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Ostkreis Amöneburger feiern Steigeramt
Landkreis Ostkreis Amöneburger feiern Steigeramt
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18:19 02.01.2022
Vertreter aus 13 katholischen Gemeinden halten Puzzleteile in die Höhe. Beim Gründungsgottesdienst werden sie dann zusammengefügt. Rechts: Pfarrer Marcus Vogler und Freddy Greib vom Verein Amöneburg1300.
Vertreter aus 13 katholischen Gemeinden halten Puzzleteile in die Höhe. Beim Gründungsgottesdienst werden sie dann zusammengefügt. Rechts: Pfarrer Marcus Vogler und Freddy Greib vom Verein Amöneburg1300. Quelle: Michael Rinde
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Amöneburg

Noch einmal war die Stiftskirche vor dem Jahreswechsel gut besucht, auch angesichts der wegen der Pandemie eingeschränkten Zahl der Plätze. Traditionell feiern Kirchengemeinde und Stadt Amöneburg am Silvestermorgen das Steigeramt (siehe Kasten). Zugleich endete am vergangenen Freitag auch das große Doppeljubiläum: 1300 Jahre Amöneburg und 150 Jahre Stiftskirche. Zugleich war es auch der letzte Tag der Eigenständigkeit von 13 katholischen Pfarrgemeinden in der Region (die OP berichtete ausführlich). Sie sind aufgegangen in der neuen Pfarrei St. Bonifatius Amöneburger Land.

Das brachte den Verein Amöneburg1300 auf eine Idee. Er ließ ein großes Puzzle von einem Bild des heiligen Bonifatius, Namensgeber der neuen Gemeinde, anfertigen. Jenes Puzzle hat 13 Bestandteile, beim Steigeramt bekamen Vertreter der 13 Kirchorte jeweils eines davon. Beim Gründungsgottesdienst am 22. Januar werden die Elemente dann zusammengefügt zu einem großen Bild, wie Freddy Greib vom Verein im Gottesdienst erläuterte. Greib griff ein Wort des Heiligen auf: „Wir dürfen das Schiff nicht verlassen. Wir müssen es lenken.“ Der Verein bedankte sich für die Unterstützung in diesem so besonderen Jubiläumsjahr mit einem Fläschchen Sekt bei jedem Besucher des Gottesdienstes. „Danke, es war schön“ ist auf dem selbst gestalteten Etikett nachzulesen. „Es war trotz Corona ein gelungenes Jubiläumsjahr“, sagte Greib bei seiner kurzen Ansprache.

Pfarrer Marcus Vogler leitete die Messe, unterstützt von Diakon Dr. Paul Lang.

Gottesdienstteilnehmer holten sich ein gesegnetes Steigerweck am Altar ab.  Quelle: Michael Rinde

Auch ein „Nachfahre“ der damaligen „Ratsherren“, die das Steigeramt stifteten, ergriff in der Stiftskirche das Wort. Stadtrat Heinrich Neumann erinnerte ebenso wie zuvor Greib und Pfarrer Vogler an Ereignisse im vergangenen Jubiläumsjahr: Den Beginn mit Bischof Dr. Michael Gerber und der Ankunft der Bonifatius-Reliquie etwa oder die Einweihung des Tympanons über dem Kircheneingang. Neumann sprach aber auch einschneidende Ereignisse wie die Flut im Aartal etwa oder den Brand des Wohnhauses der Familie Lauer in Mardorf an und natürlich die Pandemie mit ihren Folgen. Ausdrücklich würdigte Stadtrat Neumann den Einsatz der vielen Helfer während des Amöneburger Jubiläumsjahres und verwies auf die Aufführung des Bonifatius-Musicals in diesem September.

Die Pandemie war auch der Grund dafür, dass das Steigeramt anders endete als in früheren Jahren. Eigentlich ist es Tradition, dass Vertreter der Stadt am Ausgang das Steigerweck, ein frisches Brötchen, an die Teilnehmer übergeben. Doch dieses Jahr ruhten die Wecken in einem Karton am Altar. Pfarrer Vogler hatte sie am Ende des Steigeramtes gesegnet, jeder Besucher nahm sich dann den einzeln verpackten Steigerweck dort mit.

Termin: Am 22. Januar um 17 Uhr findet der Gründungsgottesdienst der neuen Kirchengemeinde St. Bonifatius Amöneburger Land in der Stiftskirche statt.

Steigeramt

Das Steigeramt geht der Legende nach auf den Jahreswechsel im Jahr 1645 zurück. Amöneburg wurde seinerzeit wieder einmal belagert. In der Silvesternacht versuchten hessische Truppen in der Nähe des Hainturms mit Sturmleitern die Burgmauern zu erklimmen. Doch Waschfrauen hörten das Anlegen der Leitern, alarmierten die Wachen und die Bevölkerung und kippten kochende Lauge auf die Angreifer. Aus Dankbarkeit stifteten die damaligen Ratsherren das Steigeramt auf Ewigkeit. An diese Verpflichtung hält sich die Stadt. Jedes Jahr bekommen Besucher deshalb den „Steigerweck“, ein frisches Brötchen.

Von Michael Rinde