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Ostkreis „Momo“ geht in den Ruhestand
Landkreis Ostkreis „Momo“ geht in den Ruhestand
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11:00 24.07.2022
Björn Mayr (links) überreichte Thomas Feldpausch sein Abgangszeugnis. Die Note in Religion: himmlisch. 
Björn Mayr (links) überreichte Thomas Feldpausch sein Abgangszeugnis. Die Note in Religion: himmlisch.  Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Er ging als Schüler an die Stiftsschule, kehrte zehn Jahre nach seinem Abschluss dorthin zurück, um einen Termin für ein Abitreffen abzuklären – und wurde vom damaligen Schulleiter Paul Lotz quasi vom Fleck weg im Jahr 1985 als Lehrer verpflichtet. Zunächst war Thomas Feldpausch „nur“ eine Schwangerschaftsvertretung, doch er bekam Anschlussverträge und blieb letztlich bis zu seinem Ende dieses Monats beginnenden Ruhestand. 37 Jahre war er Lehrer für Deutsch und Religion an der Stiftsschule, die letzten 12 Jahre auch noch stellvertretender Schulleiter.

„Die 12 Jahre waren mir eine Ehre, die 37 Jahre das reine Vergnügen“, kommentierte er während einer emotionalen Feier, während der die Schule auch noch Rita Holtz, Stefan Neubauer, Joachim Schoner und Michael Fischer verabschiedete (teils ebenfalls in den Ruhestand, teils an andere Schulen). Entsprechend sprach Schulleiter Björn Mayr von einem Umbruch, bei dem „große Erfahrung und prägende Gesichter“ verloren gingen. Er bezeichnete Feldpausch als wichtigen Anker, als hervorragenden Zuhörer mit einer sehr einfühlsamen und sensiblen Art und insgesamt als guten Freund. Er überreichte seinem scheidenden Stellvertreter ein Abgangszeugnis – das beispielsweise in Religion die Note „himmlisch“ aufweist.

Zur Person

Thomas Feldpausch ist 65 Jahre alt und verheiratet mit Ehefrau Elisabeth, mit der er zwei Kinder und ein Enkelkind hat. Nach eigenen Angaben war er früher ein miserabler Schüler.
Ein Jahr vor seinem Abitur (1975) sei er dann aber mit einer Deutschlehrerin und dem Schulpfarrer auf Studienfahrt gewesen. Dabei habe er gemerkt, wie sich Theologie und Deutschunterricht verbinden ließen. Seine Begeisterung war geweckt. Anschließend studierte er Theologie und Deutsch auf Lehramt in Kassel und Marburg – und kehrte 1985 an die Stiftsschule nach Amöneburg zurück.
Der leidenschaftliche Fan des FC Bayern München unternahm in der Folge zahlreiche Klassen- und Studienfahrten, wurde 2005 Fachbereichsleiter und 2010 letztlich stellvertretender Schulleiter.

Andreas Greif vom Bistum bezeichnete Feldpausch als „Mann der zweiten Reihe“: Er wisse immer Bescheid, habe alles im Blick und wirke im Hintergrund mit, ohne sich nach vorne zu drängen. Feldpausch sei ein Mensch, der gut zuhören könne – und habe als Stundenplaner alles im Griff gehabt, obwohl in dieser Position stets die Möglichkeit bestehe, zum meistgehassten Menschen einer Schule zu werden. Jörg Christiani – von der Fachschaft Deutsch und sein Nachfolger als stellvertretender Schulleiter – verglich den angehenden Ruheständler mit der Romanfigur Momo, weil diese ebenfalls besonders gut zuhören konnte. Und auch Feldpausch griff in seiner Rede auf Literatur zurück: Er, einst miserabler und stinkend fauler Schüler, sei immer wieder gefragt worden, warum er ausgerechnet an seine alte Schule zurückkehrte. Eine konkrete Antwort habe er nicht, erklärte er: Aber es gebe in Theodor Fontanes „Effi Briest“ das „nicht zu fassende Etwas“, das für folgenreiche Entscheidungen zuständig sei. Und die Stiftsschule habe eben dieses nicht näher definierbare Etwas – das wirke, kostbar sei und die Menschen mit ihrer Schule verbinde.

Er ließ es sich aber auch nicht nehmen, in Richtung des Bistums zu betonen, dass dieses Etwas nicht überstrapaziert werden dürfe und die Stiftsschule als Arbeitsplatz wieder attraktiver gemacht werden müsse. Er bezog sich damit auf unterschiedliche Arbeitsverhältnisse: Als Angestellter sei die Altersvorsorge mit jener als Beamter einfach nicht zu vergleichen. Den Schülerinnen und Schülern wünschte er, sie mögen wieder „anstrengender“ werden – im positiven Sinne: also Nachfragen zu stellen und kritischer zu sein.

Von Florian Lerchbacher

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