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Ostkreis Eiskalt selbst in die Hand genommen
Landkreis Ostkreis Eiskalt selbst in die Hand genommen
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15:56 31.07.2021
Dr. Stefan Heck, Stadtrat Heinrich Neumann, Frank Ludwig mit Sohn Leon, Kirsten Fründt, Jochen Opitz mit Sohn Linus, Dennis Stein, Stadtverordneter Markus Dörr und Felix Opitz bei der Bescheidübergabe am alten Gefrierhaus.
Dr. Stefan Heck, Stadtrat Heinrich Neumann, Frank Ludwig mit Sohn Leon, Kirsten Fründt, Jochen Opitz mit Sohn Linus, Dennis Stein, Stadtverordneter Markus Dörr und Felix Opitz bei der Bescheidübergabe am alten Gefrierhaus. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Früher nutzten die Amöneburger das Gefrierhaus in der Nähe des Marktplatzes, um dort alles zu lagern, was gut gekühlt werden muss. Doch schon seit vielen Jahren dient das alte Gebäude nicht mehr seinem üblichen Zweck. Stattdessen verstaut die Vereinsgemeinschaft dort alles, was die Amöneburger Vereine eben so brauchen, aber nicht vernünftig unterbringen können.

Aber: Das ehemalige Gefrierhaus ist in die Jahre gekommen und muss renoviert werden. „Es war vielen Leuten ein Dorn im Auge – und so ein Anblick stört ja auch, wenn man über den Mauerrundweg läuft und das eigentlich herrliche Ambiente genießt“, sagt Ortsvorsteher Dennis Stein und freut sich, dass die „Berger“ das Heft einfach selbst in die Hand nahmen.

Den Hut zogen sich die Mitglieder der Buschen- und Mädchenschaft „Berger 88“ auf, die Bauleitung übernahm Jochen Opitz. „Wir müssen das Gebäude von außen und über die Zeit auch von innen sanieren“, erklärte er dem aus Mardorf stammenden Staatssekretär Dr. Stefan Heck, als dieser einen Förderbescheid über fast 5 000 Euro aus dem Programm „Starkes Dorf“ überbrachte.

Ein Teil des Daches sei bereits erneuert, berichtete Opitz und stellte heraus, dass dies allen voran Felix Schmitz und Timo Ludwig von der ortsansässigen Dachdeckerfirma Schraub übernommen hätten – ehrenamtlich natürlich. Außerdem müsse die Fassade erneuert werden. Den alten Sandputz hätten zahlreiche fleißige Helfer – unter ihnen sogar einige Kinder – entfernt. Geplant sei, dort einen Kalkputz anzubringen – sowie, am Fuß des Gebäudes, einen speziellen Sockelputz. Außerdem kämen noch neue Holzfenster ins Haus.

„Wir nutzen Naturmaterialien, damit das alte Gefrierhaus weiter atmen kann“, betonte Opitz. Bisher seien rund 260 ehrenamtliche Arbeitsstunden angefallen: „Bis wir fertig sind, dürften wir bei 1 000 bis 1 200 Stunden liegen.“ Nach den Sommerferien solle das Projekt abgeschlossen sein.

Stadtrat Heinrich Neumann berichtete, dass Ortsvorsteher Stein sich „heftigst“ für das alte Gefrierhaus eingesetzt habe: „Es gab die Überlegung, dass das Gebäude verkauft wird“, erklärte er und freute sich, dass die örtlichen Vereine sich weiterhin und vor allem langfristig (der Pachtvertrag läuft über 25 Jahre) darum kümmern: „Die Mietkosten werden mit den Investitionen verrechnet“, erklärte er, woraufhin Stein „das tolle Entgegenkommen der Stadt“ lobte.

„In vielen Orten stellt sich bei solchen Gebäuden die Frage der Nachnutzung. Ich bin sehr froh, dass die Dorfgemeinschaft eine Lösung gefunden hat“, kommentierte Heck.

Landrätin Kirsten Fründt erinnerte daran, dass sie „im schönsten aller hessischen Landkreise“ lebe, der auch noch bunt und lebenswert sei: „Und dazu tragen die Menschen einen großen Teil bei.“ Sie freue sich, dass sich die Bürger für ihre Heimat einsetzten – und dann auch noch vom eigenen Engagement in sinnvoller Weise profitieren.

Von Florian Lerchbacher