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Ostkreis Stadtmuseum lädt zur Zeitreise ein
Landkreis Ostkreis Stadtmuseum lädt zur Zeitreise ein
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20:58 26.06.2021
Diese beiden Skelette fränkischer Krieger wurden in den 1950er Jahren in der Nähe des Amöneburger Rabanushauses gefunden. Sie sind Teil der Sonderausstellung, die anlässlich des Stadtjubiläums gestaltet wurde.
Diese beiden Skelette fränkischer Krieger wurden in den 1950er Jahren in der Nähe des Amöneburger Rabanushauses gefunden. Sie sind Teil der Sonderausstellung, die anlässlich des Stadtjubiläums gestaltet wurde. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

1.300 Jahre liegt die geschichtliche Ersterwähnung des damaligen Amöneburgs zurück. Rund um das Jahr 760 nach Christus hatte der angelsächsische Presbyter Willibald die Biografie des Erzbischofs Bonifatius verfasst. Darin steht geschrieben, dass Bonifatius im Jahr 721 in „Amanabruch“, dem heutigen Amöneburg, unterhalb der Burg eine Klosterzelle gründete.

Doch was war Amanaburch damals eigentlich? Und was für Menschen lebten auf und um den Berg? Dieser Frage ging Museumsleiterin Antje Pöschl nach, die gemeinsam mit Elisabeth Theil im Stadtmuseum eine Sonderausstellung gestaltete – die am Sonntag (27. Juni) zwischen 14 und 18 Uhr das erste Mal geöffnet ist und dann bis Ende Oktober immer sonntags in dieser Zeit geöffnet sein wird (und nicht nur am ersten und dritten Sonntag, wie in sonstigen Jahren).

Mehr Nachdruck

Herrschend seien damals die Franken gewesen, doch ansonsten seien die Menschen in der Region keine Christen gewesen. Es habe vor Bonifatius zwar eine iroschottische Missionierung gegeben, aber maximal hätten sich die Männer und Frauen damals das Beste aus heidnischen und christlichen Bräuchen herausgepickt, erklärt Pöschl.

Bonifatius habe der Missionierung aber mehr Nachdruck verliehen – und es sei tatsächlich eine Zeit des Umbruchs gewesen. „So etwas funktioniert nur, wenn man die Herrscher mit ihm Boot hat“, ergänzt sie und verweist darauf, dass dies im Fall von Deorulf und Dettic – den damaligen Vorstehern des Ortes – geklappt habe.

Hilfe durch Empfehlungsschreiben

Eine große Hilfe sei dabei ein Empfehlungsschreiben gewesen, dass der Papst Bonifatius mit auf den Weg gegeben habe: „Das hinterließ bestimmt Eindruck.“ Archäologische Funde aus dieser Zeit gebe es rund um Amöneburg allerdings kaum, erklärt Pöschl. Das Gebiet der historisch abwechslungsreichen Region sei im Laufe der Jahrhunderte mehrfach „umgepflügt“ worden, schließlich hätten dort später auch noch Kelten gelebt.

Doch einige Dinge gibt es noch, die an die Zeit rund um das Jahr 721 erinnern: Ein Stück Keramik, ein paar Knochenteile und ein Messer – allesamt in der Nähe von Hügelgräbern entdeckt, die heute im Brücker Wald liegen und auch noch deutlich zu erkennen sind. Damals sei das Gebiet jedoch noch kein Wald gewesen, betont Theil: Entsprechend sind auf einem Modell, das die beiden Frauen für die Ausstellung gestaltet haben, auch kaum Bäume zu sehen.

Drei Skelette

Und da Grabstätten früher maximal anderthalb Kilometer vom Wohnort entfernt lagen, sei davon auszugehen, dass die begrabenen Menschen nicht vom Berg stammten, sondern eher aus der Region Rüdigheim. Dafür sind in der Ausstellung in einer Vitrine zwei Skelette zu sehen, die während der 1950er Jahre in fränkischen Kriegsgräbern in der Nähe des Rabanushauses gefunden wurden. Spuren deuten daraufhin, dass die Männer brutal getötet, wahrscheinlich sogar geköpft wurden.

Eigentlich gibt es sogar drei Skelette: Den sogenannten „Anton“, der immer im Amöneburger Museum „wohnt“, sowie zwei seiner Verwandten – anthropologische Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Männer familiär verknüpft waren, vielleicht sogar Brüder. Einer wurde aus Kassel für die Ausstellung auf den Berg gesendet, der andere verblieb in Marburg – von wo die Amöneburger stattdessen aber ein Schwert, eine Bronzeschale und eine Gürtelschnalle zur Verfügung gestellt bekamen.

Ausstellung am Sonntag

Dass es sich bei den beiden Toten um die Amöneburger Vorsteher Deorulf und Dettic handelt, kann Pöschl weder bestätigen noch dementieren: Sie hofft es aber – und findet die Vorstellung schön, dass es tatsächlich so sein könnte. „Die Begräbnisriten und die Sitten änderten sich damals. Man kann also wirklich von einer Übergangszeit sprechen“, betont die Museumsleiterin. Wahrscheinlich hätten sich die Menschen einfach das Beste oder für sie Passendste aus den heidnischen und den christlichen Bräuchen gepickt – oder aber „zur Sicherheit“ von beidem etwas ausgewählt.

Die Ausstellung wird am Sonntag (27. Juni) um 14 Uhr eröffnet. Pöschl hofft, dass dann auch alle dazugehörigen Tafeln auf dem Berg eingetroffen sind. Bürgermeister Michael Plettenberg sagt insgesamt über die Sonderausstellung, dass sie gut ins Jubiläumsjahr passe, weil sie wie eine Zeitmaschine sei und die Menschen mit zurück in die Zeit um 721 nehme.

Von Florian Lerchbacher

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