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Ostkreis Amöneburg soll sich entwickeln
Landkreis Ostkreis Amöneburg soll sich entwickeln
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17:58 23.07.2021
Manfred Linne bereitet im „Backhaus 2.0“ – dem Leuchtturmprojekt der gerade auslaufenden Dorferneuerung in Erfurtshausen – Roggenbrote zu. 
Manfred Linne bereitet im „Backhaus 2.0“ – dem Leuchtturmprojekt der gerade auslaufenden Dorferneuerung in Erfurtshausen – Roggenbrote zu.  Quelle: Archivfoto: Michael Rinde
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Amöneburg

In Erfurtshausen klingt derzeit die Dorferneuerung aus. Just in dieser Phase kommt die Nachricht vom Land Hessen beziehungsweise dem Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, dass die Stadt Amöneburg ins Dorfentwicklungsprogramm – also das Nachfolge-Förderprogramm – aufgenommen wird.

Das Förderprogramm richtet sich speziell an die kleinen Kommunen im ländlichen Raum. Den Kommunen und privaten Projektträgern stehen viele Fördermöglichkeiten zur Verfügung, um die Lebensqualität vor Ort zu verbessern. Gefördert werden zum Beispiel Sanierung und Neubau im Ortskern, Einkaufsmöglichkeiten, Platzgestaltungen, kulturelle und soziale Angebote oder Treffpunkte für die Ortsgemeinschaften. 15 Kommunen hatten sich beworben, zwölf bekamen den Zuschlag und können sechs Jahre lang Förderungen beantragen.

„Das ist eine gute Nachricht“, freut sich Bürgermeister Michael Plettenberg und betont, dass er die Dorfentwicklung hervorragend finde. Erfurtshausen habe sehr davon profitiert, doch es gehe nicht nur um das Anstoßen von Projekten und die finanzielle Unterstützung, sondern die Teilnahme sei auch gut für den sozialen Zusammenhalt in den Orten – aber auch untereinander: „Wir haben fünf Stadtteile, die sehr unterschiedlich sind und manchmal auch in Konkurrenz zueinander stehen. Ich glaube, die Dorfentwicklung wird ein verbindendes Element sein.“

Sowohl er als auch einige Stadtverordnete hatten im Vorfeld der Bewerbung allerdings Bedenken geäußert, weil keine Neubaugebiete ausgewiesen werden dürfen, wenn eine Stadt in dem Förderprogramm ist. Für Erfurtshausen und Roßdorf würden aber Bauflächen benötigt und eine Ausweisung entsprechender Flächen sei geplant, betont Plettenberg und berichtet, dass er dies auch in die Bewerbung geschrieben habe. Nun hoffe er, dass dies im Ministerium durch die Aufnahme in das Programm auch akzeptiert worden sei – vor allem vor dem Hintergrund, dass es vergleichsweise wenig Baulücken und Leerstand in den Orten gebe. In diesem Zusammenhang spricht er von einem Dreiklang aus dem Füllen von Baulücken, dem Kampf gegen Leerstand und dem Angebot für insbesondere junge Familien, sich in ihrem Wunschdorf niederlassen beziehungsweise dort bleiben zu können. Es sei wichtig, dass Mitarbeiter von Ministerien in Wiesbaden den Expertisen vor Ort glaubten und nicht aus der Entfernung festlegen wollten, was Menschen beziehungsweise Kommunen im ländlichen Raum benötigten: „Das wissen wir vor Ort dank unserer Erfahrungen und besonderen Kenntnissen am besten.“ Es gelte, Unterschiede bei den Orten zu akzeptieren.

In diesem Zusammenhang widmet sich der Rathauschef auch noch der Kernstadt: Dort gebe es zwar einige Leerstände – die seien aber weder für junge Familien noch für ältere Menschen geeignet, da sie in der Altortslage weder Außenfläche noch Parkplatz oder gar Sonnenlicht böten. An dieser Stelle komme aber das Thema „Tourismus“ ins Spiel, denn die Lage in der historischen, malerischen Kernstadt sei toll und es böte sich eine Nutzung als Ferienwohnungen an: „So ein Wochenende in einem Hexenhäuschen ist doch bestimmt urig und schön.“ Insgesamt sei er zuversichtlich, dass sich all diese Themen gut in Gesprächen vor Ort klären ließen. Ein von CDU und Grünen eingebrachter Antrag rund ums Thema Dorfentwicklung und Bauen wurde übrigens während der jüngsten Stadtverordnetenversammlung auch zur Beratung in den Ausschuss weitergereicht.

Am 31. August steht ein großer Festakt in Wiesbaden an, bei dem die zwölf Kommunen offiziell in die Dorfentwicklung aufgenommen werden, berichtet Plettenberg. Danach gebe es eine 18-monatige Konzeptphase. Die ersten Fördermittel würden dann voraussichtlich 2023 nach Amöneburg fließen.

Termine Erfurtshausen: Am 4. September steht die Eröffnung des im Rahmen der Dorferneuerung sanierten Backhauses an. Die Abschlussveranstaltung ist für den 10, Oktober, 11 Uhr, geplant.

Die Kommunen

Folgende elf Kommunen hat das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz neben Amöneburg neu ins Dorfentwicklungsprogramm aufgenommen: Niederaula (Landkreis Hersfeld-Rotenburg), Schmitten (Hochtaunuskreis), Waldbrunn (Limburg-Weilburg), Brachttal (Main-Kinzig-Kreis), Neukirchen und Melsungen (beide Schwalm-Eder-Kreis), Homberg (Ohm) und Feldatal (beide Vogelsbergkreis), Frankenberg (Eder) und Willingen (Upland, beide Waldeck-Frankenberg), Großalmerode (Werra-Meißnerkreis).

Von Florian Lerchbacher

23.07.2021
23.07.2021