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Ostkreis Amöneburg zeigt seine Schätze
Landkreis Ostkreis Amöneburg zeigt seine Schätze
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14:59 21.05.2022
In der St-Josefskapelle im Rabanushaus werden Messgewänder aus der Zeit des Baus des Gebäudes in den 1960er Jahren gezeigt. Zudem stellen Gabi Clement (von links), Elisabeth Schmitt-Nau und Carmen Gebhard die Fenster von Agnes Mann heraus.
In der St-Josefskapelle im Rabanushaus werden Messgewänder aus der Zeit des Baus des Gebäudes in den 1960er Jahren gezeigt. Zudem stellen Gabi Clement (von links), Elisabeth Schmitt-Nau und Carmen Gebhard die Fenster von Agnes Mann heraus. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Eigentlich wollten die Amöneburger bereits im vergangenen Jahr anlässlich des Stadtjubiläums ihre Schatztruhen öffnen und verborgene Kostbarkeiten präsentieren. Doch die Pandemie machte diesem Plan einen Strich durch die Rechnung – was Gabi Clement, Elisabeth Schmitt-Nau und Carmen Gebhard gemeinsam mit dem Verein „Amöneburg 13Hundert“ und zahlreichen weiteren Mitstreiterinnen und Mitstreitern aber nicht verzagen ließ. Nun laden sie eben 1 301 Jahre nach der Gründung der Stadt in einen Ausstellungsparcours ein, der die Gäste durch fünf Gebäude in der Kernstadt sowie ins Trachtenmuseum nach Roßdorf führt.

Zu entdecken gibt es von Donnerstag, 26. Mai, bis Sonntag, 29. Mai (jeweils 14 bis 18 Uhr) dabei so einiges, wie Clement herausstellt: zum einen die unterschiedlichsten Ausstellungsstücke, teilweise aber auch die Gebäude und deren Feinheiten an sich. Ein gutes Beispiel ist die St.-Josefskapelle im Rabanushaus: Dort gibt es wertvolle Paramente aus der Bauzeit des Gebäudes in den 1960er-Jahren zu sehen (die barocken Messgewänder warten in der in unmittelbarer Nähe gelegenen Stiftskirche, die Trauer-Paramente werden in der benachbarten Friedhofskapelle gezeigt). Doch eigentlich ist die selten für die Öffentlichkeit zugängliche Josefskapelle an sich bereits ein Höhepunkt, denn in ihr gibt es Glaskunst von Agnes Mann zu entdecken. „Als ich die Fensterfront das erste Mal sah, waren sie mir zu schrill“, gibt Clement zu. Doch ihre Neugier war geweckt, und so begab sich die Amöneburgerin auf Detailforschung – was sich als gar nicht so einfach herausgestellt habe, da die Fenster in keinem Werksverzeichnis eingetragen und auch in der Kapelle keine Hinweise zu finden seien. Doch sie fand heraus, dass die Künstlerin einst die Schüler in die Gestaltung einbezog. Das Gelb in den Fenstern symbolisiert die Sonne, das Grau und Schwarz den Basalt. „Und wer genau hinschaut, kann die Silhouette des Berges entdecken, über die man zum Altar hingeführt wird“, erklärt Clement.

Überblick

Folgende Ausstellungen sind vom 26. bis 29. Mai zu sehen (jeweils 14 bis 18 Uhr)

1) Prachtvolle Paramente

Barocke Gewänder in der Stiftskirche, Trauergewänder in der Friedhofskapelle, moderne Gewänder in der Josefskapelle.

2) Schülerblicke

Bilder und Collagen im kleinen Saal des Rabanushauses.

3) Ansichten vom Berg

Post- und Ansichtskarten im Obergeschoss des Bonifatiushauses, Amöneburger Fotografien im Untergeschoss.

4) Lebenslinien

„Langes Leben in Amöneburg“ im Café Markt 17.

5) Kleinod am Mauerrundweg

Evangelische Kapelle

6) Tradition erleben

Trachtenmuseum in Roßdorf.

Die Fenster sind auch ein Höhepunkt der 125 Jahre alten evangelischen Kapelle auf dem Berg. In dem „Kleinod am Mauerrundweg“ werden alte liturgische Geräte wie Kerzenständer und Kelche sowie eine von Kaiserin Auguste Victoria zur Einweihung gestiftete Bibel ausgestellt. Zudem bieten Diethelm Reinmüller und Johannes Theil Führungen an.

Von Schülerinnen und Schülern gestaltete Bilder und Collagen Amöneburgs zeigt die Stiftsschule im kleinen Saal des Rabanushauses. Fotografien aus Amöneburg von Reinhard Franke und Manfred Fuhrmann sowie von Reinhard Forst und Herbert Fischer gesammelte und zur Verfügung gestellte Post- und Ansichtskarten der Stadt sind im Bonifatiushaus zu sehen.

Ein besonderes Projekt hat der Verein mit der Fotografin Anna Scheidemann umgesetzt – die ebenso wie „Amöneburg 13Hundert“ im vergangenen Jahr vom Landkreis mit dem Otto-Ubbelohde-Preis ausgezeichnet wurde. Unter der Überschrift „Lebenslinien: Amöneburger Gesichter“ fotografierte sie 15 Bürgerinnen und Bürger, die über 80 Jahre alt sind. Erst hätten die Senioren nicht mitmachen wollen, dann aber ihre Meinung geändert, berichtet Schmitt-Nau: „Und herausgekommen sind ganz tolle Porträts.“ Diese Aufnahmen sowie sieben Geschichten drumherum können im Café „Markt 17“ bewundert werden.

Weitere Aufnahmen, die Anna Scheidemann gemacht hat, zeigt das Trachtenmuseum in Roßdorf – dessen Verantwortliche um Ortsvorsteherin Andrea Rhiel-Luzius dazu einladen, auch die eigentliche Ausstellung zu besuchen. Dort gibt es am Sonntag, 29. Mai, Kaffee und Kuchen. In Amöneburg bieten die Mitglieder der Katholischen Frauengemeinschaft am Samstag und Sonntag (28. und 29. Mai) am Bonifatiushaus Kaffee und Kuchen an. Am Sonntag öffnen auch das Naturschutz-Informationszentrum und das Museum von 14 bis 18 Uhr die Pforten.

„Es geht uns darum, das kulturelle Kapital im Stadtgebiet in Wert zu setzen“, resümiert Clement und ruft dazu auf, die einmalige Gelegenheit zu nutzen und die angebotenen Ausstellungen zu besuchen – egal in welcher Reihenfolge: „In dieser Form wird es das nie wieder geben. Die Veranstaltung ist für Gäste geeignet, aber auch für Bürgerinnen und Bürger der Stadt Amöneburg, die mit Sicherheit für sie noch unbekannte Schätze entdecken werden.“

Der Flyer zur Veranstaltung finden Sie hier: www.amoeneburg13hundert.de

Von Florian Lerchbacher

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