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Ostkreis Schüler erschaffen Museum der Mode
Landkreis Ostkreis Schüler erschaffen Museum der Mode
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00:18 19.05.2019
Die angehenden Maßschneider der Beruflichen Schulen in Kirchhain holten mit „Museum of ­Walking Art“ gleich mehrere Mode-Epochen auf den Laufsteg. Quelle: Melanie Weiershäuser
Kirchhain

Die Fenster sind abgedunkelt. Gespannt sitzen die etwa 200 Zuschauer in der ­Aula der Beruflichen Schulen in Kirchhain. Die Scheinwerfen sind auf den dunklen Vorhang am Ende des Laufsteges gerichtet.

Dahinter – hektisches Treiben der 40 Auszubildenden, die an diesem Abend ihre selbst entworfene und geschneiderte Mode präsentieren. Das Motto in diesem Jahr heißt: „Museum of Walking Art“ – Mode aus dem Museum der wandelnden Kunst in Kirchhain.

Die Auszubildenden der Maßschneiderabteilung nehmen das Publikum mit durch das Kunstmuseum und durch die einzelnen Epochen. Mode, die von Bildern und künstlerischen Stilrichtungen inspiriert ist.

Zwischen den einzelnen Gruppen hören die Zuschauer immer wieder eine Audiostimme, die interessante Einblicke in die Geschichte der zugrundeliegenden Kunst und Stilrichtung gibt. Die Kunstrichtung „Pop Art“ eröffnet mit charakteristisch bunten Mustern die Modenschau. Stoffe in Anlehnung an den Stil von Andy Warhol und Roy Lichtenstein werden zu Hosen, Röcken und Kleidern vernäht.

Literatur ist Kunst. Inspiration für die nächsten Kleidungsstücke liefert der Roman „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. Viktorianische Elemente tauchen auf dem Laufsteg auf – ganz der Epoche des Buches entsprechend.

Der Kontrast zwischen warmen und kalten Farbtönen, wie im Gemäldezyklus „Japan als Gemälde“ von Benjamin Erhardt, dient als Grundlage für Mode, die genau diese Farbtöne widerspiegeln. Ebenso lassen sich die Farben des „Weltenbaumes“ aus der nordischen Mythologie in den Modellen wiederfinden.

Farben, Kontraste und Künstler liefern Inspiration

Das Publikum – Eltern und Freunde der Auszubildenden – drückt seine große Begeisterung immer wieder mit Applaus aus. Die Aufregung der Schüler ist deutlich zu spüren. Aber auch ihr Stolz. Origami – warum diese Kunst des Papierfaltens nicht auch auf Stoff anwenden?

Den Beweis liefern die Jung-Designer mit Modellen, die entweder in Stoff gelegte Falten enthalten oder kunstvoll gefaltete Objekte, die auf den Stoff aufgesetzt wurden. Ganz im Stil der „Street Art“ sehen die Anwesenden selbst gefärbte Stoffe, bemalt mit einem Motiv des Künstlers Banksy. Kein Kontrast ist stärker als der von Schwarz und Weiß.

Den haben die Schüler aufgenommen und fantasievolle Kreationen entworfen. Das Publikum ist begeistert und klatscht stürmisch. Star der „Kontrastmode“ ist zweifelsohne Erik Lenz. Er nutzt den Laufsteg mit einem hautengen Kleid für den perfekten Walk. Lenz ist stolz auf sich und seinen Traum, Modedesign zu studieren, schwärmt er nach der Aufführung.

"Stolz auf ihre Schüler"

Natürlich dürfen im Museum der Wandelnden Kunst die Alten Meister nicht fehlen. Die kunstvoll handbemalten Kleidungsstücke nach Motiven von Van Gogh, Monet und anderen Künstlern bieten einen ganz besonderen Anblick.

Die Mardorfer Künstlerin Inge Eismann hat die Schüler unterstützt und die schon zugeschnitten Stoffstücke aufwendig mit Stoffmalfarbe und nach originalen Vorlagen bemalt. „Das war schon eine Herausforderung“, sagt Eismann. Erst bei der Aufführung habe sie die fertigen Kleider das erste Mal gesehen und auch eine Träne im Auge gehabt.

Als Abschluss der Modenschau präsentieren die angehenden Designer die bunte Mode des „Pride-Rooms“: Abendkleider in allen Farben des Regenbogens. Sowohl Schulleiter Frank Heiwig als auch die Lehrkräfte der drei Ausbildungsjahrgänge seien „stolz auf ihre Schüler“. Die Bandbreite an Modellen zeige, dass sie ihr Handwerk verstehen.

von Melanie Weiershäuser