Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Ein bisschen anders – aber sehr erfolgreich
Landkreis Ostkreis Ein bisschen anders – aber sehr erfolgreich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 22.01.2022
Nicht nur das Feuerwerk zum Stadtjubiläum kam bei den Zuschauern hervorragend an.
Nicht nur das Feuerwerk zum Stadtjubiläum kam bei den Zuschauern hervorragend an. Quelle: Privatfoto
Anzeige
Amöneburg

Die Corona-Pandemie sorgte dafür, dass die Amöneburger neue Wege gehen und das 1300-jährige Bestehen ihrer Stadt auf teils ungewohnte Weise feiern mussten. Aber vielleicht sorgte genau das für das Salz in der Suppe. Die Mitglieder des Vereins „Amöneburg 13Hundert“ sind mit ihrem Festjahr 2021 und den Veranstaltungen jedenfalls zufrieden – und auch das Feedback ist gut. Und eine offizielle Bestätigung gab es auch: Der Landkreis Marburg-Biedenkopf hat das unter den besonderen Umständen an den Tag gelegte Engagement mit dem Otto-Ubbelohde-Preis gewürdigt. Zudem habe der Verein ein weiteres zentrales Ziel erreicht, freut sich Freddy Greib, einer der drei Vorsitzenden: Er habe es geschafft, die Menschen – insbesondere Alteingesessene und Neubürger – zusammenzubringen und sich gemeinsam einzusetzen.

Die Vorzeichen waren alles andere als gut

Dabei waren die Vorzeichen alles andere als gut gewesen: Veranstaltungen in geschlossenen Räumen waren nahezu unmöglich, und auch im Freien gab es zahlreiche Einschränkungen. Die geplante Festwoche entpuppte sich beispielsweise als nicht umsetzbar. Entsprechend dachten die Vereinsmitglieder auch darüber nach, das Festjahr zu verschieben – doch letztendlich entschieden sie sich dagegen. „Und das war auch gut so“, sagt Greib zum einen mit Blick auf den späteren Erfolg, zum anderen aber auch mit Blick auf die Coronazahlen, die im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr sogar noch höher schießen. Nichtsdestotrotz galt es, einige Pläne wieder zu begraben – und Neues zu entwickeln. Neben Veranstaltungen kam dabei einiges raus, das bleibt.

13 Häuser in der Kernstadt können zum Beispiel inzwischen „erzählen“: Hinter einem QR-Code verbergen sich an den Gebäuden Informationen, die Besucher der Stadt abrufen können. Im Laufe des Festjahres kamen weitere 13 Standorte in Stadtteilen hinzu – und das Projekt soll weiter wachsen, wie Greib ankündigt. „Wir bauen das aus“, verspricht er und nennt als Beispiele für Orte, die noch einen QR-Code bekommen sollen, die Lindaukapelle, die Waschbach und die Wenigenburg.

Was ebenfalls bleibt, sind neben Tassen, Gläsern und T-Shirts mit dem Vereinslogo die 13 aufgestellten Bänke, der umgestaltete Stiftsgarten neben der Kirche samt des Kinderbuchs rund um die Ziege „Kulle“, die bemalten Telekom-Kästen, die Festschrift, die eher ein Buch über Amöneburg und die Geschichte und Besonderheiten ist, der Bergputz, der regelmäßig stattfinden soll, und die „Klassiker am Berg“ – ein Oldtimertreffen, das die Oldtimerfreunde initiiert hatten. Und nicht zu vergessen das Bergzeitfahren „King of Mountain“ – ein Radrennen vom Kreisel zur Kirche, das sich bei seiner Premiere großer Beliebtheit erfreute. Und vielleicht gebe es ja noch die ein oder andere Aktion, die sich wiederholen lasse, sagt Greib: „Wir müssen das noch einmal sortieren und schauen, was möglich ist.“ Das Stadtjubiläum hatte in Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber und Ministerpräsident Volker Bouffier zwei Schirmherren. Der Bischof sei gleich dreimal in der Stadt gewesen, freut sich Greib, bedauert aber gleichzeitig, dass Hessens politische Nummer eins sich gar nicht habe „blicken lassen“.

Dafür sorgte Gerber gleich zu Beginn des Festjahres für eine Besonderheit, als er die Sternsinger nicht von Fulda aussandte, sondern von Amöneburg. Dorthin hatte er zuvor die Bonifatius-Reliquie überbracht, schließlich war es der Heilige, der vor nunmehr 1301 Jahren dort ein Kloster gegründet hatte.

Ebenfalls früh im Festjahr animierte der Verein die Bürger dazu, die Zahl 1300 sichtbar zu machen oder durch das Aufhängen von Amöneburg-Fahnen die Identifikation mit der Stadt zu unterstreichen – eine Aktion, an der sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger beteiligten.

Auf gute Resonanz stießen aber auch die Veranstaltungen wie die Oldtimer-Ausstellung mit anschließendem „Sundowner“, das Bonifatiusfest mit dem aus Mardorf stammenden Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, die Paramenten-Ausstellung, der Garagenflohmarkt, das in Verbindung mit dem Naturschutz-Informationszentrum veranstaltete Apfelfest, die Festgottesdienste mit dem Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und dem Fuldaer Weihbischof Karlheinz Diez, der Wein-Berg-Spaziergang mit 13 Standorten, der Nikolaus-Besuch auf dem Marktplatz oder Beteiligung am lebendigen Adventskalender – die natürlich am 13. Dezember erfolgte, denn die Zahl 13 zog sich passend zum Jubiläum wie ein roter Faden durch alles, was der Verein auf die Beine stellte. Außerdem nahmen viele Menschen die Angebote wahr wie das Suchquiz oder die „Kindertasche“, die ihnen vornehmlich die Stadt und ihre Besonderheiten auf unterschiedliche Art und Weise näherbrachten.

Absolute Höhepunkte seien aber eine Art Festwochenende sowie der von der Stadt ausgerichtete Festkommers gewesen, stellt Greib heraus. Besonderheit des Festkommers’ war, dass kurzfristig nur 100 Zuschauer vor Ort zugelassen werden konnten, die Veranstaltung aber im Internet gestreamt wurde und wahrscheinlich um die 2 500 Zuschauer hatte. „So viele, wie sonst kein Festkommers hat“, kommentiert Greib und erinnert daran, dass es statt Reden Gespräche, Interviews, Einspieler und Musik gab: „Das war ein voller Erfolg.“

Das Gleiche gelte aber auch für das Konzert Open Airmöneburg, an das sich im Verlaufe des Festwochenendes noch das Jubiläum 150 Jahre Stiftskirche, ein Dämmerschoppen mit Feuerwerk und ein Frühschoppen der Burschen- und Mädchenschaft anschlossen. Dabei kamen dreimal 1 300 Euro zusammen, mit denen die Ausrichter die Mardorfer Familie Lauer unterstützten, die Opfer einer Brandstiftung geworden waren.

Gründungsgottesdienst am Samstag

Obwohl das Festjahr vorbei ist, befindet sich die Bonifatius-Reliquie – die während einer Prozession noch einmal der Öffentlichkeit präsentiert wurde – noch in der Stadt. Sie bleibt noch bis zum 22. Januar in Amöneburg. Dann findet ab 17 Uhr der Gründungsgottesdienst der neuen Kirchengemeinde St. Bonifatius Amöneburger Land in der Stiftskirche statt – zu dem die 13 dazugehörigen Kirchorte auch die einzelnen Kacheln eines Puzzles mitbringen, das der Verein „Amöneburg1300“ aus einem Bild des heiligen Bonifatius gestaltet hatte. Doch auch dann ist noch nicht Schluss mit dem Jubiläum: Im September wird noch das Bonifatius-Musical aufgeführt. „Trotz Corona haben wir ein bisschen anderes, aber insgesamt sehr erfolgreiches Jubiläumsjahr mit vielen tollen Veranstaltungen gefeiert“, lautet das Fazit des Vereins – der sich auch weiterhin für die Stadt engagieren wird.

Von Florian Lerchbacher