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Ostkreis Stefan Krähling hört als Stadtbrandinspektor auf
Landkreis Ostkreis Stefan Krähling hört als Stadtbrandinspektor auf
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17:00 29.04.2022
Stefan Krähling hört als Stadtbrandinspektor auf. 
Stefan Krähling hört als Stadtbrandinspektor auf.  Quelle: Michael Rinde
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Amöneburg

Die Feuerwehr hat er schon als kleines Kind geliebt. Sein Urgroßvater war in Roßdorf Ortsbrandmeister. „Es war mir also in die Wiege gelegt“, lacht Stefan Krähling. Am Freitagabend (29. April) steht er zum letzten Mal vor den Amöneburger Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmännern als „ihr“ Stadtbrandinspektor. Denn nach elf Jahren als stellvertretender Stadtbrandinspektor und 15 Jahren als Stadtbrandinspektor hört der Rüdigheimer auf. Denn der 52-Jährige will, dass Jüngere das Amt weiterführen. Einen Kandidaten für seine Nachfolge gebe es, freut sich Krähling. Den Namen will er im Vorfeld aber noch nicht verraten. Auch seine beiden Stellvertreter Edgar Kuhl und Michael Nau werden nicht mehr zur Wahl antreten.

Formal ist Krähling schon kein Stadtbrandinspektor mehr. Am 5. März endete seine Amtszeit. Darum nimmt er auch vor der gemeinsamen Jahreshauptversammlung der Amöneburger Feuerwehren seine Rangabzeichen von der Uniformjacke. Aber er ist noch Technischer Einsatzleiter im Fall der Fälle, also wenn die Amöneburger Wehren gefordert sind. Dadurch hat er weiter alle Befugnisse. Stefan Krähling hat schon früh Führungserfahrung gesammelt. Seine Wurzeln liegen in Roßdorf. Dort wurde er 1989 stellvertretender Wehrführer. Gleich beim ersten Einsatz, beim Brand eines Gehöftes in Amöneburg, passierte etwas Ungewöhnliches. Er verließ den Wagen, um sich Instruktionen bei seinem Einsatzleiter zu holen. Als er zurückkehrte, waren das Auto und die Kameraden weg. Jemand hatte sie schon vorausgeschickt. „Das vergisst man nicht“, erinnert sich Krähling zurück.

Im Laufe der Jahrzehnte in Verantwortung hat er, angefangen bei Ralf Biedermann, vier Amöneburger Bürgermeister erlebt, einschließlich des abgewählten Anders Arendt. „Wir haben zusammen einiges bewegt bei den Feuerwehren“, sagt er in Richtung Amtsinhaber Michael Plettenberg. Viel Lob hat er auch für Dirk Müglich und die inzwischen pensionierte Irene Damm von der Stadtverwaltung übrig, die die Feuerwehren und ihn immer unterstützt hätten. Er weiß aber auch, dass es bei Amöneburgs Wehren noch Handlungsbedarf gibt, besonders bei einzelnen Feuerwehrgerätehäusern. Als Beispiel nennt er das der Kernstadt, wo er angesichts der Vorgaben des Technischen Prüfdienstes des Landes keine Alternative zum Neubau sieht.

Vor allem die Verwaltungsarbeit hat Krähling in den zurückliegenden Jahrzehnten gefordert. „Das war so, als ob du einen Betrieb führst“, erklärt der Finanzbeamte. Da sieht er generell Handlungsbedarf, soll es weiterhin Feuerwehrleute geben, die sich für Führungsaufgaben bereitfinden. „Ich hatte immer gute Stellvertreter, wir haben uns immer untereinander unterstützt. Das ist sehr wichtig“, hebt er auch hervor.

135 aktive Feuerwehrleute gibt es in Amöneburg

Krähling bleibt in der Rüdigheimer Feuerwehr aktiv, will aber auch dort keinem jüngeren Kameraden einen Platz im Auto wegnehmen, wenn es Alarm gibt. Dann fahre er wie jetzt auch mit dem eigenen Auto zum Einsatzort. Dass er nun nicht mehr Gesamtverantwortlicher bei Einsätzen in Amöneburg ist, sondern nur noch einfacher Feuerwehrmann im aktiven Dienst, daran kann sich Krähling gewöhnen. Es gibt natürlich Einsätze aus der Vergangenheit, die er nicht vergisst. Den Brand in Roßdorf 2020 etwa, als es ein Todesopfer gab. Die Feuerwehr holte den Schwerverletzten aus dem brennenden Haus, zu retten war er nicht mehr. „Das hat uns allen viel abverlangt“, blickt Krähling zurück. Er sei eigentlich ein ruhiger Mensch. „Doch wenn der Alarm losgeht, dann geht bei mir immer noch der Puls in die Höhe. Am Einsatzort angekommen, bin ich dann wieder ganz ruhig“, sagt er von sich.

Er habe die Unterstützung der Brandschutzaufsicht, also des Kreisbrandinspektors und seiner Vertreter, immer sehr geschätzt. „Ich nehme vor Ort auch gerne einen Rat an“, hebt er heraus. Zurzeit hat Amöneburg 135 aktive Feuerwehrleute, bei Einsätzen gab es nie Personalmangel.

Der scheidende Stadtbrandinspektor hofft, dass das weiterhin so bleibt. Was wünscht er dem neuen Führungsteam? „Dass sie alle genauso viel Spaß an ihrer ehrenamtlichen Arbeit haben wie ich“, antwortet der Rüdigheimer. Und dass sie bei der Verwaltungsarbeit noch mehr entlastet werden, vielleicht aus dem Amöneburger Rathaus?

Von Michael Rinde