Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Auf der Suche nach den Potenzialen
Landkreis Ostkreis Auf der Suche nach den Potenzialen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:01 24.05.2022
Die historischen Mauern müssen Thema sein – betonte Stadtrat Heinrich Neumann (links) an dieser Stelle.
Die historischen Mauern müssen Thema sein – betonte Stadtrat Heinrich Neumann (links) an dieser Stelle. Quelle: Florian Lerchbacher
Anzeige
Amöneburg

„Was ist gut? Was ist schlecht? Wo könnte die Reise hingehen?“ Drei konkrete Fragen richteten Architekt Martin Fladt und Julia Reuter vom Frankfurter Büro „UmbauStadt PartGmbB“ an rund 20 Amöneburgerinnen und Amöneburger, die Ende der vergangenen Woche am Rundgang durch die Kernstadt teilnahmen. Die Gänge durch die Dörfer finden zusammen mit einem anschließenden Workshop stets zu Beginn der Dorfentwicklung statt, in deren Genuss die Amöneburg in den kommenden Jahren kommt. Dabei geht es darum, ein Gesamtkonzept für die Entwicklung der Stadt zu entwerfen (siehe Infokasten).

Als Stärken stellten die Bergerinnen und Berger das „Urlaubsgefühl“ heraus, das beim Blick oder Gang in die von Natur geprägte Umgebung entsteht. Zudem lobten sie die Fachwerkensemble und ihre Denkmäler. Doch auch vor Schwächen machten sie nicht halt: Gabi Clement kritisierte zum Beispiel den Zustand des Friedhofs und äußerte den Wunsch, die Anlage umzugestalten und alternative Beisetzungsmöglichkeiten anzubieten. Katharina Weber und Heinrich Neumann brachten den Zustand verschiedener historischer Mauern zur Sprache, die dringend eine Sanierung benötigten. Weber widmete sich in diesem Zusammenhang noch weiteren historischen Bauwerken: So erledige sie mit einer Gruppe Freiwilliger bereits Arbeiten wie das Freischneiden der Burgruine oder des Mauerrundweges. An einigen Stellen gebe es jedoch Aufgaben für Fachleute, denn aus einigen Mauern würden bereits Bäume wachsen – zum Beispiel oben auf dem Schwedenturm: „Das muss jemand entfernen, der es richtig kann.“

Auf ihrem Rundgang warf die Gruppe auch einen Blick in die Burgruine und thematisierte insbesondere den Zwinger, der gerne als Veranstaltungsort stärker genutzt werden solle – bevor dies möglich sei, müssten aber einige Veränderungen vorgenommen werden. Beispielsweise gelte es, einen Fluchtweg zu schaffen oder auch die Schießscharten freizuschaufeln.

Rathaus, Straßen und Verkehrsanbindung im Blick

Im Workshop im Anschluss kamen noch weitere Anregungen zur Sprache: Das Rathaus ist nicht barrierefrei und es gelte, das Gesamtensemble der Gebäude zu entwickeln. Zudem fehle ein Jugendraum. Außerdem stand der Zustand der Straßen in der Kritik, und in Sachen Mobilität kam der Wunsch nach einer besseren Anbindung Amöneburgs über den öffentlichen Personennahverkehr auf.

Fladt stellte noch heraus, dass auch Privatleute die Möglichkeit bekämen, Fördermittel für die Modernisierung und Sanierung von Gebäuden zu erhalten – sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Er riet dazu, auch mutig voranzugehen: Natürlich solle das Ortsbild in seiner ursprünglichen Form beziehungsweise die Identität eines Dorfes nicht völlig verändert werden – aber durch geschickte Entwürfe lasse sich beispielsweise auch an historischen Gebäuden ein moderner Balkon anbauen oder ein Freisitz schaffen.

Einen Tag später fand der Dorfbegang in Rüdigheim statt. Dort sei das Potenzial der Lage am Radweg Diskussionsthema gewesen, so Reuter – beispielsweise hätten die Teilnehmenden gesagt, dass sie an der Strecke ein Café für sinnvoll hielten. Zudem gebe es den Wunsch, die zahlreichen zu wenig genutzten Plätze mehr zu nutzen.

Anfang Juni geht es in den anderen Stadtteilen weiter: in Erfurtshausen am 3. Juni ab 16.30 Uhr (Treffpunkt Bürgerhaus), in Mardorf am 4. Juni ab 10 Uhr (Treffpunkt Kirchhainer Str. 17, der Workshop findet im Gemeenshaus statt) sowie in Roßdorf am 4. Juni ab 14 Uhr (Treffpunkt am Friedhof, Workshop in den „Sternstuben“). Für den 23. Juni (19.30 Uhr, Mehrzweckhalle Roßdorf) ist dann eine Veranstaltung vorgesehen, in der die Themenfelder der Dorfentwicklung konkretisiert werden.

Integriertes kommunales Entwicklungskonzept

Zu Beginn der Dorfentwicklung sind Kommunen aufgerufen, in Zusammenarbeit mit ihren Bürgerinnen und Bürgern ein „integriertes kommunales Entwicklungskonzept“ (IKEK) zu entwickeln. Das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz möchte, dass sich die Menschen mit ihren Heimatorten auseinandersetzen und Strategien für die Entwicklung erstellen. Insbesondere auf der Innenentwicklung und Revitalisierung der Ortskerne soll dabei ein Fokus liegen.

Bei den Ideen sollen aber nicht nur die einzelnen Orte im Mittelpunkt stehen: Es geht viel mehr um einen Blick auf die gesamte Kommune. Neben der Stärkung der Innenentwicklung sind die Themen „Erhaltung der historischen Baukultur, Weiterentwicklung der Basisinfrastruktur sowie eine nachhaltige Bürgermitwirkung“ essenziell.

Beleuchtet werden sollen auch die soziale Infrastruktur, die Mobilität und Nahversorgung, Energie, Ressourcenschonung und der Klimaschutz, Wirtschaft und Arbeitsplätze, Bildung sowie die Felder Tourismus, Brauchtum, Freizeit und Kultur und das bürgerschaftliche Engagement. Des Weiteren gilt es, ein Leitbild zu entwickeln.

Von Florian Lerchbacher