Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Kirche digital erleben
Landkreis Ostkreis Kirche digital erleben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 21.10.2021
Patrick Jestädt hat einige „Actionbounds" entwickelt.
Patrick Jestädt hat einige „Actionbounds" entwickelt. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
Anzeige
Amöneburg

Wofür genau dient eigentlich ein Altar? Was ist die Eucharistie? Und wussten Sie, dass erst seit dem zweiten Vatikanischen Konzil in den 1950er-Jahren die Priester die Messe nicht mehr mit dem Rücken zu den Gläubigen feiern, sondern zu ihnen gewandt? Diese und viele weitere Fragen beantwortet Patrick Jestädt in sogenannten „Actionbounds“, die der Gemeindereferent für den Pastoralverbund Amöneburg beziehungsweise die entstehende Bonifatius-Pfarrei entwickelt hat. „Actionbound“ ist eine App, die an eine Art Schnitzeljagd erinnert, die gleichzeitig aber auch wie eine Führung funktioniert: Die User werden von einem Ort zum nächsten geleitet, bekommen Informationen, müssen beziehungsweise können kleine Rätsel lösen und vieles mehr. Sie erkunden so beispielsweise einen Ort oder ein Gebäude, ohne in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen oder kommen zu müssen – gerade in Corona-Zeiten eine willkommene Möglichkeit, um etwas zu unternehmen und dabei Informationen zu erhalten.

Vier dieser multimedialen Erlebnistouren hat Jestädt bereits für den Pastoralverbund entwickelt. Er habe schon immer Spaß am Geocaching gehabt und sei so auf die Idee gekommen, insbesondere Jugendlichen auf diese Art und Weise ganz niedrigschwellig und unkompliziert Zugang auch zu kirchlichen Themen zu ermöglichen. Während des Lockdowns sei es unter anderem bei der Firmvorbereitung schließlich notwendig gewesen, neue Wege zu beschreiten und kontaktlos zu arbeiten, erinnert er sich. So sei ihm zu Ostern die Idee gekommen, einen virtuellen Kreuzweg zu gestalten. Daraus entwickelte sich dann noch der Gedanke, Kirchen, ihre Inhalte und deren Bedeutungen zu erläutern – und schon war die Grundlage für die „Kirchenerkundungstour Amöneburg“ am Beispiel der Stiftskirche gelegt. „Ich denke, dieser Ansatz hat Zukunft, gerade auch, weil Kirche digitaler werden muss.“

Größerer Aufwand

Die Entwicklung der „Actionbounds“ – für deren Nutzung ein Smartphone notwendig ist – bedeute natürlich zunächst einen etwas größeren Aufwand, doch dann ließen sich die Angebote problemlos um weitere Details erweitern. So fehle bei der Kirchenerkundungstour zum Beispiel noch eine Erklärung des Tympanons, das ein Bildhauer erst dieses Jahr anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Gotteshauses in den Stein über dem Eingangsportal schlug. Und er könne so auch gut auf Kritik oder Anregungen reagieren, betont Jestädt und stellt heraus, dass an den Erklärungstexten neben ihm noch Pfarrer Marcus Vogler und Gemeindereferentin Andrea Thomanek mitgewirkt haben.

Jugendliche und junge Erwachsene nennt er als primäre Zielgruppen. Die ersten vier „Actionbounds“ (Kirchenerkundungstour Amöneburg, Kreuzweg Kirchhain, Schöpfungswanderung Bauerbach und „It’s your choice Amöneburg“) seien eine Art Versuchsballon. Beim Kreuzweg versuche er zum Beispiel, biblische Geschichten auf moderne Orte zu übertragen. „Wo erleben wir heute Verurteilungen?“, fragt er, erinnert an Jesu Verurteilung und gibt die Antwort gleich selbst: „Am Amtsgericht in Kirchhain. Verurteilungen gibt es schließlich auch heute noch in der Gesellschaft.“ Entsprechend sei das Gerichtsgebäude ein Ziel des „Actionbound“. Die Geschichte von Simon von Kyrene, der Jesus das Kreuz abnahm, führt die Nutzer der App an einen Ort, in dem heute Lasten gestemmt werden: ein Fitnessstudio.

Kirchenorte näherbringen

Doch auch ältere Menschen könnten an dem Angebot durchaus ihre Freude haben, insbesondere an einem „Actionbound“, der sich in der Entwicklung befindet: 13 Gemeinden wachsen zum 1. Januar 2022 zur neuen Pfarrei „St. Bonifatius, Amöneburger Land“ mit rund 8 500 Gläubigen zusammen. Jestädt möchte all diesen Menschen (und allen anderen, die möchten) die verschiedenen Kirchenorte näherbringen und entsprechend die verschiedenen Kirchen, Kapellen und Mariengrotten vorstellen. Ein anderer „Actionbound“ soll sich rund um die sieben Gaben des Heiligen Geistes drehen, ein weiterer ist für den Klostergarten der Franziskaner in Kirchhain geplant: Dort wird der Heilige Franziskus das Thema sein.

Einen „Actionbound“ zum Heiligen Bonifatius gibt es übrigens bereits: Diesen hat Pfarrerin Katrin Rouwen aus Wetter entwickelt.

Wer nun neugierig geworden ist und weitere Informationen sucht – auch zur Funktionsweise der App – findet diese auf der Homepage www.katholische-kirche-amoeneburgerland.de

Von Florian Lerchbacher