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Ostkreis Das „Denk-Mal“ und der Lügenbaron
Landkreis Ostkreis Das „Denk-Mal“ und der Lügenbaron
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18:00 01.06.2021
Da ist das Ding! Hans Theil (vorne, rechts) trägt mit Sohn Markus und Tochter Clara die Trappe vom Fundort.
Da ist das Ding! Hans Theil (vorne, rechts) trägt mit Sohn Markus und Tochter Clara die Trappe vom Fundort. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Der Heilige Bonifatius hat in Amöneburg seine Spuren hinterlassen – das steht angesichts des von ihm vor 1300 Jahren gegründeten Klosters und der daraus resultierenden Ersterwähnung „Amanaburchs“ außer Frage. Doch hat er auch Fußspuren hinterlassen? Nun, wahrscheinlich schon, allerdings keine, die 1300 Jahre später noch sichtbar sind.

Aber manchmal muss man es eben halten wie Astrid Lindgrens Figur Pippi Langstrumpf und sich die Welt machen, wie sie einem gefällt. Dies oder Ähnliches dürfte dem Amöneburger Hans Theil durch den Kopf gegangen sein, der auch seinen Teil zu „1300 Jahre Amöneburg“ beitragen wollte. Und so hat er eine DVD voller Aufsätze mit dem Titel „Amöneburger Allerlei“ zusammengestellt. In seinen Beiträgen widmet er sich Sagen und Geschichten – garniert dies aber stets mit dem Hinweis, dass die Leser ihren Verstand einschalten und nicht alles glauben sollen, was geschrieben steht. Fußnoten würden zwar den Anschein von Wahrheit und Seriosität vermitteln, aber diesem Anspruch nicht immer gerecht werden.

Nicht nur reine Spinnerei

Und dennoch: Reine Spinnerei sind die Ausarbeitungen des Schwiegersohns des 2015 verstorbenen Amöneburger Geschichts-Experten Alfred Schneider nicht. „Aber es geht ausdrücklich nicht um Geschichte, sondern um Geschichten“, betont Theil, der sein „Amöneburger Allerlei“ als unbezahlbar bezeichnet und entsprechend nur an Interessierte verschenkt.

Doch damit nicht genug: Der Amöneburger – von Freunden manchmal als Baron von Münchhausen bezeichnet – verlegte den 1. April rund zwei Monate nach hinten und initiierte eine „Exkursion“, deren Teilnehmer sich an der „Ostwand“ des Basaltkegels auf die Spuren Bonifatius’ machten. Dort soll Bonifatius den Götzen Ohmel „allegemacht“ haben, wie Theil betonte und berichtete, dass der spätere Heilige einst mit seinen großen Füßen auf den Boden gestampft habe, dass sich sein Fußabdruck in den Basalt einprägte. Der gewaltige Auftritt habe den sogenannten Bilstein erzittern lassen, wodurch sich ein Teil der Felsnase (einschließlich des Brockens mit seinem Fußabdruck) gelöst habe, dem Götzen Ohmel hinterhergerollt sei und diesen unter sich begraben hatte.

Theil: Abdruck am Christenberg ist viel zu klein

Auf dem Christenberg gebe es eine Bonifatiustrappe, stellte Theil heraus und betonte, es sei zum einen fraglich, dass Bonifatius dort je gewesen sei. Und zum anderen sei der Abdruck viel zu klein, um echt zu sein: „Mit so Schühchen hätte er nie durch Europa laufen können.“ Grob geschätzte drei Minuten nach diesen Worten fanden die Teilnehmer der Exkursion dann auch einen Basaltbrocken mit einer „Trappe“ – in die witziger- und natürlich ganz zufälligerweise ein Schlappen passt, den ein Mann der Größe 1,90 Meter (so groß soll Bonifatius ungefähr gewesen sein) bequem tragen könnte. Die Größe des Schuhs: eine amerikanische 13. „Mit Offenbarung seiner Schuhgröße will uns Bonifatius ein Zeichen geben“, frohlockte Theil, sprach von Fügung statt Zufall und dem Übermitteln der Grüße als Bonifatius’ Gruß zur 1300-Jahr-Feier.

Den Basaltstein samt Trappe brachte der Amöneburger übrigens gemeinsam mit den anderen „Exkursions“-Teilnehmern oben auf den Berg. Er bezeichnet sie als „Denk-Mal“, das an den Auftritt des Heiligen in Amöneburg erinnert – und dazu auffordert, zu denken.

Von Florian Lerchbacher