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Ostkreis Gedenkstellen für Sternenkinder geplant
Landkreis Ostkreis Gedenkstellen für Sternenkinder geplant
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10:58 27.06.2021
Zunächst soll laut Wunsch von SPD und CDU auf dem Friedhof in der Kernstadt eine Gedenkstelle für Sternen- oder Engelskinder eingerichtet werden.
Zunächst soll laut Wunsch von SPD und CDU auf dem Friedhof in der Kernstadt eine Gedenkstelle für Sternen- oder Engelskinder eingerichtet werden. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

„Ein Baby, welches ersehnt, dessen Geburt erwartet wurde, kommt doch nicht zur Welt. Das bedeutet eine tiefe innere Erschütterung für die Betroffenen und ist mit einer tiefen Traurigkeit verbunden“, betont Christoph Grimmel, der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, die mit Unterstützung der CDU eine „Herzensangelegenheit“ anstieß.

Die Amöneburger brachten einen Prüfantrag ein, der die Verwaltung beauftragt zu schauen, in welcher Form auf dem Friedhof in der Kernstadt eine Gedenkstelle für Sternenkinder eingerichtet werden kann. Sternen-, Schmetterlings- oder Engelskinder sind Kinder, die vor oder während der Geburt oder auch bei einem medizinisch angezeigten Schwangerschaftsabbruch sterben.

Dunkelziffer ist hoch

„Jährlich sterben in Deutschland mehr als 3.000 ungeborene Babys im Mutterleib. Die Dunkelziffer ist weitaus höher“, berichtete Grimmel und ergänzte: „Früher existierten diese verstorbenen Kinder in der öffentlichen Wahrnehmung so gut wie gar nicht.“

Heute könnten diese Kinder aus unterschiedlichen Gründen nicht regulär beigesetzt werden: „So fehlt den Eltern ein Ort der Trauer, um dem verstorbenen Kind nahe sein zu können. Betroffene Eltern bleiben dadurch oft verwaist zurück. Dies möchten wir ändern und einen Ort zum stillen Gedenken ermöglichen“, sagte Grimmel.

Zunächst soll laut Wunsch von SPD und CDU auf dem Friedhof in der Kernstadt eine Gedenkstelle für Sternen- oder Engelskinder eingerichtet werden. Quelle: Florian Lerchbacher

Die Verwaltung möge bis Ende September Gestaltungsvorschläge für eine solche Gedenkstelle vorlegen, damit diese im Ausschuss gemeinsam mit Vertretern der Kirchengemeinde und interessierten Bürgern beraten werden können. Die finanziellen Mittel zur Umsetzung sollen dann in den Haushalt 2022 eingestellt werden, so der Plan des SPD-Mannes.

Perspektivisch strebe er an, solche Gedenkstellen auf allen Friedhöfen der Stadt Amöneburg einzurichten – und zwar in den Jahren 2023 und 2024. Das hätte „Leuchtturmcharakter“ und sei auch im Landkreis einmalig: „Dabei sollte es doch selbstverständlich sein.“

„Ein Ort zum Innehalten“

Grimmel wolle, dass die Gedenkstellen an ausgesuchten und pietätvollen Standorten platziert und mit einem entsprechenden Hinweis versehen werden. „Für alle betroffenen Eltern unserer Stadt sollen diese durchgängig erreichbar und ein Ort zum Innehalten sein.“ Es sei wichtig, Eltern einen Ort zu bieten, „an dem sie bewusst trauern können“. Die Stadt würde so die Trauerarbeit unterstützen.

Einen ähnlichen Antrag hat die SPD in Stadtallendorf eingebracht – dort fungiert Grimmel als stellvertretender Vorsitzender. In Stadtallendorf stimmten alle Fraktionen dem Plan zu. Auch in Amöneburg segneten die Stadtverordneten den Prüfantrag ab – lediglich Ewald Schick (FWG) enthielt sich der Stimme.

Von Florian Lerchbacher