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Ostkreis Der Star ist ein Basaltbrocken
Landkreis Ostkreis Der Star ist ein Basaltbrocken
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15:00 15.05.2021
Gemeinsam setzten (von links) Elena Ryazantseva, Thomas Barg, Elisabeth Schmitt-Nau, Gabi Clement, Astrid Wetzel und Carmen Gebhard das Kinderbuch um.
Gemeinsam setzten (von links) Elena Ryazantseva, Thomas Barg, Elisabeth Schmitt-Nau, Gabi Clement, Astrid Wetzel und Carmen Gebhard das Kinderbuch um. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Geplante Veranstaltungen lassen sich in Amöneburg 1 300 Jahre nach der Ersterwähnung aufgrund der Corona-Pandemie nicht umsetzen. Also initiiert „Amöneburg 13Hundert – der Verein zur Förderung von Geschichtsbewusstsein, Kultur, Heimat, Natur und Nachhaltigkeit“ zum Stadtjubiläum Dinge, die bleiben: zum Beispiel den Stiftsgarten neben der Kirche, dessen zentrales Element ein riesiger Basaltbrocken ist.

Und genau dieser Stein und dessen Geschichte animierte eine Gruppe Frauen dazu, ein Kinderbuch zu schreiben. Die Idee dazu hatte Gabi Clement – oder, um genauer zu sein, ihre Tochter samt Sohn Henry (einem von zwölf Enkelkindern). Stolz habe sie von dem Stein und dessen Weg hoch auf den Berg berichtet, erinnert sich die Amöneburgerin. Und da sie dies wohl voller Enthusiasmus tat, habe ihre Tochter in den Raum gestellt, dass sich die Story doch eigentlich für ein Kinderbuch eigne. Sohnemann Henry wollte sogleich mit der Illustration loslegen, doch die Amöneburger setzten dann doch lieber auf Elena Ryazantseva und somit eine erfahrene Künstlerin als auf einen sechs Jahre alten Nachwuchsmaler.

Doch zunächst musste Clement einen kindgerechten Text verfassen. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffe. Einen halbwissenschaftlichen Beitrag vielleicht schon – aber ein Kinderbuch?“, wundert sie sich noch heute. Aber: Mit Unterstützung von Elisabeth Schmitt-Nau (Redaktion) und Astrid Wetzel (Layout) klappte das ganz wunderbar. Und so wird die Geschichte vom Weg des Steines von Karlheinz „Kulle“ Webers Acker hoch auf den Berg, passend zum Jubiläum, im Format 13 mal 13 Zentimeter und in 13 bunten Bildern auf zertifiziertem Papier erzählt. Ein bisschen künstlerische Freiheit ist dabei, zum Beispiel in Form von Ziege Luise, die in jeder Zeichnung vorkommt. Ein wiederkehrendes Element, das gesucht werden könne, eigne sich hervorragend als Bestandteil von Kinderbüchern, wirft Wetzel ein. Ansonsten stimmen die Details.

„Kulle entdeckt einen Stein“ handelt von einem über sieben Tonnen schweren Basaltbrocken, um den Landwirt Weber und seine Familie jahrzehntelang drumherumpflügten. Eines Tages ließ die Familie den Stein, der sich als weitaus größer als erwartet entpuppte, ausgraben – was Gabi Clement zufällig beobachtete. Sie meldete Interesse daran an, aus dem Stein ein Denkmal zu machen, bekam grünes Licht und fragte auf der Suche nach Hilfe nach bei Thomas Barg. Der Bauunternehmer sagte seine Unterstützung sofort zu – und übernahm letztendlich auch die Finanzierung des Kinderbuchs. Doch zunächst galt es, den Basaltbrocken mit Kran und Lastwagen auf den Berg zu bringen. Gesagt, getan – eine Aktion, die angesichts des Einsatzes von schwerem Gerät für einiges an Aufmerksamkeit sorgte, aber eben auch für Begeisterung. Am Ende des Buches feiern die Amöneburger das neue Denkmal mit einem großen Fest – bisher Fiktion, aber eines Tages hoffentlich Realität, wie Carmen Gebhard, eine der Vorsitzenden von Amöneburg 13Hundert, bekundet.

Das Buch sei ein schönes Beispiel dafür, was Menschen alles schaffen können, wenn sie sich zusammentun und an einem Strang ziehen, betont Clement und freut sich, dass sich mit so viel Spaß in einer kleinen Stadt so etwas Tolles erreichen lasse. Und wichtig sei natürlich auch, dass sich durch das Niederschreiben der Geschichte mit einem Gerücht aufräumen lasse, das sich hartnäckig halte, erklärt die Amöneburgerin mit einem verschmitzten Grinsen. Nun dürfe auch dem letzten Berger klar sein, dass der Basaltstein von der Firma Geißler den Berg hochtransportiert und er nicht vom Vulkan ausgespuckt wurde.

Kleine Besonderheit am Rande: Vor der Präsentation des Buches hatte Ryazantseva bis auf Schmitt-Nau keinen der Protagonistinnen und keinen Protagonisten kennengelernt und lediglich Beschreibungen der Personen erhalten. Doch die schienen exakt genug zu sein, jedenfalls gab es keinerlei Beschwerden über die Darstellungen. Ein bisschen künstlerische Freiheit werde ihr wohl nachgesehen, freut sich die Illustratorin.

Astrid Wetzel hat übrigens für das Kinderbuch das Logo „Amöneburg entdecken“ entworfen. Ein Ziel des Vereins 13Hundert ist schließlich, die Menschen auf die Schönheiten und Besonderheiten der Stadt hinzuweisen – und dabei am besten auch für die Bürger Amöneburgs (egal welchen Alters) neue Blickwinkel zu eröffnen und Details (neu) zu entdecken. Passend dazu ist auch schon ein zweites Kinderbüchlein geplant. Das Thema verraten die „fantastischen vier“ Frauen aber noch nicht. Ein „lachender Löwe“ soll aber darin vorkommen. Und wer noch andere Geschichten, Orte oder Besonderheiten hat, die Ziege Luise als wiederkehrendes Element entdecken soll, der kann sich an die Vereinsmitglieder wenden. „Vielleicht machen wir daraus dann das nächste Amöneburg-entdecken-Buch“, sagt Schmitt-Nau.

„Kulle entdeckt einen Stein“ kostet zwei Euro und ist erhältlich im Edeka-Markt, der Brücker Mühle und im Café Markt 17 (alle Amöneburg), in Lenis Buchhandlung und bei Kleinheins Buch & Papier sowie in der Buchhandlung Homberg/Ohm.

Von Florian Lerchbacher