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Ostkreis In acht Wochen ist Lagergebäude beseitigt
Landkreis Ostkreis In acht Wochen ist Lagergebäude beseitigt
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15:05 15.04.2019
Ein gasdichter, leerer Container wird geöffnet, um ihn zu beladen. Das Foto entstand durch ein Schutzglas hindurch.  Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Gasdichte Container 
gelangen durch eine Schleuse in das Spezialzelt in der Straße Am Plausdorfer Tor. Im 
Inneren sind die Arbeiter in Schutzanzügen unterwegs.

Nachdenklich steht der frühere Eigentümer ­jenes Hauses an einer Art Scheibe in der Zeltplane. Durch sie lässt sich beobachten, wie ein Arbeiter mit Unterstützung eines Baggers einen Deckel vom gasdichten Container entfernt. „Hier habe ich mal mit meiner Familie viele Jahre gewohnt“, sagt er leise.

Von dem früheren Wohnhaus ist längst nur noch das Kellergewölbe übrig. Dieser Keller ist Teil des „Altgebäudes 256“ des einstigen Werkes Allendorf der DAG. Jenes Altgebäude ist nach dem Zweiten Weltkrieg Stück für Stück überbaut worden. Es war zeitweise Schreinerei, später Werkstatt, dann letztlich Wohnhaus. Im Keller ruhte dabei stehts die Rüstungsaltlast. In jenem Gebäude befand sich ursprünglich ein Toluol-Lager, einer der Grundstoffe des Sprengstoffes TNT.

Seit 2006 beschäftigten sich Sanierungsexperten der HIM, die Behörden des Landes und letztlich das Umweltministerium, mit diesem Wohnhaus. Im Januar begann der Abriss des Gebäudes bis zur Kellerdecke. Danach kam das Zelt, in dem Unterdruck herrscht (die OP berichtete). Vor zwei Tagen begann die heiße Phase der Altlastensanierung. Sämtliche Wände und die Decke jenes Kellers sind belastet. Die Hauptbelastungen liegen aber noch tiefer. Sie liegen unter der Bodenplatte.

„Ganz offensichtlich ist man während der Nutzung zu Kriegszeiten alles andere als sorgsam mit den Materialien umgegangen“, sagt Birgit Schmitt-Biegel, die Bereichsleiterin bei der HIM. Am Donnerstag, kurz nach Beginn der Arbeiten an der eigentlichen Altlast, hatte die HIM ­Behörden und Institutionen die Baustelle und das Gesamtprojekt präsentiert.

Spezialbagger zerlegt 
das alte Mauerwerk

Erstmals hatte das Land ein Wohnhaus in Stadtallendorf gekauft, um es abzureißen und die Schadstoffe aus dem Boden zu holen (die OP berichtete). Zwischenzeitlich hat das Land 
eine weitere Immobilie erworben, die in nicht allzu ferner Zukunft auch abgerissen werden muss. Die sanierten Baugrundstücke werden danach wieder verkauft.

Dass es im Inneren des Zeltes „zur Sache“ geht, ist gut zu hören. Ein Spezialbagger mit Meißel zerkleinert die Wände des Altgebäudes. Bisher haben sich die Anlieger der Baustelle nicht über Krach beklagt. Zwischen 7 und 18 Uhr wird dort unter der Woche gearbeitet. Außerdem ist die Abluft- und Filteranlage zu hören.

Etwa acht Wochen, so kalkuliert Oberbauleiter Ronald Pahl von der Strabag Umwelttechnik als ausführender Firma, wird die jetzige Sanierungsphase dauern. Danach kann das Zelt wieder zurückgebaut werden.

Dass unter dem Zeltdach etwas geschieht, merken Anlieger neben dem Lärm auch durch die Ab- und Anlieferung der Container. Das stark belastete Material kommt nach Deutzen, um dort verbrannt zu werden. Oberbauleiter Pahl erwartet allein etwa 600 bis 650 Tonnen Bauschutt, die je nach Belastungsgrad entsorgt werden müssen.

Das Geld floss fast ausschließlich in Gebäude und Gelände des Werkes ­Allendorf. Ein Ende der Sanierung ist noch nicht absehbar. So wird die Überwachung und Sicherung der Grundwasserstöcke noch viele Jahre bestehen bleiben. Und es gibt nach wie vor einige Häuser, bei denen aufgrund der Schadstoffbelastungen in der Raumluft Handlungsbedarf ­
bestehen wird.

von Michael Rinde