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Ostkreis Neue Technik muss her
Landkreis Ostkreis Neue Technik muss her
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14:58 26.09.2021
Ein letztes Mal trug Stefan Krähling (vorne) den Stadtverordneten seinen Jahresbericht vor. Moralische Unterstützung bekam er von Michael Nau, einem seiner beiden Stellvertreter.
Ein letztes Mal trug Stefan Krähling (vorne) den Stadtverordneten seinen Jahresbericht vor. Moralische Unterstützung bekam er von Michael Nau, einem seiner beiden Stellvertreter. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Die Corona-Pandemie hat erheblichen Einfluss auf die Arbeit der Feuerwehren. Dies stellte Amöneburgs Stadtbrandinspektor Stefan Krähling während der Stadtverordnetenversammlung in seinem Jahresbericht heraus.

Die Brandschützer des Stadtgebietes mussten im vergangenen Jahr zu 25 Einsätzen ausrücken – die Ursachen dafür waren wieder einmal vielfältig. Einmal hatte ein Unbekannter offenbar einen Heizöltank am Waldrand gesäubert – woraufhin sich die Einsatzkräfte darum kümmern mussten, die Natur vor Ort zu retten. Dabei sei es quasi zu interkommunaler Zusammenarbeit gekommen, berichtete Krähling, denn Feuerwehr und Bauhof aus Stadtallendorf hätten die Amöneburger bei den Arbeiten massiv unterstützt.

Außerdem gab es einen Brand in Mardorf, bei dem eine Person verstarb, und einen weiteren Gebäudebrand in Roßdorf, „bei dem wir leider einen Menschen nicht retten konnten“, bedauerte der Stadtbrandinspektor: Die Reanimationsversuche seien bedauerlicherweise erfolglos gewesen, erinnerte er sich – und stellte in diesem Zusammenhang einen Punkt heraus, der Resultat der Corona-Pandemie war: Die Einsatzkräfte hätten aufgrund der Kontaktbeschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen nicht nur lange nicht gemeinsam trainieren, sondern nach Einsätzen auch nicht über das Erlebte sprechen können.

Aber genau das sei eminent wichtig, denn es gelte nicht nur, Lehren aus den Einsätzen zu ziehen und sich dadurch immer weiter zu verbessern, sondern manchmal eben auch, die Geschehnisse zu verarbeiten. Gerade bei Einsätzen mit Todesfällen sei dies eigentlich unverzichtbar, sagte Krähling und erklärte, dass die Brandschützer aber wenigstens professionelle Hilfe durch den Kriseninterventionsdienst des Landkreises bekommen hätten. In seinem Rückblick erinnerte der Stadtbrandinspektor an zahlreiche Veränderungen, mit denen sich die Bürger und die Ehrenamtler auseinandersetzen mussten: Auf einmal habe es gegolten, sich beispielsweise mit Infektionsschutz zu beschäftigen – also Fragen, die eigentlich in normalen Zeiten im Zuständigkeitsbereich des Gefahrenstoffzuges lägen. „Plötzlich durften wir auch höchstens noch mit vier Personen in einem Fahrzeug sitzen“, sagte er und lobte die Stadt, die den Feuerwehren drei Busse zur Verfügung stellte und im Stadtgebiet verteilte.

Einsätze seien also natürlich noch möglich gewesen – Ausbildungsdienste und Übungen aber eben nicht. Weder in der Praxis, noch in der Theorie. Letzteres wollten die Amöneburger Feuerwehren aber möglichst rasch wieder ermöglichen, daher hätten sie sich für Schulungen einen Online-Zugang zu einem Webportal gekauft, so Krähling. Doch zum einen ersetze dies keine Präsenzveranstaltungen, zum anderen hätten insbesondere ältere Einsatzkräfte dies aus verschiedenen Gründen nicht nutzen können. „Man braucht eben auch die technischen Möglichkeiten“, sagte er und verwies darauf, dass in so manchem Gerätehaus nicht einmal ein Computer stehe. Das gelte es zu ändern: „Die Feuerwehren müssen in diesem Zusammenhang technisch ertüchtigt werden.“

Immerhin sei es seit einigen Monaten wieder möglich, in kleinen Gruppen gemeinsam zu üben: „Aber große Ausbildungsdienste gibt es noch immer nicht. Früher hatten wir uns vierteljährlich mit allen Stadtteilwehren zu gemeinsamen Übungen getroffen.“ Noch düsterer sehe es aber bei den Jugendfeuerwehren aus. So mancher tue sich dort noch mit den Hygienevorschriften schwer und es gebe eigentlich noch keine Ausbildungsdienste. „Wir brauchen dringend weitere helfende Hände, um den Mehraufwand stemmen zu können“, appellierte Krähling an die Amöneburger. Er befürchte, dass sich die Kinder und Jugendlichen sonst andere Hobbys suchten und die Feuerwehren des Stadtgebietes eines Tages eben nicht mehr in der komfortablen Lage seien, so wie derzeit über ausreichend Einsatzkräfte zu verfügen. Mit diesem Hinweis schloss der Stadtbrandinspektor seinen letzten Jahresbericht: Im kommenden Jahr stünden Neuwahlen an – und nach 26 Jahren in Führungspositionen werde er sich nicht mehr zur Wahl stellen, erklärte der Rüdigheimer, der von den Stadtverordneten Standing Ovations bekam.

Von Florian Lerchbacher