der Feier, mit ihrem Auto das Weite suchten.

Die beschuldigten Rumänen, die ohne Rechtsbeistand vor Gericht erschienen waren, gaben an, sie hätten die Verfolgung mit ihrem Auto aufgenommen und versucht, den Wagen der Flüchtigen zu stoppen, um sie „zur Rede zu stellen“. Dabei soll es zu abenteuerlichen Überholmanövern gekommen sein. „Ich kenne die Strecke, da kann man gar nicht überholen“, warf Richterin Hülshorst ein.

Letztlich endete die Verfolgung auf dem Parkplatz vor der Polizeistation in Stadtallendorf, wo beide Parteien ausstiegen und es wohl zu einem Schlagabtausch kam – bis Polizisten dem Treiben ein Ende setzten. Einer der ersten Polizisten, die vor Ort waren, konnte Hülshorst jedoch nicht beantworten, wer sich mit wem geprügelt oder gar wer angefangen habe.

Lügen könnten 
kurze Beine haben

Die Richterin erklärte den Angeklagten daraufhin, dass sie als Beschuldigte lügen dürften. Da aber später ein weiterer Prozess gegen die damals Flüchtenden anstehe, in dem sie dann als Zeugen verpflichtet seien, unter Androhung von Strafe die Wahrheit zu sagen, sollten sie sich gut überlegen, was sie aussagen.

Letztlich wurden die als Zeugen geladenen Flüchtigen der Hochzeitsparty nicht vernommen, weil dadurch keine weitere Aufklärung des Sachverhalts zu erwarten war. Das Verfahren gegen die beiden Beifahrer wurde im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft wegen Geringfügigkeit ihrer Schuld eingestellt.

Anders das Verfahren gegen den Fahrer des Autos, in dem sie gesessen hatten. Dieser wurde wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, fahrlässiger Trunkenheit (er hatte zum Tatzeitpunkt einen Blutalkoholwert von 1,2 Promille) sowie Nötigung, mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 25 Euro belegt.

Die drei Männer kamen nicht ohne eine Strafpredigt von Richterin Hülshorst davon. „Sie alle haben Kinder und sollten Vorbilder sein“, ermahnte sie nachdrücklich. Unter Tränen bekam der verurteilte Fahrer seinen Führerschein nach 15 Monaten zurück. Dabei erfolgte keine Maßregelung, da der Entzug deutlich länger war, als ein mögliches Strafmaß hätte ausfallen können. 

von Heinz-Dieter Henkel