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Ostkreis CDU findet ihren Kandidaten in Marburg
Landkreis Ostkreis CDU findet ihren Kandidaten in Marburg
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16:00 17.12.2021
Noch ist Jens Seipp CDU-Fraktionsvorsitzender in Marburg. Im Jahr 2023 will er Bürgermeister in Amöneburg werden.
Noch ist Jens Seipp CDU-Fraktionsvorsitzender in Marburg. Im Jahr 2023 will er Bürgermeister in Amöneburg werden. Quelle: Thorsten Richter
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Amöneburg

Zwar steht erst im Jahr 2023 die nächste Bürgermeisterwahl an, doch schon jetzt stellen die Amöneburger die Weichen. Zumindest die CDU hat einen Kandidaten gefunden – auch wenn Fraktionsvorsitzender Jan-Gernot Wichert sich noch eher zurückhaltend zeigt und sagt: „Wir sind in der Findungsphase. Aber es sieht gut aus.“ Die Christdemokraten, traditionell stärkste Partei im Stadtgebiet, greifen auf einen Marburger zurück: den dortigen Fraktionsvorsitzenden Jens Seipp, der aller Voraussicht nach ins Rennen gegen Michael Plettenberg geht. Ob auch noch andere Kandidaten antreten, steht noch nicht fest. Der Amtsinhaber jedenfalls hatte beim OP-Wahltalk im Jahr 2017 bereits angekündigt, auch 2023 wieder kandidieren zu wollen – und dies auf Nachfrage dieser Zeitung noch einmal bekräftigt. „Ich bin alles andere als amtsmüde, sondern voller Tatendrang, fleißig und ehrgeizig“, erklärt er.

„Wenn ich etwas mache, dann tue ich das mit Herzblut", sagt Jens Seipp und ergänzt, er sei sich mit der Amöneburger CDU einig, dass er als Kandidat ins Rennen geht: „Die offizielle Nominierung ist aber noch nicht erfolgt“, hebt er hervor. Er plane, zunächst noch verschiedene Gespräche – unter anderem mit den anderen Fraktionsvorsitzenden, um auszuloten, was in Sachen einer eventuellen Unterstützung möglich ist – zu führen, die Nominierung sei dann der nächste Schritt. Er ist sich sehr wohl bewusst, dass seine Partei sich sehr früh mit der Thematik befasse, dies sei aber zum einen angesichts der derzeitigen Lage in Deutschland beziehungsweise auf der Welt sehr sinnvoll. Zum anderen wolle er ausreichend Zeit haben, Amöneburg und seine Bürger gut kennenzulernen.

Interessante Aufgabe

„Nach 18 Jahren in Marburg kann ich mir eine Veränderung gut vorstellen“, erklärt Seipp. Die Aufgabe klinge sehr interessant, sei aber eben auch eine Herausforderung – vor allem angesichts eines Vergleichs mit dem Jetzt: „Die Situation in Marburg ist eine ganz andere als die in Amöneburg. Die eine Stadt schwimmt im Geld, die andere weiß kaum, wie sie den Haushalt schaffen soll.“ Es sei also insgesamt spannend.

Einen Kandidaten in den eigenen Reihen habe es nicht gegeben, berichtet Wichert: „Es hat sich niemand hervorgetan, der gesteigertes Interesse hatte, für das Amt des Bürgermeisters anzutreten.“ In Seipp habe die CDU Amöneburg aber jemanden gefunden, der ihren Wünschen entspricht und absolut passend sei. „Wir sind auch bemüht, das Thema gemeinsam mit den anderen Fraktionen voranzutreiben. Wir wollen auch Gespräche führen, ob es vielleicht ein gemeinsamer Kandidat wird“, resümiert Wichert.

Winfried Nau (SPD) hat jedenfalls nach eigenen Angaben bereits eine Stunde lang mit Seipp telefoniert. „Er ist ein offener Mensch und es freut mich sehr, dass er das Gespräch gesucht hat“, sagt er, stellt im gleichen Zug aber heraus, dass er ein bisschen überrascht über die Nominierung sei: „Es wäre schöner gewesen, wenn wir im Vorfeld gemeinsam nach einem Kandidaten gesucht hätten“, kommentiert der Sozialdemokrat den Gedanken Wicherts.

„Ich kann nicht versprechen, Sie zu unterstützen“, habe Nau zu Seipp gesagt, berichtet Nau und ergänzt: „Wir haben uns noch nicht festgelegt, sind noch in der Phase der Überlegung.“ Sprich: Es ist noch nicht klar, ob die SPD einen eigenen Kandidaten stellt oder was sie macht. Er würde auch gerne jemanden ins Rennen schicken, der weiblich und jung ist, aber eben auch Erfahrung und die entsprechenden Qualifikationen für das Amt hat.

CDU ist recht schnell

„Ich glaube, nach 18 Jahren würde Amöneburg ein Wechsel guttun. Es ist immer wichtig, dass es neue Impulse gibt“, resümiert der SPD-Fraktionsvorsitzende. Ähnlich sieht das Andreas Möller-Forst von den Grünen – womit die beiden Männer auch indirekt Stellung zu einer bereits zerschlagenen Hoffnung Plettenbergs beziehen: „Ich hätte mir nach 18 Jahren als Bürgermeister mehr Akzeptanz erwünscht“, sagt dieser und berichtet, von Seiten der Parteien Unterstützung erhofft, aber keine zugesagt bekommen zu haben: „Das ist in Amöneburg scheinbar nicht möglich.“

Auch Amöneburgs Grüne haben noch keine Entscheidung getroffen, wie ihre Planungen für die Bürgermeisterwahl aussehen. Nach dem frühen Weichenstellen der CDU stehe das Thema aber ganz weit oben auf der Agenda, berichtet Möller-Forst. Noch stehe nicht fest, wie die noch jungen Amöneburger Grünen sich positionieren. Zunächst müssten noch parteiinterne und fraktionsübergreifende Gespräche geführt werden.

Die FWG Amöneburg um Fraktionsvorsitzenden Karl Jennemann hat noch keine Pläne geschmiedet. „Die CDU ist recht schnell dieses Mal, denn die Wahl ist ja noch eine Weile hin“, sagt er und verweist darauf, dass in seiner Fraktion noch einige recht neue Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung sitzen: „Die müssen auch erstmal ein paar Erfahrungen sammeln.“ Ob die FWG selbst einen Kandidaten stellen werde, stehe also noch in den Sternen: „Wir freuen uns aber, zu sehen, was die anderen für Kandidaten aufstellen – und freuen uns auf die folgenden Gespräche.“

Zur Person

Jens Seipp (43) ist stellvertretender Parteivorsitzender der CDU in Marburg und Fraktionsvorsitzender. Er ist Prokurist bei der Firma Orion in Biebertal. In seiner Freizeit reist er gerne und fährt Fahrrad, vor allem aber ist er mit ganzem Herzen Feuerwehrmann. In der Vergangenheit war er bei den Brandschützern auch schon in Führungspositionen tätig, hat dieses Engagement aber zurückgeschraubt, um mehr Zeit in die Kommunalpolitik investieren zu können. Seit April ist Hund Lilly neuestes Familienmitglied. 

Von Florian Lerchbacher