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Ostkreis Amöneburg – vom Berg ins Buch
Landkreis Ostkreis Amöneburg – vom Berg ins Buch
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11:00 22.05.2021
Stolz präsentieren (von rechts) Dr. Stefanie Wellner, Hartmut Weber (Vorstand), Birgit Gruß (Stadtverwaltung), Freddy Greib, Carmen Gebhard (beide Vorstand), Antje Pöschl, Winfried Nau, Andre Schlipp, Diethelm Reinmüller und Michael Plettenberg das Buch zu 1 300 Jahren Amöneburg.
Stolz präsentieren (von rechts) Dr. Stefanie Wellner, Hartmut Weber (Vorstand), Birgit Gruß (Stadtverwaltung), Freddy Greib, Carmen Gebhard (beide Vorstand), Antje Pöschl, Winfried Nau, Andre Schlipp, Diethelm Reinmüller und Michael Plettenberg das Buch zu 1 300 Jahren Amöneburg. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Das Feiern eines Stadtjubiläums in Corona-Zeiten ist nahezu unmöglich. Statt auf Veranstaltungen und Aktionen setzen die Mitglieder des Vereins Amöneburg 13Hundert daher auf Dinge, die bleiben. Ein gutes Beispiel ist der Stiftsgarten neben der Kirche, ein noch besseres Beispiel das in Kooperation mit der Stadt entstandene Werk „1 300 Jahre Amöneburg – dem Himmel so nah“.

Darin erzählen die Amöneburger die Geschichte ihrer Stadt anhand unterschiedlichster Themen und ganz verschiedener Perspektiven. Eine klassische Festschrift sei das mit Sicherheit nicht, betont Andre Schlipp vom Redaktionsteam: Es sei viel eher ein Buch über Amöneburg, das von den Menschen und der Geschichte handele und darstelle, wer die Amöneburger eigentlich sind: „Es spiegelt die Stadt im Ganzen wider“, sagt er und betont, dass es auch Beiträge aus und über die Stadtteile gebe. So hätten die Roßdorfer beispielsweise ein langes Gedicht beigesteuert.

Weit mehr als 50 Autoren brachten sich in das rund 270 Seiten starke Buch ein (ursprünglich war es in der Planung mit 150 Seiten losgegangen). „Rückgrat“ seien dabei Reinhard Forst und Diethelm Reinmüller gewesen, betont Winfried Nau, Beisitzer des Vereins und Mitglied des Redaktionsteams – betont aber im gleichen Atemzug, dass die Artikel „nicht allzu wissenschaftlich“ seien und selbst alteingesessene Bürger viel Neues entdecken können. Ihm habe das Verfassen historischer Texte am meisten Spaß gemacht, sagt Reinmüller, der insgesamt 16 Beiträge beim Redaktionsteam einreichte.

„Es war ein langer Weg. Aber er hat sich gelohnt“, lautet Schlipps Fazit: Im Frühjahr 2019 habe das erste Treffen stattgefunden, um erst mal zu klären, was für Themen sinnvoll sind, was wer will und welche Autoren in Frage kommen. Im Herbst 2019 sei es dann richtig losgegangen. Immer wieder habe es intensiven Austausch des aus Dr. Stefanie Wellner, Antje Pöschl, Winfried Nau und ihm bestehenden Redaktionsteams mit den Autoren gegeben. Oft wären Texte noch umgeschrieben oder verändert worden, und es sei nicht nur einmal vorgekommen, dass bei Kilian Gottwald neue Zeichnungen angefordert werden mussten. Es habe eben immer wieder neue Ideen, neue Inspiration und neuen Input gegeben.

Ein besonderes Lob sprach Schlipp dabei Stefanie Wellner aus, die stets den Überblick gehabt und „Unglaubliches“ geleistet habe: „Ich bekam in Zusammenhang mit dem Buch rund 2 000 E-Mails. Stefanie bekam sie aber alle – und behielt immer den Überblick. Das ist unfassbar.“

Wichtig sei, dass die Artikel kurz gehalten wurden und maximal ein bis drei Seiten lang seien und dem Leser das Blättern im Buch Spaß mache, so Schlipp. Er selber empfiehlt die Lektüre des Artikels, der sich um Steuerbefreiungen für alle Grundstücke dreht, auf die der Heilige Bonifatius vor 1 300 Jahren seinen Fuß setzte. Ein weiterer absoluter Höhepunkt sei „Die Pflasterfugengesellschaft“, die einen Einblick in das Leben in Pflasterfugen gebe. Er habe sich unter dem Titel nicht viel vorstellen können, gibt Schlipp zu. Entsprechend habe er den Beitrag sofort gelesen – und sich dabei köstlich amüsiert.

Winfried Nau empfiehlt dringend den Abschnitt über die Gebietsreform und die Entstehung der Großgemeinde. Darin warte bestimmt die ein oder andere Überraschung auf den Leser. Ihm sei beispielsweise nicht mehr in Erinnerung gewesen, um welch undemokratischen Prozess es sich dabei gehandelt habe.

So hätten 83 Prozent der Einwohner Rauischholzhausens – des direkten Nachbardorfs von Roßdorf – eine Angliederung ihres Ortes an Amöneburg gefordert. Die Kreisverwaltung habe sich aber entschieden, das Dorf dem Ebsdorfergrund zuzuführen – ein Punkt, der ihm einst als Jugendlichem gar nicht so bewusst geworden sei.

„Das Buch gehört in jedes Bücherregal“, sagt auch Bürgermeister Michael Plettenberg und betont, dass es sich von klassischen Festschriften klar abhebe. Es sei auch für Auswärtige sehr interessant, da es die Stadt in ihrer Vielfalt darstelle und zeige, was es dort alles gebe. „Oft bekommt man sogar einen ganz neuen Blick auf Dinge“, hebt der Rathauschef hervor. Eigentlich sei es eine sehr gute Quelle für künftige Generationen – und er würde es für sinnvoll halten, das Werk alle 25 Jahre zu aktualisieren: „Daran kann man dann auch die Entwicklung der Stadt ablesen.“

Eine weitere Besonderheit von „1300 Jahre Amöneburg – dem Himmel so nah“: Es enthält weder Grußworte (damit es, so Schlipp, zeitlos bleibt) noch Werbung. Gewerbetreibende hätten aber die Möglichkeit gehabt, sich in Form eines Porträts vorzustellen. Und so ist „Unternehmen und Selbständige“ nur ein Abschnitt von vielen.

Weitere Kapitel widmen sich beispielsweise dem Sehenswerten, dem Historischen, den Sagen und Geschichten, den Menschen, den Vereinen, der Kunst und Kultur, der Natur und dem Thema „Mein Amöneburg“. Darin erklären einige Bürger, warum sie gerne in der Stadt lebten. Die Kinder aus der Grundschule beteiligten sich mit einem eigenen Abschnitt und garnierten ihre Erklärungen sogar noch mit zahlreichen Bildern. „Ich bin mächtig stolz“, resümiert Freddy Greib im Namen des Vorstandes von Amöneburg 13Hundert.

Das Buch kostet 15 Euro und ist der bisher einzige Artikel, den es im Online-Shop der Stadt gibt unter shop.amoeneburg.de, außerdem ist es erhältlich in Amöneburg im Rathaus, im Edeka, dem Café Markt 17 und in der Brücker Mühle, in der Bücherei in Rüdigheim, in Kirchhain in Lenis Buchladen und bei Kleinheins Buch und Papier sowie über die Agenturen der Oberhessischen Presse.

Von Florian Lerchbacher

21.05.2021
20.05.2021